Volltext

(Artikel * 2012) Wilcke, Christoph
Women in Saudi Arabia
in Orient Nr. 4 * Seite 39 - 43
Themen: Diskriminierung; Frauen; Frauenbewegung * Saudi-Arabien * Themenschwerpunkt Saudi-Arabien * Dok-Nr: 65243
Standorte: iz3w Freiburg

Globalisierung

In einer kleinen Reihe zum Verhältnis von Globalisierung und Regionalisierung beschäftigten wir uns bisher mit Wachstumsdreiecken in Südostasien (Nr.220), Regionalismus in Afrika (221) und dem Europa der Regionen (222). Oftmals sind die sich im Zuge der ökonomischen Globalisierung zusammenschließenden, als Wachstumsräume postulierten Regionen von einem starken wirtschaftlichen Machtgefälle zwischen den einzelnen Staaten geprägt. Das gilt etwa für die Verflechtungen in Ost- und Südostasien, für die NAFTA und auch für das südliche Afrika, wo die Republik Südafrika die Entwicklung der Region dominiert.


Kap in guter Hoffnung
Südafrika und die wirtschaftliche Integration der Region

von Bernhard von der Haar

Mit dem Ende der Isolation Südafrikas verbindet sich in internationalen Wirtschaftskreisen die Hoffnung, ganz Afrika könne Anschluß an die Weltwirtschaft finden. Seit dem Beitritt Südafrikas zur Southern African Development Community (SADC) wird insbesondere diesem regionalen Wirtschaftsbund eine Lokomotivfunktion für die wachstumsorientierte Integration der Region in die Globalisierungsprozesse zugetraut.

Die Wachtumsraten der Volkswirtschaften im südlichen Afrika können tatsächlich Anlaß zu solchen Erwartungen geben. Erstmalig seit zwei Jahrzehnten konnten alle zwölf SADC-Staaten 1996 ein positives Wirtschaftswachstum verzeichnen.1 Ebenso wie die Strukturanpassungsauflagen des IWF zwingt mittlerweile der Expansionskurs der neuen Regionalmacht Südafrika auch die eher planwirtschaftlich und staatsinterventionistisch strukturierten Volkswirtschaften der Region zu einer wachstumsorientierten, tendenziell neoliberalen und investorfreundlicheren Wirtschaftspolitik.
Der regionale Wirtschaftsgigant Südafrika ist nach einer kurzen keynesianischen Phase (RDP; vgl. iz3w Nr. 212) auf einen neoliberalen Wirtschaftskurs geschwenkt. Einschneidende wirtschaftspolitische Maßnahmen verdeutlichen das Bestreben, sich im internationalen Kampf um Investoren und benötigte Kapitalzuflüsse zu behaupten: Devisenbeschränkungen wurden abgeschafft, Zollbestimmungen gelockert und die Körperschaftssteuer von 48% auf 35% gesenkt. Um Investitionen zu erleichtern, räumt Südafrika heute umfangreiche Abschreibungsmöglichkeiten und Exportanreize ein. Außerdem werden Großinvestoren, die mehr als 3 Millionen Rand (1,2 Mill. DM) anlegen, mit einer Steuerbefreiung von bis zu sechs Jahren belohnt. Mit dieser Marktöffnung konnten zwar Beschäftigungsziele nicht erreicht werden und das Wirtschaftswachstum fiel mit nur noch 0,3% im dritten Quartal?97 äußerst enttäuschend aus, jedoch führte die Konsolidierungspolitik zu investorfreundlichen Eckdaten: Die Inflation ist mit einer Rate von 7,5% (Oktober 1997) niedrig, das Defizit des Staatshaushaltes relativ gering und der Handelsüberschuß konnte mit knapp 25 Mrd. Rand 1997 innerhalb eines Jahres verdoppelt werden (RSA 2000, Südafrikanische Botschaft Bonn, 11/97).
Trotz dieser Entwicklung und einer guten Kapitalrendite von 20-24% wird laut Aussage von Weltbankpräsident James Wolfensohn die Attraktivität des Produktionsstandorts Südafrika derzeit noch unterschätzt. Diejenigen »global players« jedoch, die auch während der Apartheidjahre ihre Produktion in Südafrika aufrechterhielten und bereits über Zweigwerke in Südafrika verfügen, beziehen diese Standorte seit der Marktöffnung zunehmend in ihr globales Unternehmenskalkül ein. Volkswagen Südafrika beispielsweise exportierte bereits 1995 27.000 Golfs an China (Auftragsvolumen: 750 Mill. Rand) und erhielt kürzlich einen Exportauftrag für die Lieferung weiterer 5.000 Autos an Großbritannien. Ähnliches ist von den Mercedes-Benz Werken in East-London (Südafrika) zu vermelden, die im November 1997 120 Exemplare des Modells C180 in Australien absetzten und das Exportvolumen auf 6.000 Einheiten pro Jahr steigern wollen (ebd. 11/97). Jürgen Schrempp, Daimler-Chef und Vorsitzender der »Initiative Südliches Afrika der Deutschen Wirtschaft«, erklärte gar, daß das südliche Afrika ein ebenso dynamisches Wachstumspotential wie Asien in sich berge.

