Volltext

(Artikel * 2015) Bachmann, Anna-Theresa
Aufmerksamkeiten für schöne Männer Ethnosexuelle Beziehungen in Ägypten unterlaufen die Geschlechterverhältnisse
in iz3w Nr. 351 * Seite 41 - 43
Themen: Frauen; Männer; Prostitution; Tourismus * Ägypten * Themenschwerpunkt Sex Work * Dok-Nr: 270038
Standorte: A3W Osnabrück; FDCL Berlin; iz3w Freiburg; Nicabüro Wuppertal; VNB Barnstorf; IfaK Göttingen; biz Bremen; EWNT Jena

Sexarbeit


Aufmerksamkeiten für schöne Männer
Ethnosexuelle Beziehungen in Ägypten unterlaufen die Geschlechterverhältnisse


Sextourismus in Länder des Südens ist zwar eine Männerdomäne, doch gibt es auch Touristinnen, die mehr als nur Erholung suchen. Am Beispiel ethnosexueller Beziehungen zwischen ägyptischen Männern und westlichen Frauen zeigt sich, dass diese Begegnungen mit Begriffen wie Prostitution nicht zu fassen sind. Zudem sind in ihnen die Machtverhältnisse nicht eindeutig verteilt.


von Anna-Theresa Bachmann

Noch ehe Thomas Cook als Begründer des modernen Pauschaltourismus im Jahre 1869 seine erste Ägyptenreise anbot, zog es im 19. Jahrhundert schon allein reisende Frauen in den Nahen und Mittleren Osten, den sie den Daheimgebliebenen in ihrer Reiseliteratur beschrieben. Nicht allein der Aufbruch jener Frauen, sondern auch die von ihnen als Freiheit empfundene Ablegung bürgerlicher Rollenmuster in der Ferne stellte Geschlechterverhältnisse in Frage. Die teilweise Adaptierung eines männlichen Habitus in Kleidung und Auftreten ermöglichte ihnen den Zugang zu männerdominierten Sphären. Gleichzeitig konnten sie aber auch Frauenräume wie den Harem betreten, was ihnen weit reichende Einblicke in die Gesellschaften der Region erlaubte.
Eine der bis heute Bekanntesten von ihnen ist die Österreicherin Ida Pfeiffer, die 1842 Alexandria und Kairo bereiste, wie in ihrem Buch »Reise einer Wienerin in das Heilige Land« nachzulesen ist. Darin finden sich auch Aussagen über die einheimischen Männer: »Mich wunderte der schöne und kräftige Bau der Männer gegenüber den garstigen Weibern und den verwahrlosten ekeligen Kindern«.
Damals wie heute fasziniert der ägyptische Männerkörper die europäische Damenwelt. Ähnlich wie in einigen anderen Ländern des Globalen Südens, kommt es vor allem an den Urlaubsorten am Roten Meer wie Hurghada, Sharm El Sheik oder dem etwas östlicher auf dem Sinai gelegenen Dahab zu so genannten »ethnosexuellen Begegnungen«. Dieser von der Soziologin Joane Nagel geprägte Begriff beschreibt das Wechsel- und Zusammenspiel von ‚ethnischer Zugehörigkeit’, Sexualität und den damit verbundenen Machtverhältnissen. Ob das Verhalten westlicher Touristinnen unter dem traditionell männlich besetzten Label des »Sextourismus« zu betrachten ist oder von ihnen andere Motive verfolgt werden, die mit dem Begriff »Romantiktourismus« bezeichnet werden können (wie ihn die Wissenschaftlerinnen Deborah Pruitt und Suzanne LaFont im Rahmen ihrer Untersuchungen in der Karibik beschrieben), wird noch immer rege diskutiert.
Die Debatte darüber wurde einem breiten Publikum in den letzten Jahren auch filmisch zugänglich gemacht. Zu nennen sind »In den Süden« (2005) von Laurent Cantet oder »Paradies Liebe« (2012) von Ulrich Seidl, die jenes Phänomen im Haiti der 1970er Jahre sowie im heutigen Kenia betrachten. Beiden Filmen liegt der Fokus auf die weiblichen Touristinnen zugrunde, die nicht dem gängigen Schönheitsideal ihrer Herkunftsländer entsprechen und sich von den Urlaubsflirts neben Sex auch Zärtlichkeit und Emotionalität versprechen.

