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"Das Pentagon wird bald eine zweite Drohnen-Basis in Niger eröffnen und damit seine Operationen in Afrika ausweiten

Das Pentagon trifft Vorbereitungen zur Eröffnung einer (zweiten) Drohnen-Basis (in Niger) an einem der abgelegensten Plätze der Erde: mitten in der Sahara, wo sich zwei alte Karawanenwege kreuzen. Nach monatelangen Verhandlungen hat die Regierung Nigers, eines Binnenstaates in Westafrika, das US-Militär dazu ermächtigt, unbewaffnete Drohnen von der mit Lehmmauern umgeben Wüstenstadt Agadez aus aufsteigen zu lassen; das wurde jetzt offiziell von Niger und von den USA bekannt gegeben. Durch die bisher geheim gehaltene Entscheidung erhält das Pentagon einen weiteren Standort für Überwachungsflüge – den zweiten in Niger und den dritten in dieser Region – von dem aus islamistische Kämpfer verfolgt werden können, die Teile Nordund Westafrikas destabilisiert haben. Die Nachricht bringt auch etwas mehr Licht in die von den USA gemeinsam mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich betriebenen Bekämpfung von Terroristen im ehemals französischen Westafrika. {Weitere Informationen dazu sind nachzulesen unter http://www.washingtonpost.com/world/national-security/drone-base-in-niger-gives-us-a-strategic-foothold-in-west-africa/2013/03/21/700ee8d09170-11e2-9c4d-798c073d7ec8_story.html und http://www.washingtonpost.com/world/national-security/us-deploys-80-military-personnel-to-chad/2014/05/21/edd7d21a-e11d-11e3810f-764fe508b82d_story.html .} Obwohl die beiden Verbündeten in der Vergangenheit in Bezug auf Militäraktionen nicht immer einer Meinung waren, arbeiten US-amerikanische und französische Truppen bei der Ausweitung ihrer Präsenz im verarmten Westafrika Hand in Hand. Beide Staaten sind beunruhigt über das Treiben dschihadistischer Gruppierungen, die zum Teil Al-Qaida-Ableger sind und in Ländern Fuß gefasst haben, deren Regierungen nicht in der Lage sind, ihr eigenes Territorium zu kontrollieren. In Niamey, der Hauptstadt Nigers, haben Soldaten der USA und Frankreichs bereits im letzten Jahr benachbarte Drohnen-Hangars errichtet, um Aufklärungsflüge über Mali durchführen zu können, wo rund 1.200 französische Soldaten eine Revolte zu unterdrücken versuchen, die 2012 ausgebrochen ist. {s. auch http://www.washingtonpost.com/blogs/worldviews/wp/2014/07/24/a-reminder-of-what-has-been-happening-in-mali/ } (Unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP01213_200113.pdf sind weitere wichtige Infos aufzurufen.) Von einer französischen Basis im Tschad aus sucht die US Air Force mit Drohnen und bemannten Flugzeugen nach Hunderten von Schülerinnen, die von islamistischen Kämpfern im Norden Nigerias entführt wurden. {s. http://www.washingtonpost.com/news/post-nation/wp/2014/05/13/heres-what-you-need-to-know-about-the-kidnappednigerian-girls-boko-haram-and-how-the-u-s-is-getting-involved/ } Das Weiße Haus hat am 11. August 10 Millionen Dollar Soforthilfe genehmigt, damit französische Truppen über eine Luftbrücke nach Westafrika befördert und französische Kampfjets in der Luft betankt werden können. Nach Meinung von Analysten ist die relativ geringe Summe dabei weniger wichtig als ihr Symbolgehalt: die US-Unterstützung bei der Verlegung von weiteren 3.000 französischen Soldaten in diese Region. "Wir haben ein gemeinsames Interesse an einer engeren Zusammenarbeit beider Staaten; das ist viel größer ist, als noch vor einigen Jahren zu erwarten war," erklärte J. Peter Pham, ein Experte des Atlantic Council, eines Washingtoner Think-Tanks (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantic_Council), der sich mit der Sicherheit Afrikas beschäftigt. Die Zusammenarbeit ist seit Anfang 2013, als Frankreich Truppen in den Norden Malis verlegt hat um das Auseinanderbrechen des Landes zu verhindern, viel enger