Frontstaaten zu Marktstätten
Die Rolle Südafrikas als Wachstums- und Entwicklungsmotor für die Region ist aber vielschichtig und umstritten. Schließlich wurde der Vorläufer der SADC, die Southern African Development Coordination Conference (SADCC), 1980 gerade mit dem Ziel gegründet, durch einen wirtschaftspolitischen Verbund der damaligen »Frontstaaten«2 die politischen und ökonomischen Abhängigkeiten vom Apartheidsstaat Südafrika abzubauen. Allerdings gab es entgegen aller Rhetorik auf dem afrikanischen Kontinent wohl keinen einzigen Staat, der während dieser Periode die Wirtschaftsbeziehungen zu Südafrika vollständig eingefroren hätte. Unter anderem trugen ausgerechnet die internationalen Sanktionsmaßnahmen zu einer steigenden Ausrichtung Südafrikas auf afrikanische Märkte bei: Als insbesondere durch den Boykott auf den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten der südafrikanische Produktionsstandort empfindlich getroffen wurde, konnten wichtige Investitionen und Rationalisierungsmaßnahmen nicht hinreichend getätigt werden. So gingen die Innovationswellen, die die Weltökonomie in den 70er und 80er Jahre erfaßten, an Südafrika weitgehend vorbei. Angesichts des schleichenden Verlusts an Konkurrenzfähigkeit ab Mitte der 80er Jahre wurde das übrige Afrika ein zunehmend wichtiger Markt für das auf den stark umkämpften Weltmärkten nicht mehr absetzbare südafrikanische Warensortiment (vgl. iz3w Nr. 194).
Nach der Demokratisierung und dem uneingeschränkten Bekenntnis Südafrikas zur Marktwirtschaft erhielt das Land binnen weniger Monate Zutritt zu den wichtigsten internationalen politischen Organisationen und Wirtschaftsverbänden. Auch das ehemalige Frontstaatenbündnis mußte sich infolge des politischen Wandels in Südafrika umorientieren und versteht sich seither als eine mehr oder minder lockere Staatengemeinschaft, die eine Nutzenoptimierung der regionalen Wirtschaftspotentiale zum Gewinn aller Mitgliedsländer anstrebt. Nach dem Vorbild anderer Wirtschaftbündnisse, wie der EU, der NAFTA oder den ASEAN-Staaten, wird ein harmonisierter Wirtschaftsraum beschworen; und es ist das primäre Ziel der SADC, die Kapitalkraft zu bündeln, den regionalen Binnenmarkt zu vergrößern und makroökonomische Stabilität herzustellen. Konkret wird für das Wirtschaftsbündnis im südlichen Afrika die Errichtung eines gemeinsamen Binnenmarktes bis zum Jahr 2004 angestrebt.
Diesem gleichberechtigten und egalitären Anspruch steht die Realität gravierender Wirtschafts- und Wohlstandsgefälle sowie erheblicher nationalstaatlicher Eigeninteressen innerhalb der SADC-Region entgegen. Das fängt bei der Infrastruktur an: Transport- und Kommunikationsbedingungen sind mangelhaft, die Zollabfertigung innerhalb der Region gilt als kompliziert und schleppend, und einige Staaten verlangen von den Bürgern anderer SADC-Staaten weiterhin Visa bei der Einreise. Auch die Finanzmärkte sind völlig unkoordiniert. Die dennoch stattfindende Liberalisierung der Handelsbeziehungen hat zudem die Konkurrenzsituation in der ganzen Region verschärft. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Südafrika und einzelnen ehemaligen Frontstaaten gelten als angespannt. Während Südafrika durch teilweise hohe Importzölle (Textilien) und nicht tarifäre Handelsrestriktionen (Fleischprodukte) versucht, die einheimischen Produzenten vor ausländischer Konkurrenz zu schützen, wird ? so der Vorwurf ? die Region der SADC als Absatzmarkt für südafrikanische Waren mißbraucht; dort ansässige Produzenten werden aus dem Markt verdrängt und die bestehenden Ungleichgewichte in der Region zementiert oder gar weiter verstärkt.