Sexuelle Dienstleistung oder 1001 Geschichte?
t Der direkte Austausch zwischen Geld und der Ware Sex findet dabei in der Realität eher selten statt, weswegen die klassische Definition der Prostitution hier nicht so recht greifen mag. Stattdessen kommt es über die Dauer der Beziehung, die in den meisten Fällen während der gesamten Urlaubszeit und teilweise darüber hinaus andauert, zu »finanziellen Aufmerksamkeiten«. Auch begeben sich die Frauen meistens nicht selbst direkt auf die Suche, sondern werden gezielt von einheimischen Männern angesprochen. Dadurch entsteht eine größere Freiheit der Männer in Bezug auf die Auswahl der Frauen, mit denen sie intimen Kontakt oder tourismusorientierte Sexarbeit eingehen. Als Sexarbeiter, geschweige denn als Prostituierter möchte sich dabei aber niemand verstehen.
Frauen, die auf der Suche nach emotionaler Tiefe sind, werden genau durch diese Suche auch angreifbar. Dies beweist seit zwölf Jahren die Webseite 1001Geschichte.de, auf der Frauen (und einige wenige Männer) ihre persönlichen Geschichten erzählen. Nach eigenen Angaben dienen die Geschichten zur Prävention gegen das Bezness. Angelehnt ans englische business, versteht man darunter das Vorspielen von Gefühlen zur finanziellen Bereicherung, wie es in vielen Tourismusorten vor allem an europäischen Frauen praktiziert wird. Die Seite beherbergt derzeit über 300 Erfahrungsberichte, die manchmal drei, aber auch bis zu zwanzig Seiten umfassen. Darunter ist etwa die Geschichte einer Frau, nach eigenen Angaben Sozialarbeiterin, die sich, kaum angekommen am Roten Meer, angesichts des üppigen Hotelbuffets wegen der »vielen armen Kinder der dritten Welt« unwohl fühlte. Diese Betroffenheit verflog allerdings durch die Begegnung mit einem jungen Mann, dessen »exotische, typisch ägyptische Augen« sie verzauberten. So nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Teils mit Unverständnis, teils mit Mitgefühl lesen sich solche und andere Ausführungen, die nicht nur einen einzigen großen Kummerkasten bilden, sondern auch eine Fundgrube für den modernen Exotismus und Orientalismus sind, wie ihn die Tourismusbranche seit Jahrzehnten bedient. Dabei muss berücksichtigt werden, dass hier nur eine Seite der Geschichte(n) dargestellt wird – handelt es sich doch um Frauen, die, zumindest nach eigenen Angaben, eher zufällig ethnosexuelle Beziehungen eingegangen sind und sich als handlungsunfähig stilisieren, da sie die sprichwörtliche »rosarote Brille« aufgehabt hätten. Berichte von Frauen, die gezielt auf der Suche nach Sommer, Strand und Sex waren, sind dagegen nicht zu finden.

