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(Artikel * 2013) Millham, Matt
Die NATO beendet ein großes Manöver in Polen und in den baltischen Staaten
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 179/13 * Seite 1 - 3
Themen: NATO * Estland; Lettland; Litauen; Polen; Russland * Militärmanöver; Übersetzung : Jung, Wolfgang; Hans-Lothar Domröse; Steadfast Jazz * Dok-Nr: 255349
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"Die NATO beendet ein großes Manöver in Polen und in den baltischen Staaten

DRAWSKO POMORSKIE, Polen – Am Wochenende ging das größte Militärmanöver der NATO seit sieben Jahren zu Ende; länger als eine Woche wurde mit Übungen im Gelände und Simulationen die Bereitschaft der Allianz zu Kampfeinsätzen und zur Bewältigung anderer Krisensituationen getestet. Das Manöver fand unter den Augen russischer Militärbeobachter in den baltischen Staaten und in Polen statt. Vor wenig mehr als einem Monat hatte Russland auf seinem eigenen Staatsgebiet und in Weißrussland das Manöver "Zapad" (Westen) durchgeführt und dabei auch die Invasion geübt. Obwohl dieser Eindruck entstanden sein könnte, sei das Manöver "Steadfast Jazz", an dem Truppen aus allen 28 NATO-Staaten und drei Partnerländern teilgenommen haben, kein an Russland oder andere Staaten gerichtetes Warnsignal gewesen, teilten führende Vertreter der NATO und der baltischen Staaten mit. (Wichtige Zusatzinformationen zu dem Manöver "Standhafter Jazz" sind aufzurufen unter http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYuxDsIwDET_KG4QAsFGFQlYGFigLJXbWFVEmkSuQxcnmTgTnrLu4MXlAb8uAnFxYAentCN7jisalgtKXxLJu9pUZiX3hL3wjklgkc9lsEYA0mlUBBXODFKZJUii68mMxejnIWu0abV-Yf_T2Y3fly05utubZ3SPN8-gFSCpZO/ .) "Es ist natürlich ein Signal unserer militärischen Stärke und unserer Entschlossenheit, unsere Verbündeten zu verteidigen," sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen auf einer Pressekonferenz in Lettland. Nach Auskunft von NATO-Vertretern war das Manöver eine erweiterte Version der Übung, mit der jährlich die NATO Response Force / NRF trainiert und getestet wird; diese NATO-Eingreiftruppe (s. http://de.wikipedia.org/wiki/NATO_Response_Force) wird ab 2014 wieder dem Joint Forces Command / JFC in Brunssum (in den Niederlanden, s. http://www.jfcbs.nato.int/jfcbrunssum.aspx) unterstehen. Dieses Hauptquartier, das der deutsche Vier-Sterne-General Hans-Lothar Domröse befehligt, teilt sich die Führung der NRF mit dem anderen Vier-Sterne Hauptquartier (der NATO, dem JFC Neapel,) im jährlichen Wechsel. Domröse sagte, "Steadfast Jazz" sei ein Qualifizierungstest für ihn und sein Hauptquartier und gleichzeitig ein Test der Reaktionsfähigkeit der NRF gewesen. Die US-Streitkräfte beteiligen sich an der NRF mit einer Brigade der (in Fort Hood in den USA stationierten) 1st Cavalry Division (Infos dazu s. http://de.wikipedia.org/wiki/1st_Cavalry_Division_(U.S.)); an der aus 6.000 Soldaten bestehenden NATO-Manövertruppe, die auf eine angenommene Krise reagieren musste, war jedoch nur ein kleines US-Kontingent beteiligt. Das Manöver wurde zwar größtenteils in einer virtuellen Welt simuliert, aber das Hauptquartier war trotzdem von Brunssum nach Lettland umgezogen – in eine kleine Zeltstadt auf einer Militärbasis vor den Toren der Hauptstadt; von dort aus leitete es die Verteidigung Estlands gegen eine Invasion aus einem fiktiven Nachbarstaat. Bei verschiedenen Übungen in den baltischen Staaten und in Polen führten mehr als 3.000 NATOSoldaten in voller Ausrüstung auch ein realistisches Kampftraining durch, in das auch Panzer, Schiffe, Kampfjets und sonstige Waffen einbezogen waren. Am Donnerstag erlebten Führungspersonen der NATO und der baltischen Staaten eine eindrucksvolle Demonstration, an der neben Infanteristen auch Panzer, Boden-Boden-Raketen, ABC-Einheiten