geworden. Damals hat die Obama-Regierung eher zögerlich auf die Bitte um logistische Unterstützung für die französischen Truppen reagiert – wohl deshalb, weil beide Staaten in Sicherheitsfragen früher oft unterschiedlicher Meinung waren. {s. http://www.washingtonpost.com/world/national-security/us-weighs-military-support-for-frances-campaign-against-malimilitants/2013/01/15/a071db40-5f4d-11e2-b05a-605528f6b712_story.html} Frankreich ist wieder sehr um die Durchsetzung seiner wirtschaftlichen und politischen Interessen in Westafrika bemüht. Bis 2008 hat es seine Militärpräsenz auf dem afrikanischen Kontinent eher verringert und stattdessen eine Basis am Persischen Golf errichtet {s. dazu auch http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/01/15/AR2008011503298.html} – in einem Gebiet, das die US-Streitkräfte als ihren Einflussbereich betrachten. Zur gleichen Zeit hat das Pentagon (in Stuttgart) sein neues Africa Command / AFRICOM aufgebaut (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP21407_181007.pdf), seine militärischen Ausbildungsprogramme in französisch sprechenden afrikanischen Ländern ausgeweitet und damit viele Offizielle in Paris verärgert. Im Juli hat der französische Präsident François Hollande angekündigt, er werde die französischen Streitkräfte in Westafrika wieder verstärken. Im Rahmen der "Operation Barkhane" (Sichelförmige Sanddüne, s. http://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Barkhane) wird Frankreich 3.000 Soldaten dauerhaft auf Basen in Mali, im Tschad, in Niger und in Burkina Faso stationieren. Die französische Führung hat die "Operation Barkhane" vorher mit US-Offiziellen abgestimmt. Das Pentagon ist glücklich darüber, dass Frankreich Bodentruppen schickt und es damit der US Air Force ermöglicht, sich auf Drohnen-Flüge und andere Überwachungsmaßnahmen aus der Luft zu konzentrieren, für die sie besser ausgestattet ist. {s. http://www.washingtonpost.com/world/national-security/us-expandssecret-intelligence-operations-in-africa/2012/06/13/gJQAHyvAbV_story.html} "Beide Staaten haben eine ähnliche Strategie und ähnliche Vorstellungen darüber, was zu tun ist," sagte Sarah Covington, eine Analystin von IHS Country Risk in London (s. http://www.ihs.com/products/janes/security/country-risk/index.aspx), die sich mit Subsahara-Afrika (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Subsahara-Afrika) beschäftigt. "Die Franzosen sind seit Jahrzehnten in dieser Region präsent und werden immer stärker." Die neue Basis in Agadez bringt die US-Drohnen näher an ein Wüstengebiet, das den Norden Malis mit dem Süden Libyens verbindet und Waffenhändlern, Rauschgiftschmugglern und islamistischen Kämpfern, die über die Sahara kommen, als wichtige Transitroute dient. Die Stadt war einmal ein Magnet für Abenteuer-Touristen aus Europa, die sich einen Eindruck vom Leben der Nomaden verschaffen wollten. Durch den Aufstand von TuaregStämmen und den Einfluss von Islamisten hat sie sich in den letzten Jahren aber in einen gefährlichen Ort verwandelt. In einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage hat Benjamin A. Benson, ein AFRICOMSprecher, Agadez wegen seiner Nähe zu den Gefahrenpunkten in der Region "eine attraktive Option" für eine Basis genannt. Im Februar hat die Defense Logistic Agency (s. http://en.wikipedia.org/wiki/Defense_Logistics_Agency) des Pentagons Angebote für die Lieferung von mehr als 7 Millionen Gallonen Treibstoff für Jets und Diesel eingeholt, die im Lauf des Jahres nach Agadez geliefert werden sollen. {weitere Informationen dazu unter https://www.fbo.gov/index?s=opportunity&mode=form&idf797317854ac57ce4ac12b75172432&tab=core&_cview=1 } Im Juli hat die Air Force den Ausbau des Flugplatzes Agadez beantragt, ein Projekt das 5 bis 10 Millionen Dollar kosten könnte. {weitere Infos dazu unter