Rigide Sexualmoral & westliche Freiheiten
Die Ausführungen auf 1001Geschichte.de über Ägypten betreffen vor allem die Orte Sharm El Sheik und Hughada mit ihren großen Hotelkomplexen. Ein Gegenstück dazu stellt der weiter östlich gelegene Ort Dahab dar, der in den 1970ern und 80ern ein Magnet für viele IndividualtouristInnen war, die sich von seinem Hippie-Mythos und Korallenriffen angezogen fühlten. Ein Ruf, der dem Ort bis heute nachhängt. Dort gibt es immer noch weitaus weniger namhafte Hotelketten als in den nahgelegenen Badeorten.
Dahab, was auf Arabisch Gold bedeutet, war lange Zeit ein kleines Fischerdorf. Bewohnt wurde es von BeduinInnen, die auch heute noch etwa 70 Prozent der Bevölkerung des Sinais ausmachen. Weitreichende Veränderungen in ihrem Leben bewirkte die Besetzung des Sinais durch Israel 1967 im Zuge des Sechstagekrieges. Die Israelis begannen mit der touristischen Erschließung. Von den BeduinInnen wurde der freizügige Lebensstil, das Nacktbaden und der Drogenkonsum an den Stränden Dahabs, Nuweibas oder Tabaas, die Reisende aus Europa anlockten, als störend empfunden.
Daran konnte auch die ägyptische Übernahme 1982 nicht viel ändern, die den Massentourismus weiter förderte. Andere Überlegungen zur Erschließung des Sinais verliefen im Sand. Somit erfolgten die einzigen Investitionen im Bereich des Tourismus, vornehmlich im Süd-Sinai. Die dadurch neu geschaffenen Arbeitsplätze kamen jedoch nicht BeduinInnen zugute, sondern vor allem den Arbeitsmigranten vom Festland, die ihre Familien oftmals westlich des Suezkanals zurücklassen. Dies trug dazu bei, dass sich die beduinische Bevölkerung diskriminiert fühlte.
Die Motive für ägyptische Männer, im Tourismusbereich zu arbeiten und in intimen Kontakt mit westlichen Frauen zu treten, sind vielseitiger, als beim Lesen der Erfahrungsberichte von 1001 Geschichten zu erahnen ist. Es sind längst nicht nur wirtschaftliche Gründe, die sowohl beduinische als auch ägyptische Männer nach Dahab und in die anderen Touristengebiete am Roten Meer locken. Die Unfähigkeit, als Brotverdiener einer eigenen Familie zu agieren, führt häufig zu dem Gefühl, der hegemonialen Männlichkeit und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen nicht zu entsprechen: In der ägyptischen Gesellschaft, in der Sex vor der Ehe ein großes Tabu ist, treffen die immensen Kosten für Brautgabe, eigene Wohnung und Hochzeitsfeier auf schlechte Einkommensverhältnisse und eine katastrophale Lage auf dem Arbeitsmarkt, auch für HochschulabsolventInnen. Dadurch verzögert sich der Eintritt ins Erwachsenenleben, was den Auszug aus der elterlichen Wohnung und die damit verbundene Unabhängigkeit einschließt.
Die Sehnsucht nach (vorehelichem) Geschlechtsverkehr oder einem freieren und wohlhabenden Lebensstil sind daher ebenfalls Gründe für ethnosexuelle Beziehungen, wie aus Interviews der Geografin Jessica Jacobs auf dem Sinai hervorgeht.1 Der Vorzug sexueller gegenüber finanzieller Freiheiten könnte auch erklären, weshalb sich ethnosexuelle Beziehungen nicht nur zwischen den klischeehaften übergewichtigen Endfünfzigerinnen und deutlich jüngeren Ägyptern ergeben, sondern auch mit jüngeren Frauen, obwohl diese oftmals noch nicht über größere finanzielle Mittel verfügen.