und Spezialkräfte teilnahmen. Wegen des schlechten Wetters konnten die ebenfalls eingeplanten Flugzeuge und Hubschrauber leider nicht eingreifen. Die Vorbereitung des größten NATO-Manövers seit der NRF-Gründung im Jahr 2006 hat nach Angaben von Militärführern und Planern eineinhalb Jahre gedauert. Wiederholt betonten sie, dieses NATO-Manöver sei keine Reaktion auf das gemeinsame Manöver der russischen und weißrussischen Streitkräfte, das schon im September stattgefunden hatte. Der estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Toomas_Hendrik_Ilves) wies die "propagandistisches Aufregung" über diese kleine Verteidigungsübung zurück; sie sei viel bescheidener gewesen als "das offensive Großmanöver", das kürzlich zwei Nachbarstaaten veranstaltet hätten. "Es geht nur um Vertrauen, um nichts anderes," sagte die litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskait?, als sie gefragt wurde, ob das Manöver als Signal an Russland zu werten sei. "Wir sind davon überzeugt, dass wir uns zusammen mit unseren Verbündeten verteidigen können." Wenn der Krieg in Afghanistan in wenig mehr als einem Jahr zu Ende geht, möchte die NATO-Führung unbedingt die Fähigkeit zur Zusammenarbeit erhalten, die sich in zehn Jahren Krieg herausgebildet hat. Die reaktionsschnelle Verteidigung eines Verbündeten konnte in Afghanistan allerdings nicht geübt werden. NATO-Offiziere erinnerten daran, dass Afghanistan nach den Anschlägen am 11. September 2001 von den US-Streitkräften angegriffen wurde. Die USA hätten die Verantwortung für den Krieg in Afghanistan erst Jahre später der von der NATO gestellten ISAF (s. http://de.wikipedia.org/wiki/International_Security_Assistance_Force) übertragen, als die täglichen Operationen und die Logistik schon längst eingespielt waren. "Wenn ich jetzt wieder zur ISAF zurückginge, würde ich von meinem Vorgänger in meinen Job eingewiesen und wüsste nach einer kurzen Eingewöhnungszeit genau, was ich zu tun hätte," erklärte David Cole, ein Geschwader-Kommandeur der Royal Air Force, der jetzt als britischer Stabsoffizier dem JFC Brunssum zugeteilt ist. "Hier ist das ganz anders, bei einer Eingreiftruppe gibt es keine Einführungsphase." Das Hauptquartier in Brunssum hat mit der Planung seines Einsatzes schon vor sechs Monaten begonnen, als der Krieg der Worte laut NATO-Manöver-Szenario auf eine mögliche Invasion zutrieb. "Kriege entstehen aus Fehleinschätzungen," gab der französische Generalmajor Michel Yakovleff zu bedenken, der in Brunssum als stellvertretender Stabschef für die Planung zuständig ist. "Es ist eine schwerwiegende Fehleinschätzung, zu glauben, einen NATO-Verbündeten könnte man bedrohen oder sogar angreifen; auch die NATO kann sich verschätzen, wenn sie zu spät auf Drohungen reagiert und dann Versäumnisse ausbügeln muss." Das fiktive Szenario sah unerwartete Entwicklungen vor, die das Hauptquartier zwangen, seine Planungen zweimal total umzustellen. Der Entscheidungsprozess habe unter echtem Stress stattfinden müssen, ergänzte Yakovleff. Als er gefragt wurde, ob die NATO-Verbündeten wenigstens in dem fiktiven Konflikt "gesiegt" hätten, antwortete Yakovleff: "Das Ziel der Übung war nicht, den Krieg zu gewinnen, sondern (für den Ernstfall) zu trainieren." ' [ENDE]


Originalquelle/n:
STARS AND STRIPES, 12.11.13
http://www.stripes.com/news/nato-wraps-up-major-exercise-in-poland-baltics-1.252512

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en und Kommentar/e des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel, der einen neuen Kalten Krieg oder Schlimmeres befürchten lässt, komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"




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Erfasst am 01.12.2013
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP17913_181113.pdf