Volltext

(Artikel * 2000) Backes, Martina
Ohne Grund und Boden Meilensteine der Enteignung in der Landwirtschaft
in iz3w Nr. 244 * Seite 26 - 28
Themen: Hunger; Landkonflikt; Landwirtschaft; Umwelt/Ökologie * Nahrungsmittel * Dok-Nr: 91231
Standorte: A3W Osnabrück; FDCL Berlin; iz3w Freiburg; Nicabüro Wuppertal; VNB Barnstorf; IfaK Göttingen; biz Bremen; EWNT Jena

Hunger und Landwirtschaft

Ohne Grund und Boden
Meilensteine der Enteignung in der Landwirtschaft

von Martina Backes


Boden wurde bereits lange Zeit vor Beginn der Industrialisierung zum handelbaren Gut. Damit zählte für die Landwirtschaft zuallererst die Produktivität. Durch Düngung und Pestizide, durch neue Züchtungen und Techniken und nicht zuletzt durch die Ausbeutung menschlicher Arbeit musste immer mehr Ertrag erwirtschaftet werden. Doch die Vervielfachung der Ernteerträge hat ihr proklamiertes Ziel nicht erreicht: die Bekämpfung des Hungers.

Die heute vorherrschenden strukturellen Rahmenbedingungen des globalen Agrarsektors basieren auf einer agrargeschichtlichen Entwicklung, an deren Beginn die Expansion kapitalisierter Landwirtschaft im England des 17. Jahrhunderts steht.1 Die politische Zentralisierung ging einher mit einer Verschiebung der Machtverhältnisse vom feudalen Adel zum städtischen Bürgertum. Auf dem Land ersetzten die Großgrundbesitzer nach und nach gewohnheitsrechtliche Pachtverträge, die auf der Abgabe eines festgeschriebenen Teils der Ernte basierten, durch hohe Pachtzinsen. Damit wurden die Pächter zu einer Abgabe verpflichtet, die nicht vom Ertrag, sondern von der Anbaufläche abhing. Das Produktionsmittel Boden wurde alsbald auf dem Markt gehandelt, und Land wurde nun in erster Linie für den finanziellen Profit kultiviert. Die durch die Vermarktung geförderte Geldwirtschaft erforderte eine gesteigerte Produktivität der Landwirtschaft. Der Begriff des »Improvement« wurde zum ökonomischen Imperativ ? für die Pächter im Sinne einer Überlebensstrategie, für die Großgrundbesitzer im Sinne der Anreicherung des Vermögens.

Exklusive Landtitel
Die Steigerung der Produktivität wurde zusätzlich politisch forciert. So rechtfertigte das Primat der Produktivitätssteigerung die »Einhegung« von Land, Symbol für ein exklusives Besitzrecht und die Vernichtung gemeinschaftlicher Nutzungsrechte. Die gewohnheitsrechtlichen Praktiken der Landnutzung, die keine veräußerbaren Landtitel kannten, standen dem Improvement im Wege. Im Interesse der Feudalherren passte sich die Rechtsprechung dem Diktat der Produktivitätssteigerung und der marktbedingten Konkurrenz an: Die ehedem direkte Macht zur gewalttätigen Aneignung der Ernten wurde entpersonifiziert und auf den ökonomischen Sachzwang des Marktes abgewälzt. Der Konkurrenzdruck unter den Pächtern zwang »unproduktive« Landwirte zur Aufgabe. So ging die »Einhegung« mit einer massenhaften Landenteignung, der Landflucht und schließlich mit dem Anwachsen der Metropole London einher. Der Agrarkapitalismus schaffte durch die anwachsende städtische, auf Lohn angewiesene Bevölkerung zugleich eine optimale Voraussetzung für den später einsetzenden Industriekapitalismus.
Auf ähnliche Weise konstituierte sich später die koloniale Landwirtschaft, die unter anderem auf dem Expansionsdrang eines inzwischen industrialisierten Europas fußte. Der von der Kolonialmacht erzwungene profitable Anbau hochwertiger Exportkulturen wie Kaffee, Tee und eine auf Fleischproduktion angelegte Viehwirtschaft ließen sich nur über billige Arbeitskraft auf Plantagen organisieren. Die von der Kolonialverwaltung eingeführte »Hüttensteuer« und die »Kopfsteuer« trieben etwa in Kenia viele Menschen in die Lohnarbeit auf den Farmen der europäischen Siedler. Die Verpflichtung zur finanziellen Abgabe zwang zum Anbau von Export-Mais auf den eigenen Feldern.