Ein Hegemon und seine Satelliten
Die zum Beitrittszeitpunkt Südafrikas (August 1994) oft gestellte Frage »Wer tritt eigentlich wem bei? Südafrika der SADC oder die SADC Südafrika?« ist somit weiter berechtigt. Die Perspektive des gemeinsamen Binnenmarktes löst bei den potentiell unterlegenen und halbindustrialisierten Ländern auch Vereinnahmungsängste aus. Dies erscheint begründet, denn die wirtschaftliche Dominanz Südafrikas im südlichen Afrika ist frappierend, und der schnelle Eintritt in das Geschehen der Region hat deren Machtgefüge gründlich verändert. Gegenwärtig erwirtschaftet Südafrika mit einer geschätzen Wirtschaftsleistung (BSP) von 130 Mrd. US-Dollar (1996) fast die Hälfte des gesamten Sozialproduktes Afrikas südlich der Sahara bzw. das Fünffache sämtlicher anderer SADC-Mitgliedsstaaten zusammen. Zimbabwe, bis zum Beitritt Südafrikas stärkste Wirtschaftsmacht innerhalb der SADC, erscheint mit einem BSP von 5,4 Mrd. US-Dollar (1994) neben dem Wirtschaftsgiganten Südafrika wie ein ökonomischer Winzling.
Die zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen in der Region sind gegenwärtig nicht nur ungleich intensiver als vor dem Beitritt Südafrikas, sondern auch von einer grundsätzlich neuen Qualität: Beschränkten sie sich für Südafrika vor der Wende primär auf die Ausfuhr von Waren und die Einfuhr von Arbeitskräften, so sind es heute vor allem der südafrikanische Kapitalexport, Direktinvestitionen und Firmenbeteiligungen, die in den Wirtschaftsblättern von sich Reden machen. Allen voran sei in diesem Zusammenhang der südafrikanische Brauereiverbund ?South African Breweries? (SAB) genannt, der weltweit fünftgrößte Brauereikonzern. In den letzten Jahren hat sich SAB mit 14 Mio. US-Dollar erfolgreich in Mosambik eingekauft und hält heute 65% an den zwei Brauereikonzernen in Beira und Maputo. In Tanzania besitzt SAB bereits 46% an der ?Tanzania Brewery Company? und steht derzeitig mit der ugandischen ?Nil Brewery? in Verhandlungen, die 60% des nationalen Biermarktes beliefert. Noch weiter nördlich, in der Nähe Nairobis, entsteht unter der Beteiligung von SAB eine gigantische Großbrauerei mit einem veranschlagten Wert von 4,5 Mio. US-Dollar, und auch der namibianischen Regierung ist der Vorschlag unterbreitet worden, im Norden des Landes eine Großbrauerei im Wert von 2,5 Mio. Dollar zu errichten. Weitere Direktinvestionen in die Nachbarregionen sind geplant, und entsprechende Verhandlungen werden gegenwärtig mit den Regierungen Angolas und Äthiopiens geführt.
Aber nicht nur SAB, sondern insbesondere die mächtigen Minenkonzerne Südafrikas, wie z.B. die ?Anglo-American Corporation?, haben ihre Fühler in die Nachbarregion ausgestreckt. Ein geringeres Lohnniveau, keine schlagkräftigen Gewerkschaftsverbände, Steuervergünstigungen und weitgehend unberührte Rohstoffvorkommen verheißen eine gesicherte Rendite. Allein im letzten Jahr investierte die ?Anglo American Corporation? 82,4 Mio. Dollar in Zimbabwe und plant innerhalb der nächsten fünf Jahre weitere Ausgaben in Höhe von ingesamt 380 Millionen. In Mali soll nach einer bereits getätigten Investitionen von 300 Mio. Dollar das Sadiola-Goldschürfprojekt noch in diesem Jahr anlaufen und zehn Tonnen Gold über die nächsten zwölf Jahre erbringen.
Von südafrikanischer Seite als auch von den Regierungen der Zielländer wird die Ausdehnung südafrikanischer Firmeninteressen prinzipiell begrüßt. Dabei zeigt das Engagement der finanzkräftigen Investoren auch deutliche Schattenseiten: Auf der Suche nach günstigeren auswärtigen Investitionsbedingungen wurde etwa im Minensektor die Beschäftigung in Südafrika mehr und mehr abgebaut. Standen vor einem Jahrzehnt noch 534.000 Menschen auf der Lohnliste der Goldminen, so ist diese Zahl inzwischen auf 337.000 Beschäftigte abgesunken. Bei einer Arbeitslosigkeit von über 40% in Südafrika herrscht innerhalb der um die Interessen ihrer Mitglieder besorgten Arbeitnehmerverbände wenig Verständnis für das Engagement des nationalen Kapitals auf fernen Märkten.