Auf der Suche nach Männlichkeit
Den Familien der männlichen Arbeitsmigranten ist der einschlägige Ruf Dahabs bekannt, was nicht selten zu innerfamiliären Auseinandersetzungen führt. Nicht nur um das Gewissen zu beruhigen, sondern auch um staatlichen Repressionen durch die Tourismuspolizei zu entgehen, die diese Verbindungen zu unterbinden versucht (auch wenn es dafür keine rechtliche Grundlage gibt), werden so genannte Urfi-Ehen geschlossen. Erst dann kann ein gemeinsames Hotelzimmer oder eine Ferienunterkunft gemietet werden. Eine Urfi-Ehe läuft wie folgt ab: Beglaubigt von zwei männlichen Zeugen wird ein Vertrag beim Anwalt aufgesetzt, der besagt, dass eine geheime Ehe geschlossen wurde. Sie wird bei den Behörden nicht registriert. Im Gegensatz zu Paaren mit unterschiedlichen Nationalitäten können ägyptische Paare sie später legalisieren lassen. Meistens kommt es dazu aber nicht, da sie als unmoralisch gilt. Hinzu kommt, dass die Frau im Fall einer Scheidung keinerlei Rechtsansprüche hat, genauso wie die eventuell aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kinder.
Während laut Jacobs die Frauen den Süd-Sinai als Rückzugsort vor der stressigen Moderne zu Hause aufsuchen, stellen die Badeorte am Roten Meer für die einheimischen Männer einen Ausdruck eben jener Moderne dar, zu der sie sonst wenig Zugang haben. Dabei treffen die Touristinnen ähnlich wie zu Zeiten Ida Pfeiffers auf einen männlich dominierten Raum, in dem sie Geschlechterrollen innerhalb der Beziehungen auf Grund ihrer finanziellen und kulturellen Hintergründe austesten können. Aus Interviews des ägyptischen Anthropologen Mustafa Abdalla2 geht hervor, was westliche Frauen an ägyptischen Männern schätzen: Die Frauen machen den Feminismus für den Verlust eines von ihnen favorisierten Männlichkeitsideals in der westlichen Gesellschaft verantwortlich. So wüssten die Männer im Westen nicht mehr, wie sie sich einer Frau gegenüber zu verhalten hätten. In der Ferne fänden sie ihren Beschützer, der ihnen das Gefühl gebe, eine Frau zu sein.
Dass die Frauen ohne die Errungenschaften der weiblichen Emanzipation gar nicht in der Lage wären, ihre Reise anzutreten, geschweige denn zu finanzieren, scheinen die meisten dabei zu vergessen. Erst dadurch wird es ihnen möglich, wie zu Ida Pfeiffers Zeiten Geschlechtergrenzen auszutesten und eine höhere Machtstellung innerhalb der ethno-sexuellen Beziehung einzunehmen, als in den Beziehungen in ihren Heimatländern. Zudem scheint ihnen nicht bewusst zu sein, dass die finanzielle Abhängigkeit eines Mannes gegenüber einer Frau auch der hegemonialen ägyptischen Männlichkeit nicht entspricht. Auch wenn es den ägyptischen Männern ihrer Empfindung nach gelingt, durch sexuelle Aktivitäten innerhalb ethnosexueller Beziehungen ihre Männlichkeit wieder herzustellen, sehen sie sich staatlichen Repressionen ausgesetzt. Letztendlich sind es die Frauen, die über die Länge und Intensität dieser Beziehungen entscheiden, was einen erneuten Männlichkeits- und Machtverlust auf Seiten der Männer bedeutet.
Die politischen Ereignisse der letzten Jahre in Ägypten haben zu einem extremen Einbruch der Tourismusbranche geführt, von dem sich gerade kleinere Orte wie Dahab und Nuweiba nur schwer erholen. An den Machtverhältnissen innerhalb der ethnosexuellen Beziehungen hat sich indes kaum etwas geändert.

Anmerkungen
1 Jessica Jacobs (2010): Sex, Tourism and the Postcolonial Encounter. Landscapes of Longing in Egypt. Burlington
2 Mustafa Abdalla (2007): Beach Politics. Gender and Sexuality in Dahab. Kairo


Anna-Theresa Bachmann studiert Politik des Nahen und Mittleren Ostens in Marburg und Kairo.