Ökonomischer Zwang zur Enteignung
Um dem steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln und der Steuerpflicht nachkommen und die Exportquoten erfüllen zu können, wurde eine Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft unumgänglich. Die Technisierung und Intensivierung der lokalen Landwirtschaft zu Beginn des 20ten Jahrhunderts waren zunächst Nebenprodukte kolonialer Agrarpolitik. Doch die Landwirtschaft benötigte für eine ausreichende Nahrungsmittelproduktion in vielen Ländern Afrikas zunehmend marktvermittelte externe Inputs ? wie Saatgut und Maschinen, später auch Dünger und Pestizide. Durch eine wachsende Abhängigkeit von Produktionsmitteln, die nicht lokal vorhanden waren, sondern hinzugekauft werden mussten, wurden die Produzenten auf Umwegen enteignet. Nach der Unabhängigkeit der Staaten verschärften sich die Gegensätze zwischen einer auf Extraktion ausgerichteten, außengesteuerten und weltmarktorientierten Plantagenproduktion und einer traditionsgebundenen, zunehmend marginalisierten Subsistenzagrarwirtschaft ? ein Nährboden für innenpolitische Konflikte.
Mittlerweile hatte die hochtechnisierte und Überschüsse erzeugende Landwirtschaft in Europa und Amerika den Blick auf die Absatzmärkte in der »Dritten Welt« gerichtet. Verdeckte Subventionen an die eigenen Farmer sicherten den USA einen komparativen Kostenvorteil gegenüber den Anbietern aus den ländlichen Regionen in der »Dritten Welt«. Mit dem moralischen Motto vom »Brotkorb der Welt« rechtfertigten die USA den Verkauf ihrer Überschüsse in den Süden. Anfang der 70er Jahre, als die Kosten des Vietnamkrieges stiegen, setzten die USA die Agrarexportstrategie explizit zum Ausgleich des Außenhandelsdefizits ein.
Die nationalen Eliten und die städtischen Bevölkerungen kauften willig das Billiggetreide ? auf Kosten der Absatzmöglichkeiten der eigenen Produzenten. Rindfleisch im westlichen und südlichen Afrika, Billigweizen und Zucker in Kenia oder Mais auf den Philippinen (nicht nur aus den USA, sondern auch aus Thailand und China) sind eindrückliche Beispiele für die langfristig enorm destruktive Wirkung eines liberalisierten Agrarhandels. Die Erzeugerpreise der ProduzentInnen in der »Dritten Welt« können mit den Preisen der intensiven Landwirtschaft nicht mithalten. Die Billigimporte zwingen die lokalen Erzeuger zu ökologisch destruktiven Anbauweisen oder zur Aufgabe der eigenen Produktion. Die Importe untergraben so nicht nur die Ernährungssicherheit der Landbevölkerung, sondern erwirken zudem veränderte Konsumgewohnheiten und machen die Länder von wachsenden Einfuhren abhängig ? bei gleichzeitig steigenden Schulden.2

