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(Artikel * 2012) Wippel , Günter; Olostiak , Mirko
" Die Menschen können kein uran essen " Interview zum bevorstehenden Uranabbau in Tansania
in iz3w Nr. 332 * Seite 5
Themen: Ernährung; Rohstoff * Tansania * * Dok-Nr: 244770
Standorte: A3W Osnabrück; FDCL Berlin; iz3w Freiburg; Nicabüro Wuppertal; IfaK Göttingen; biz Bremen; EWNT Jena

»Die Menschen können kein Uran essen«
Interview zum bevorstehenden Uranabbau in Tansania

In Tansania bestätigte die Regierung 2009 den Fund von Uranlagerstätten in insgesamt 20 Gebieten. Die nun geplanten Abbauprojekte drohen die Ernährungsgrundlage ganzer Regionen zu zerstören. Anthony Lyamunda von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation CESOPE (Civil Education is the Solution for Poverty and Environment) kämpft mit Kampagnen und Workshops dagegen an.

iz3w: Welche Auswirkungen wird der geplante Uranabbau in den betroffenen Gebieten haben?
Anthony Lyamunda: Im Moment sind vor allem zwei Projekte besorgniserregend. Das so genannte Mkuju River Project der australischen Firma Mantra Resources befindet sich teilweise im Wildreservat Selous, das zum Weltnaturerbe zählt. Im Juli hat die UNESCO dem Antrag der tansanischen Regierung auf Verlegung der Grenze zugestimmt. Das zweite Projekt liegt in der Region Bahi, einem großen Feuchtbiotop mit vielen Wasserreserven. Das Gebiet spielt für die Ernährungssicherheit eine wichtige Rolle, es gibt viel Landwirtschaft, Weidewiesen und großen Fischreichtum. Es ist eine ökologisch empfindliche Region, die schon durch kleine Eingriffe zerstört werden kann.
Und genau hier will das Unternehmen Uranex im Tagebau Uran abbauen. Die Wasserreserven sind durch die Probeentnahmen bereits verschmutzt, die Menschen trinken kontaminiertes Wasser. Aber der Minister für Energie und Bergbau behauptet, das Uran habe keinen Einfluss auf die Gesundheit. Es ist der Politik egal, dass Menschen in den Abbaugebieten leben. Die zukünftigen Auswirkungen werden noch viel schlimmer sein, wenn die Ernährungsgrundlage zerstört wird. Die Menschen können kein Uran essen.
Einige ExpertInnen sagen, dass Tansania mehr Zeit braucht, um sich auf den Uranabbau in großem Stil vorzubereiten. Es gibt keine Expertise und keine ausreichenden Sicherheitspläne und Maßnahmen. Dennoch vergibt die Regierung Explorationslizenzen.

Wieso werden dann weitere Projekte gefördert?
Nach dem Gesetz ist Uran ein Mineral wie jedes andere auch, Abbau und Handel sind nicht illegal. Die tansanische Regierung will die Tür für Investitionen öffnen und erhofft sich Steuereinnahmen. Tansania hängt zu 30 bis 40 Prozent von ausländischen Geldern ab, sei es von der Weltbank, Ländern wie Deutschland oder von Hilfsorganisationen. Aber diese Gelder sind oft mit Bedingungen wie der Liberalisierung von Märkten und Handel verknüpft. Die Steuergesetze vor allem im Bergbaubereich sind aber nicht so gestaltet, dass es hohe Einnahmen für das Land gibt. Hinzu kommt die in der Politik verbreitete Korruption. Insgesamt macht Tansania mit dem Uranabbau kein gutes Geschäft.

Welche Länder sind am Uranabbau beteiligt?
Das kann man schwer beantworten, da die Unternehmen nicht offen legen, wohin das Uran verkauft wird. Es ist kein transparenter Markt und das Uran durchläuft viele Verarbeitungsschritte, bevor es zum Einsatz kommt. Auf dem ganzen afrikanischen Kontinent gibt es keine einzige Urananreicherungsanlage, außer in Südafrika, die ist allerdings nicht mehr in Betrieb. Allgemein kann man sagen, dass jene Länder, die Atomkraftwerke besitzen, auch Käufer dieses Urans sind.

Wie verläuft die politische Diskussion in Tansania?
Die Opposition kann nichts gegen bereits unterzeichnete Verträge ausrichten, aber sie versucht, Druck auf künftige Projekte auszuüben. 2011 war ich bei den Demonstrationen in Gorleben und war beeindruckt, wie die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland arbeitet. Das wäre in Tansania nicht möglich. Demonstrationen sind zwar laut Verfassung erlaubt, aber sie verlaufen immer gewaltsam und die Polizei geht brutal vor. Für uns als Organisation ist es keine Option, zu Demonstrationen aufzurufen. Wir machen Kampagnen, organisieren Konferenzen und versuchen vor allem in ländlichen Gegenden darüber zu informieren, wie Gesetz und Verfassung in Tansania funktionieren. Die Menschen wissen, dass Uran ein Problem ist, aber sie wissen nicht, wie sie sich wehren können.
Auf internationaler Ebene sind wir mit anderen Organisationen gut vernetzt und betreiben Lobby-Arbeit in Deutschland und der EU. Wir versuchen, Druck auf die deutsche Regierung auszuüben, da Tansania und Deutschland historisch bedingt eine enge Beziehung pflegen. Es wird uns kaum gelingen, das ganze Land vor dem Uran zu retten. Aber für bestimmte Gebiete wie Bahi lassen sich vielleicht Kompromisse finden.


Das Interview führten Günter Wippel, Mirko Olostiak und Katrin Dietrich. Übersetzungen aus dem Englischen: Katrin Dietrich.