Für Sexarbeit und Menschenrechte in Mexiko
Eine der ersten Organisationen, die sich in Mexiko der Verteidigung der Sexarbeit widmete, ist La Red de Trabajadoras Sexuales de Latinoamérica y el Caribe (RedTraSex). Dieses 1997 gegründete Netzwerk der Sexarbeiterinnen aus Lateinamerika und der Karibik ist in 15 Ländern aktiv und organisiert Sexarbeiterinnen, die für ihre Arbeitsrechte kämpfen und sich gegen den Menschenhandel stellen. Sich selbst begreifen sie nicht als Problem; weder als Opfer noch als Kriminelle, sondern einfach nur als Arbeiterinnen auf der Suche nach der Anerkennung ihrer Rechte. In ihren Worten: »Die Organisation haben wir Sexarbeiterfrauen selbst gegründet, nachdem wir merkten, dass wir in der ganzen Region die gleichen Probleme erleiden. Wir waren den gleichen Gefahren ausgesetzt, beanspruchten die Anerkennung der gleichen Rechte und forderten die gleichen Kämpfe heraus.« Die Sexarbeiterinnen kämpfen für die Verabschiedung eines Gesetzes zur unabhängigen Sexarbeit (Ley de Trabajo Sexual Autónomo) und »für die volle Ausübung unserer Menschenrechte.”
Mónica Mendoza, nationale Koordinatorin des Mexikanischen Netzwerks für Sexarbeit, betont: »Wir verkaufen nicht den Körper. Wir verkaufen Sex, wir verkaufen Lust.« Und weiter: »Ich bin eine ganz normale Person, wie jede andere auch. Wir müssen anerkannt werden, wir sind keine Opfer.« Sie betont: »Sexarbeit ist ein Beruf wie jeder andere. Ich fühle mich keineswegs als Opfer von irgendjemandem, ich entscheide mit wem und zu welcher Stunde. Es ist eine Sache der Entscheidung und der Überzeugung. Uns selbst zu geißeln bringt niemandem etwas.«
Auch die kollektive Arbeit der mexikanischen Brigada Callejera (Straßenbrigade) ist Teil dieser anderen Geschichte der Prostitution. Anfangs agierte das RedTraSex über die Brigade in Mexiko, doch aufgrund politischer Differenzen kam es zu einer Spaltung. Ihrer Selbstdarstellung zufolge ist die Brigade »eine zivile Organisation ohne Gewinnorientierung, parteienunabhängig, laizistisch und zusammengesetzt aus Sexarbeiterinnen und solidarischen Frauen. Sie spezialisiert sich auf die Verteidigung der Menschenrechte sowie der Bürger- und Arbeitsrechte der Sexarbeiterinnen, und arbeitet zu Themen wie HIV/Aids-Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten.«
Die Anstrengungen der Brigada richten sich dabei auf die Erlangung von Autonomie. Der Verkauf von Kondomen ermöglicht, eine Klinik mit spezialisierten MedizinerInnen und PsychologInnen für die Behandlung von Frauen zu unterhalten. Die Brigada bildet SexarbeiterInnen zu GesundheitspromotorInnen und JournalistInnen aus, um über die Fortschritte des Kampfes für Arbeitsrechte zu berichten. All dies geschieht unabhängig vom patriarchalen und kapitalistischen Staat. Neben ihrer Arbeit beteiligt sich die Brigada an den Initiativen rund um die soziale Bewegung der ZapatistInnen in Mexiko, die viele Erfahrungen im Kampf um Würde, Anerkennung, Freiheit und Autonomie beisteuert.
Carolina Bustamante (Übersetzung Timo Dorsch), www.redtrasex.org, http://brigadaac.mayfirst.org


Zitate:

»Ich habe mich diskriminiert gefühlt in Bulgarien. Ich habe in einer großen Stadt als Transvestit gearbeitet und alle waren total schockiert. Man kann dort nicht als Transfrau leben, es ist sehr gefährlich.«
Daisy, Transgender-Sexarbeiterin in Berlin

»Natürlich gibt es ökonomischen Zwang. Aber weißt du, wenn ein Mädchen aus Bulgarien hierher kommt und sagt, sie wird gezwungen ... gezwungen zu was? Geld annehmen? Wenn sie das nicht machen möchte, dann geht sie zurück in ihr Kaff und sitzt mit Kuh im Stall. Aber sie ist einverstanden, coole Klamotten zu tragen und einkaufen zu gehen und den Eltern Geld zu schicken. Also wo ist der Zwang? Chanel, Versace, Urlaub, Casino, Drogen.«
Ehemalige Sexarbeiterin und Hausdame eines Bordells in Saarbrücken