Pufferstrategie der Entwicklungshilfe
Eine neue Phase der agrarpolitischen Entwicklung stellte die »Grüne Revolution« dar (vgl. Kasten). Unter dem Leitmotto »Modernisierung einer maroden und rückständigen Landwirtschaft« ermöglichten Agrarkonzerne gemeinsam mit internationalen Hilfsprogrammen Ausfuhr und weltweite Verbreitung von Agrartechnologien sowie von Hochertrags-Saatgut im Kombipack mit Dünger und Pestiziden. Dabei wurde das moralische Argument einer in Folge der wachsenden Bevölkerung notwendig gewordenen Produktionssteigerung in den Vordergrund gestellt. Dahinter stand die Absicht, über den Export komplizierter und hochtechnisierter Agrartechnologien in die Dritte Welt neue Absatzmärkte zu schaffen. So war in Korea die neu eingeführte Masttierhaltung auf das Billiggetreide aus den USA angewiesen. Entwicklungsprogramme und Agrarhandel arbeiteten sich gegenseitig zu.
Erst als die Grüne Revolution bereits unverzichtbares Rückgrat der Modernisierung vermeintlich rückständiger Ökonomien war, wurde Kritik laut. Die Statistiken zunehmenden Hungers und wachsender Armut lösten Debatten um die Erklärung von Armut und Ernährungskrisen aus. Dabei wurde die Grüne Revolution für die sozialen und ökologischen Folgen der Modernisierungspolitik mitverantwortlich gemacht. Vorgestellte Alternativen, die ihren Ursprung in subsistenztheoretischen Ansätzen, sozialen Bewegungen oder der ökologischen Umgestaltung suchten, brachten der Entwicklungspolitik im Agrarsektor jedoch nur kosmetische Korrekturen.
Einzelne Elemente subsistenzorientierter Ansätze wurden seit den 80er Jahren auch von Modernisierern aufgegriffen. Begleit- und Abfederungsprogramme der Strukturanpassung boten Platz für alles, was sich auf dem Markt für alternative Entwicklungsmodelle etabliert hatte: Ecofarming und standortgerechter Landbau mutierten zu »basisnahen« Programmen der von der Weltbank finanzierten Agrarforschungsinstitute (CGIAR). Mit dem Modell der angepassten Technologie (AT) wollten die Experten in sozialtechnokratischer Manier und im Glauben an die Planbarkeit universell geltender Grundbedürfnisse die ökologischen Kosten abfangen. Die Experten setzen heute die »ökonomische Bedeutung der Frauen als Ernährerinnen« ebenso wie die »naturbewahrende Funktion indigener Völker« im kommunalen Ressourcenmanagement ein.
Solche gängigen entwicklungstheoretischen Diskurse und ihre Praxis, die unter dem Schlagwort Armutsbekämpfung Rezepte gegen den Hunger versprachen, sind weit davon entfernt, das Übel bei der Wurzel zu packen. Analysen über das Verhältnis von Armut und Hunger zu den Verfügungsrechten (entitlement) ? sprich Zugang und Kontrolle der Nahrungsressourcen ? und zur Verwundbarkeit (vulnerability, siehe auch S. 19) warfen Licht auf politisch-ökonomische Machtverhältnisse, die als Faktoren für fehlende Zugangsmöglichkeiten zu ausreichend vorhandenen Nahrungsmitteln thematisiert wurden. Diese Erklärungsmodelle berücksichtigen die vielschichtigen ökonomischen und soziokulturellen Facetten der Lokalitäten und eine sich immer komplexer gestaltende Verflechtung von Faktoren. Zugleich betonen sie die Bedeutung der auf dem informellen Sektor und dem Subsistenzbereich basierenden Strategien zur Bewältigung von Risiken und akuten Krisen.