Ein Hauch von weiter Welt
Eine weitere Konsequenz der offenen Grenzen und des enormen Reallohngefälles innerhalb der SADC-Region ist der Zustrom arbeitsuchender Menschen nach Südafrika aus dessen Nachbarländern. Den Immigranten bleibt in ihrer recht- und schutzlosen Situation kaum etwas anderes übrig, als die ihnen angebotenen Arbeitskonditionen zu akzeptieren; so arbeiten sie z.B. in der südafrikanischen Landwirtschaft für teilweise weniger als 50 Pfennig pro Tag. Vor dem Hintergrund der ohnehin katastrophalen Arbeitsbedingungen und der extremen Arbeitslosigkeit entlädt sich die Frustration und die Hoffnungslosigkeit der südafrikanischen Bevölkerung immer häufiger gegen die Einwanderungsgruppen (s. folgender Beitrag).
Aber auch in den Nachbarländern wird die zunehmende Verflechtung des Wirtschaftsraums mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Besonders die lokalen Unternehmer in den ärmeren Nachbarstaaten sehen sich den südafrikanischen Multis hilflos ausgesetzt, da diese mit ihrer immensen Kapitaldecke Märkte besetzen und deren Preise diktieren können. Das jüngste Beispiel für diesen Trend stammt aus dem von Bürgerkriegen zerstörten Mosambik, wo die südafrikanische Handelskette Shoprite für 7 Mio. US-Dollar einen nach südafrikanischem Vorbild ausgestatteten Supermarkt eröffnete ? das erste neue Gebäude in der Hauptstadt Maputo seit 20 Jahren. Die Eröffnung, die sowohl von südafrikanischer wie auch von mosambikanischer Seite als sichtbarer Ausdruck des Wiederaufbaus frenetisch gefeiert wurde, war aus der Sicht Antonio Barcas, Präsident des Wirtschaftsverbandes Maputos, ein rabenschwarzer Tag. Zahlreiche Vergünstigungen und Ausnahmeregelungen, wie die Befreiung von Import- und Verkaufssteuer für das Inventar und für das erste ? weitgehend aus Südafrika importierte ? Warenangebot sowie die auf die ersten zwei Jahre um 50% ermässigte Unternehmenssteuer verdrängen die mosambikanischen Importeure. Allein für die Erorberung des mosambikanischen Marktes durch insgeamt 10 Großmärkte hat Shoprite 60 Mio. Dollar eingeplant ? eine Summe, die die Ausgaben für Erziehung und Gesundheit in Mosambik für das Jahr 1995 um fast ein Drittel übersteigt. Von Shoprite bereits getätigten Investitionen in Namibia, Lesotho, Swaziland, Sambia und Malawi soll bald der Aufbau eines flächendeckenden Netzwerkes folgen, welches zusätzlich Angola, Botswana, Zimbabwe, Uganda, Ruanda, Burundi, Kenia und Tanzania umfassen wird. Die Höhe der Gesamtinvestitionen südafrikanischer Firmen in Mosambik ist nicht bekannt, aber alleine die elf kapitalintensivsten Vorhaben (Maputo Corridors Projekt, Aluminium-, Eisenverarbeitung, Stromerzeugung), belaufen sich auf eine Gesamtinvestitionssumme von über 4,2 Mrd Dollar, das dreifache des Bruttosozialprodukts Mosambiks im Jahr 1994 (UN-Bericht über die Menschliche Entwicklung 1997, S.231).
Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich in Zimbabwe ab, wo bereits 1995 die übermächtige südafrikanische Konkurrenz zum Konkurs des zimbabwischen Textilunternehmens ?Cone Textiles? führte und 6.000 Menschen ihre Arbeit verloren. Derzeit drängen die in Zimbabwe neu entstehenden Läden der südafrikanischen Clicks und CNA-Schreibwarenkette die alteingesessenen Kingsgate-Buchläden langsam aus dem Markt. Verglichen mit dem kosmopolitisch-modernen Ambiente der CNA-Läden, die mit ihrem ausdifferenzierten Warenangebot und der Musikberieselung einen Hauch von »erster Welt« vermitteln, wirken die zimbabwischen Kingsgate-Läden provinziell, alt und verstaubt. Ob im Einzelhandel, im Minengeschäft oder im Tourismusbereich ? Südafrika tritt derzeit als siebtgrößter Investor in Zimbabwe auf. Angesichts der Größenverhältnisse und der damit verbundenen Verhandlungsmacht überrascht es nicht, daß hier die weltgewandten südafrikanischen Firmenvertreter bisweilen als belehrend oder überheblich wahrgenommen werden und hinter dem »Marktimperialismus« nach Niedergang des Apartheidssystems zuweilen die letzte Bastion des burischen Aggressors vermutet wird.
Die Durchdringung Afrikas mit südafrikanischem Kapital ist aber weniger den strategischen Interessen Einzelner als vielmehr der universellen Suche nach neuen Märkten und guten Investitionsbedingungen geschuldet. In dem Maße, in dem sich die südafrikanische Wirtschaft nach der Wende den Anforderungen einer interdependenten, liberalisierten Weltwirtschaft stellen muß, in dem Maße versuchen südafrikanische Firmen, ihre Geschäftsinteressen in den noch weniger entwickelten Nachbarstaaten zu realisieren. Vermittelt durch Südafrika setzt sich in der gesamten Region schlicht das Diktat der Globalisierung fort.

