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(Artikel * 2014) Watson, Ben
US-Generalstabschef Dempsey beruhigt NATO-Verbündete , die wegen der Entwicklung in der Ukraine besorgt sind
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 052/14 * Seite 1 - 3
Themen: Außenpolitik; Intervention; Konflikt; Militär/Militarismus; Minderheit; NATO * Baltikum; Polen; Russland; Ukraine; USA * Schwarzes Meer; Mittelmeer; Übersetzung : Jung, Wolfgang; Martin Dempsey; Flugzeugträger; Charles Timothy Hagel; Krim-Krise; John Kirby; Ihor Tenyukh; Primat der Politik * Dok-Nr: 257641
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"US-Generalstabschef Dempsey beruhigt NATO-Verbündete, die wegen der Entwicklung in der Ukraine besorgt sind

Das US-Militär sei bereit, NATO-Verbündete zu unterstützen, wenn die Unruhen in der Ukraine eskalieren, erklärte der US-Generalstabschef Martin Dempsey am Freitag. US-Diplomaten arbeiteten rund um die Uhr, um nach dem russischen Einmarsch in die Halbinsel Krim im Osten der Ukraine eine Lösung zu finden. Dempsey teilte mit, er habe mit seinem militärischen Gegenüber in Russland gesprochen, aber auch klare Signale an die Ukraine und (besorgte) Mitglieder der NATO gesandt, dass die US-Streitkräfte nötigenfalls auch militärisch reagieren würden. "Wir haben versucht, Russland davon abzubringen, die Krise (durch die Besetzung zusätzlicher Gebiete) im Osten der Ukraine weiter zu eskalieren, und eine akzeptable Lösung für die Krim gefordert," sagte Dempsey in einem Interview mit Judy Woodruff von PBS Newshour (das unter http://video.pbs.org/video/2365195798/ ) aufzurufen ist. "Unsere militärischen Signale richten sich vor allem an unsere NATO-Verbündeten," betonte er. Als er gefragt wurde, ober er wegen der Krise ein militärisches Eingreifen der USA in der Ukraine für möglich halte, antwortete Dempsey: "Diese Frage muss immer wieder neu gestellt und beantwortet werden, je nachdem, wie sich die Dinge entwickeln." Er fügte hinzu: "Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir gegenüber unseren NATOVerbündeten vertragliche Verpflichtungen haben. Ich habe unseren Bündnispartnern versichert, dass wir die, wenn das nötig wird, auch einhalten werden." Am Donnerstagmorgen ist der Lenkwaffenzerstörer "USS Truxtun" aus einem griechischen Hafen Richtung Schwarzes Meer ausgelaufen; dieser Zerstörer gehört zur Flugzeugträgergruppe "USS George H.W. Bush", die auf dem Weg in den Mittleren Osten ist (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP04414_110314.pdf ). Pentagon- Sprecher Rear Admiral (Flottillenadmiral) John Kirby erklärte, die Verlegung der Flugzeugträgergruppe sei schon geplant gewesen, bevor im Februar die Unruhen in Kiew begonnen und eine neue Führung die Kontrolle über das umkämpfte Land übernommen habe. Nach Schätzungen ist die Anzahl der russischen Soldaten auf der Krim, die der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag als "Selbstverteidigungskräfte" bezeichnete, mittlerweile auf etwa 30.000 angestiegen. Pentagon-Sprecher Kirby sagte am Freitag, es sei schwierig, exakte Angaben zu beschaffen, nach neueren geheimdienstlichen Erkenntnissen liege die Zahl (der russischen Soldaten auf der Krim) aber näher bei 20.000. Russland hat seine Truppen im Laufe der letzten Woche "vermutlich verstärkt", fügte er hinzu. "Es kommt aber weniger auf die Anzahl der Soldaten als auf ihre Aktivitäten an; sie haben zum Beispiel Häfen der ukrainischen Marine (auf der Krim) durch die Versenkung von Patrouillenbooten blockiert." Damit sprach er Maßnahmen zum Schutz der beiden Flottenstützpunkte an, die Russland von der Ukraine gepachtet hat. Am Freitag habe US-Verteidigungsminister Chuck Hagel erstmals mit dem neuen ukrainischen Verteidigungsminister Ihor Tenyukh (s. http://www.voltairenet.org/article182518. html ) gesprochen, der nach der Flucht des pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch ernannt wurde. Das Telefongespräch habe etwa 20 Minuten