Biopolitik: Die »andere Enteignung«
Diese Erkenntnisse gingen aber unter im revitalisierten Mainstream wachstumsorientierter und deregulierender Entwicklungsstrategien. Unter dem Vokabular von »Ernährungskrisenforschung, Risikokartierung und Frühwarnsystemen« fanden die Verwundbarkeitsstudien eine neue Anwendung im effizienteren Einsatz diverser Stütz-, Hilfs-, Nothilfe- und Katastrophenprogramme. So erstellte das Welternährungsprogramm der UN eine Karte von Bangladesh, die je nach Effektivität der lokalen Bewältigungsstrategien die Risikoträchtigkeit der Regionen klassifiziert. Daraus werden dann »für jeden Distrikt die Zahl der auszugebenden Rationskarten berechnet.« Prävention scheint »machbar«. Ohne an den Ursachen von Hunger und Armut zu kratzen, wollen die Planer akute Krisen bezwingen und verwalten. Die pragmatische Wendung einer kritischen Intention der Verwundbarkeitsthese hin zu einem globalen Management von Nahrungsengpässen kann nicht über die steigende absolute Zahl der von Hunger und Ernährungskrisen betroffenen Menschen hinwegtäuschen.
Seit Beginn der 90er Jahre kurbelte die Anerkennung bäuerlichen und »indigenen« Wissens für die Bewahrung der natürlichen Ressourcen einen Prozess zur Gewinnung lokaler Daten an, finanziert von der eigens eingerichteten Globalen Umweltfazilität (GEF) der Weltbank. Auf der Suche nach vermarktungsfähigen genetischen Eigenschaften der agrarbiologischen Vielfalt versprechen Projekte einer »private-public-partnership« den Marginalisierten neue Einkommensmöglichkeiten. Die maßgebenden eigentumsrechtlichen Bestimmungen stehen jedoch einer gerechten Gewinnverteilung im Wege.3 Vielmehr schreitet damit die Enteignung der Bevölkerung fort. Die Monetarisierung extrahierter Biorohstoffe soll ihre »nachhaltige Nutzung« weltmarktkompatibel machen. Gerechtfertigt wird diese neue Politik der Verwertung bislang ignorierter Ressourcen mit der Botschaft von der armutsbedingten Ressourcenzerstörung. Der Spruch von der »Armut, die Grenzen überschreitet« legitimiert die Aneignung geistigen Eigentums und der im Süden verorteten biologischen Reserven.
Unterdessen verspricht die Biotechnologie, soziale und ökologische Probleme in der Landwirtschaft durch innovative Verfahren in den Griff zu bekommen. Das Rezept liegt wiederum in neuen Technologien. Ernährungskrisen und Verteilungsfragen werden hingegen ebenso wie die ökologischen Probleme als ein vom Agrarkapitalismus völlig unabhängiges Problem dargestellt. Mit den Möglichkeiten der Gen- und Biotechnologie entstehen ganz neue Szenarien von Produktions- und Verwertungsmustern, die jenseits positiver Voraussetzungen für eine weltweite Ernährungssouveränitat liegen. Wenn mit Hilfe Lignin abbauender Mikroorganismen aus Erdnusshülsen in Fermentern Tierfutter produziert wird, verlieren die Sojabauern in Brasilien ihre Einkommensgrundlage. Bei der Herstellung von Kakaobutter aus organischen Ausgangssubstanzen im industriellen Maßstab wird derzeit an der optimalen Gestaltung der Geschmacksstoffe gebastelt. Die modernen Verfahren zerlegen Ganzheiten in Teile, die individuell austauschbar und maßgeschneidert der industriellen Herstellung von Nahrungsmitteln dienen.
Kaum also scheint die agressive Agrarexportpolitik, die der europäischen und nordamerikanischen Landwirtschaft weltweit Wettbewerbsvorteile bescherte, ins Wanken zu geraten (WTO- und andere Freihandelsverträge zwingen partiell zum Subventionsabbau), suchen die Industriestaaten nach neuen Wegen. Eine Substitutionspolitik, die landwirtschaftliche Rohstoffe durch synthetische zu ersetzen trachtet, setzt sich zunehmend auch im Nahrungsmittelsektor durch. Wenn die genetische Vielfalt zur billigen Bioressource wird, kann die Produktion in nördliche Bioreaktoren verlagert werden. Die Fusionen konventioneller Agrar- und Pharmariesen mit der aufstrebenden »Life science«-Industrie zeigen sehr deutlich, dass dort die künftigen Gewinne erwartet werden. Wenn bei der Produktion von Nahrungsmitteln wie Kakao und Süßstoff in Bioreaktoren auf tropische Böden und auf die billige Arbeitskraft der Landwirte im Süden verzichtet werden kann, dann ist der agrarrelevante Enteignungsprozess praktisch perfekt. Die sozioökonomischen Auswirkungen der Biotechnologie wären immens, betrachtet man die Agrarexportabhängigkeit vieler Länder in der Dritten Welt.