Nachtrag: Auch wenn die Größenverhältnisse im südlichen Afrika beeindrucken und an Südafrika die Hoffnung auf einer Lokomotive für das restliche Afrika herangetragen wird, so ist das Land nach Einschätzung des südafrikanischen Wirtschaftsmagazins ?Southern African Economist? auf dem internationalen Parkett wiederum »nicht mehr als eine Ameise auf einem Feld voller Elefanten.« Tatsächlich entspricht die oben erwähnte Wirtschaftsleistung von 130 Mrd US-Dollar (1996) gerade einmal etwas mehr als der Hälfte des Bruttosozialprodukts Belgiens (228 Mrd). Die Großmacht Südafrika ist in ihrer Wirtschaftskraft dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen unterlegen und wesentlich weniger in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen integriert. Auch die vielgepriesene hochentwickelte Infrastruktur der Region relativiert sich im internationalen Vergleich: Das gesamte südliche Afrika einschließlich Südafrikas verfügt über weniger als die Hälfte der Telefonanschlüsse, die gegenwärtig allein in Hong Kong bestehen.


Anmerkungen:

1 Inzwischen hat die SADC mit Angola, Botswana, DR Kongo, Lesotho, Malawi, Mauritius, Mosambik, Namibia, Sambia, Seychellen, Simbabwe, Südafrika, Swasiland und Tansania 14 Mitglieder. Die genannten statistischen Wachstumsraten eines Großteils dieser Staaten müssen allerdings angesichts eines geringen Ausgangsniveaus und außerordentlich guter landwirtschaftlicher Erträge der letzten Jahre relativiert werden.

2 Gründungsmitglieder der SADCC waren Angola, Botswana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe und Tansania.


Bernhard von der Haar ist Wissenschaftler in der Abteilung Entwicklungssoziologie der FU Berlin und war zuletzt im Herbst 1997 in Südafrika.