gedauert, und Tenyukh habe sich über die Durchführung humanitärer Maßnahmen beraten lassen, teilte Kirby mit. Kirby betonte auch die Verpflichtungen des Pentagons gegenüber den Verbündeten in der Region (um das Schwarze Meer) und betonte, die USA würden in den kommenden Tagen und Wochen nach weiteren Möglichkeiten suchen, ihr Engagement für die NATO-Partner zu demonstrieren. "Wie Verteidigungsminister Hagel bereits gestern angekündigt hat, werden wir unser Engagement durch weitere Maßnahmen intensivieren – durch eine verstärkte Überwachung des Luftraums über den baltischen Staaten und durch eine erhöhte Präsenz unserer Air Force in Polen," erläuterte Kirby. (Weitere Infos dazu sind nachzulesen unter http://www. luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP04814_170314.pdf .) An der Überwachung des baltischen Luftraums ist auch eine in Polen stationierte, aus zehn Soldaten bestehende Abordnung der U.S. Air Force beteiligt. Zusätzlich zur Entsendung von F-15 nach Litauen und von F-16 nach Polen hat die Obama- Regierung in dieser Woche weitere Reaktionen auf die russischen Aktivitäten in der Ukraine angekündigt. "Die Verurteilung der russischen Aktivitäten fand breite internationale Unterstützung – im Nordatlantikrat (s. http://www.nato.int/cps/en/natolive/official_texts_107681.htm ), aus dem Kreis unserer europäischen Verbündeten und bei den G7-Staaten," äußerte ein höherer Vertreter der US-Regierung. "Wir haben die Vorbereitungen für den G8-Gipfel in Sotschi abgebrochen. Die US-Regierung hat die Gespräche über Handelsbeziehungen mit Russland ausgesetzt. Wir haben auch Militärmanöver und Beratungen mit Russland über verschiedene Probleme storniert und unseren europäischen Verbündeten zugesagt, dass wir ihre Sicherheit garantieren." In dem eingangs erwähnten Interview hat General Dempsey auch noch gesagt: "Wenn wir Russland erlauben, zum Schutz russischer Minderheiten in ein souveränes Land wie die Ukraine einzumarschieren, setzen wir Osteuropa einer erhöhten Gefahr aus, weil es in vielen Staaten in Osteuropa und auf dem Balkan russische Enklaven gibt." Er fügte aber auch noch hinzu: "Ich telefoniere ständig mit der russischen Militärführung. Ich unterrichte sie über alle von uns getroffenen militärischen Maßnahmen und über unsere Gründe dafür. Die Russen wissen, dass wir, was die behauptete Legitimität ihres Vorgehens angeht, ganz anderer Meinung sind als sie. Aber als Militärs sollten wir zu vermeiden versuchen, dass diese Krise eskaliert."
Ben Watson ist Nachrichtenredakteur bei Defense One (Infos s. http://www.defenseone.com/about/ ). Er hat vorher für den US-Radiosender NPR in Washington D.C. an Sendereihen wie "All Things Considered" (Von allen Seiten betrachtet) und "Here And Now" (Hier und heute) mitgearbeitet. Watson hat fünf Jahre in der U.S. Army. gedient. Als Soldat war er ein preisgekrönter Kameramann, und während der Truppenverstärkung im Jahr 2011 war er in Südafghanistan als Medienberater für das Special Operations Command (s. http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Special_Operations_Command ) tätig." [ENDE]


Originalquelle/n:
Defense One, 07.03.14
http://www.defenseone.com/threats/2014/03/dempsey-reassures-nato-alliesukraine/80125/?oref=d-channelriver?oref=d-interstitial-continue

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en und Kommentar/e des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Dass in der Ukraine die eher zurückhaltenden Äußerungen des US-Generalstabschefs Martin Dempsey ganz anders – nämlich als Zusicherung uneingeschränkter militärischer Unterstützung – interpretiert werden, ist unter http://www.kyivpost.com/content/ukraine/gen-dempsey-us-ready-for-military-response-to-russia-if-crimean-conflict-escalates-339144.html nachzulesen. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"




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Erfasst am 25.03.2014
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP05214_230314.pdf