Perspektive Subsistenz?
Die Hoffnung, durch eine solche Zwangsabkopplung den Weg für lokale, subsistenzorientierte Ansätze frei zu haben, ist jedoch trügerisch. Denn die lokalen Ansätze sind in übergeordneten Strukturen gefangen: »Landwirtschaftsexperten« in den Ministerien der Dritten Welt, Rechtssysteme zur Festschreibung und machtvollen Durchsetzung exklusiver Besitzrechte westlichen Modells und internationale Verträge zur Festschreibung neoliberaler Agrarhandelspolitik untergraben die auf Lokaliät eingeschränkten Versuche. Die agrarkapitalistische Entwicklung, vom Improvement des 17. Jahrhunderts hin zur Biotechnologie, deren Folgen durch Katastrophenhilfe und Krisenprävention abgefedert wurden, hat immer wieder emanzipatorische Ideen unter das Wachstumsprimat subsummiert. Die Enteignung hat sich auf den immateriellen Bereich der Information in Form genetischer Vielfalt und des Wissens über ihre Verwendungs- und Erhaltungsmöglichkeiten ausgedehnt. Dieser Prozess entzieht sich jeglichen sozialen und ökologischen Regelungen, wie sie im Rahmen der WTO oder der Konvention über biologische Vielfalt diskutiert oder verankert wurden.


Anmerkungen:

1 Ellen M. Wood: The Agrarian Origins of Capitalism. Hungry for Profit, Monthly Review Press, 1999.

2 Die Ausgaben für Nahrungsmittelimporte aller 82 Länder der LIFDCs-Gruppe, damit 3,5 Milliarden Menschen oder 60 % der Weltbevölkerung, stiegen laut FAO von Ende der 80er Jahre bis zum Jahre 2000 um 57 Prozent. Gleichzeitig verschlechterten sich die Deviseneinnahmen etwa in Afrika ? trotz gleichbleibender Ausfuhrmenge ? von 1980 bis 1993 um 60 %.

3 Unternehmen Zweite Natur. Ökozid 12, Focus Verlag Giessen.


Martina Backes ist Mitarbeiterin von FernWeh im iz3w.


Die Grüne Revolution

Hunger und Unterernährung sollten, so die Protagonisten der »Grünen Revolution« seit den 60er Jahren, durch eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion beseitigt werden. Die Züchtung von Hochertragssorten, künstliche Bewässerung und Düngung versprachen, die Produktivität zu steigern. Weil die Sorten anfälliger gegen Schädlinge waren, musste auch der Pestizideinsatz erhöht werden. Weder an die sozio-kulturellen Bedürfnisse, noch an die ökologischen Gegebenheiten angepasst, schuf der pauschale Transfer der Agrartechnik mehr Probleme als Lösungen.
Tatsächlich konnte etwa die Getreideproduktion in Indien, Indonesien oder auf den Philippinen gesteigert werden. Als erwiesen gilt jedoch, dass die Ertragssteigerungen ausschließlich auf einer Ausdehnung der Anbaufläche basieren ? die Grüne Revolution trägt als Landschaftfresser das falsche Attribut. Die Zahl der Unterernährten verringerte sich nicht. Auch dies hat indirekt mit den Folgen der Grünen Revolution zu tun: Die kapitalintensive Landwirtschaft führte zu einer Konzentration der Produktion bei immer weniger Großgrundbesitzern. Denn viele Bauern konnten die Kosten für Saatgut, Dünger, Pestizide und den dazugehörigen Maschinenpark nicht aufbringen und mussten aufgeben. Die ungleiche Verteilung von Boden und Einkommen nahm ständig zu, der direkte Zugang zu Nahrungsmitteln war immer weniger Menschen möglich. Als zusätzlich ökologische Nebenwirkungen ? ausgelaugte Böden, Vergiftung von Trinkwasser durch den Pestizideinsatz und Erosion durch die intensive Bewirtschaftung ? bekannt wurden, galt das »revolutionäre« Projekt als gescheitert.