https://www.fbo.gov/index?s=opportunity&mode=form&tab=core&id;f29705c89613caea0c3e3e375bb029} In Dokumenten wird darauf hingewiesen, dass dieses Projekt noch von der Regierung Nigers genehmigt werden muss. Im August hat Mahamadou Issoufou, der Präsident Nigers, in Washington an einer Konferenz afrikanischer Staatschefs teilgenommen, zu der die Obama-Regierung eingeladen hatte. Am 7. August, dem Tag nach dem Gipfel, hat Issoufou bei einem Treffen mit Staatssekretär Robert Work vom US-Verteidigungsministerium, Army-General David Rodriguez, dem Chef des AFRICOM, und weiteren Teilnehmern seine endgültige Zustimmung zur Nutzung der Drohnen-Basis in Agadez erteilt; das haben Offizielle aus Niger und aus den USA bestätigt. AFRICOM-Sprecher Benson wollte sich nicht festlegen, wie viele Drohnen und USSoldaten in Agadez stationiert werden, weil die Planung noch nicht abgeschlossen sei. Das Pentagon weitet den Einsatz von Drohnen in Afrika aus, obwohl sie auch dringend in anderen Konfliktzonen gebraucht würden. Seit Juni werden Drohnen, die von Basen im Mittleren Osten zusammengeholt wurden, täglich bei Dutzenden von Überwachungsflügen über dem Irak eingesetzt. Drohnen werden auch während des Abzugs der US-Truppen aus Afghanistan benötigt, ebenso bei der Bekämpfung von Terroristen im Jemen und in Somalia. Das Pentagon lässt auch den Norden Libyens aus der Luft überwachen – mit Predator-Drohnen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/General_Atomics_MQ-1), die auf einer USBasis auf Sizilien starten und das Mittelmeer überqueren. Das US-Militär würde seine Aufklärungsflüge über Libyen gern ausweiten, weil islamistische Splittergruppen und Stammesmilizen das Land zerrüttet haben. {s. http://www.washingtonpost.com/world/middle_east/libyas-neighbors-fear-spillover-of-violence/2014/08/25/c6c522a4-2c36-11e4-be9e-60cc44c01e7f_story.html} Von der Drohnen-Basis in Agadez aus wird es möglich sein, auch die ausgedehnten Wüstengebiete im Süden Libyens zu überwachen, weil sich dort nach Meinung von Sicherheitsexperten viele umherziehende islamistische Kämpfer, die aus Mali vertrieben wurden, gerade neu formieren. Es ist unklar, ob das Pentagon auch künftig noch Drohnen von Niamey, der Hauptstadt Nigers, aus einsetzen wird, die rund 500 Meilen südwestlich von Agadez liegt; einige Offizielle hielten das für wenig wahrscheinlich. Auf einer Basis der Streitkräfte Nigers neben dem internationalen Flughafen sind derzeit etwa 120 US-Soldaten stationiert. Die französischen Streitkräfte unterhalten in benachbarten Hangars eine kleine eigene Drohnen-Flotte. Sie besteht aus zwei in den USA gebauten Reaper-Drohnen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/General_Atomics_MQ-9), die im letzten Jahr gekauft wurden, und einer älteren Harfang-Drohne (s. http://de.wikipedia.org/wiki/EADS_Harfang). Im Gegensatz zum US-Militär, das seine Drohnen-Operationen geheimzuhalten versucht, präsentieren die Franzosen ihre Spionage-Drohnen gern der Öffentlichkeit. Als Hollande im Juli in Niamey die "Operation Barkhane" vorstellte, ließ er sich von Pressefotografen sogar in einem französischen Drohnen-Hangar ablichten.

Craig Whitlock berichtet seit 1998 für die Washington Post über das Pentagon und Fragen der Nationalen Sicherheit." [ENDE]


Originalquelle/n:
The Washington Post, 01.09.14
http://www.washingtonpost.com/world/national-security/pentagon-set-to-open-secon- d-drone-base-in-niger-as-it-expands-operations-in-africa/2014/08/31/365489c4-2eb8- 11e4-994d-202962a9150c_story.html

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en und Kommentar/e des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern und Hervorhebungen versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"




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Erfasst am 26.10.2014
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP15114_190914.pdf