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(Artikel * 2012) Ackerman, Spencer
Kanonenboote , Supertorpedos und Unterwasser-Drohnen : Vor den Küsten des Irans sammelt sich eine riesige US-Flotte
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 068/12 * Seite 1 - 3
Themen: Konflikt; Militär/Militarismus * Bahrain; Iran; USA * Persischer Golf; Atomprogramm; Drohnen; Übersetzung : Jung, Wolfgang; Straße von Hormuz; Unmanned Undersea Vehicles - UUV; US-Truppenaufmarsch; Kanonenboot-Politik * Dok-Nr: 240894
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"Kanonenboote, Supertorpedos und Unterwasser-Drohnen: Vor den Küsten des Irans sammelt sich eine riesige US-Flotte

Die Entsendung eines dritten Flugzeugträgers in die Gewässer um den Iran war, wie sich gerade herausstellt, erst der Anfang {s. http://www.wired.com/dangerroom/2012/01/iran-aircraft-carriers/}. Die USA haben derzeit tatsächlich mehr Kriegsschiffe im Persischen Golf versammelt, als die Kriegsflotten der meisten Staaten der Erde – einschließlich der des Irans – aufbieten könnten. Und dabei hat die US-Navy bisher erst ihre Muskeln spielen lassen. In den kommenden Monaten wird sie die Anzahl der gegenüber dem Iran in Bahrain stationierten US-Minenräumboote von vier auf acht verdoppeln. Diese Schiffe werden von entscheidender Bedeutung sein, wenn es der Iran tatsächlich wagen sollte, die Straße von Hormuz, diesen für die Energieversorgung der Welt so wichtigen Seeweg zu verminen {s. http://www.wired.com/dangerroom/2012/01/strait-of-hormuz/}. Außerdem werden noch vier MH-53 Hubschrauber des Typs "Sea Stallion" (See-Hengst) nach Bahrain verlegt, die ebenfalls Minen räumen und die dort stationierte 5. US-Flotte rechtzeitig vor der Verminung der Straße von Hormuz warnen können. (Weitere Infos dazu sind aufzurufen unter http://kurier.at/nachrichten/4489157-usa-iran-konflikt-wettruesten-am-golf.php) Die Navy bereitet sich auch darauf vor, sehr viel dichter vor der iranischen Küsten zu operieren. Sie hat gerade fünf in Küstennähe einsetzbare Patrouillenboote in den Golf verlegt. Sobald die US-Küstenwache die drei Boote zurückgibt, die sie von der Navy ausgeliehen hat, wird diese über fünf weitere Patrouillenboote verfügen, die zunächst als Reserve in den USA verbleiben. Sämtliche Boote wurden oder werden nachgerüstet – mit Gatling-Kanonen (die Geschosse aus abgereichertem Uran abfeuern können) und mit Raketen. Die Kanonen an Bord der beiden Flugzeugträger, die derzeit vor dem Iran kreuzen, haben eine große Reichweite und können Ziele aus der Ferne bekämpfen. "Wir brauchen aber noch so etwas wie abgesägte Schrotflinten, die auf kurze Distanz großen Schäden anrichten können," erläuterte Admiral Jonathan Greenert, der ranghöchste Offizier der US-Navy. Bei einem Frühstück, das am Freitag in Washington stattfand, erklärte Greenert vor Reportern, bis zum nächsten Jahr seien alle zehn Patrouillenboote mit Gatling-Kanonen des Typs MK-38 ausgerüstet und damit im Persischen Golf einsetzbar. {Das werden aber leider noch nicht die lasergesteuerten Gatling-Kanonen sein, die BEA Systems gerade entwickelt, s. http://www.wired.com/dangerroom/2011/07/navys-next-laser-mashes-up-machine-guns-and-death-rays/}. Sie werden zusätzlich mit Kurzstreckenraketen bestückt, damit sie die iranische Küste auch schon aus einer Entfernung von vier Seemeilen (7,4 km) beschießen können; die Navy SEALs (die Spezialkräfte der US-Marine, s. http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Navy_SEALs) setzen diese Raketen ebenfalls ein. Was im Persischen Golf gerade praktiziert wird, erinnert an Teddy Roosevelt (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Roosevelt) und ist eine Art Kanonenboot-Politik für das 21. Jahrhundert {s. http://en.wikipedia.org/wiki/Gunboat_diplomacy}. Über Platten mit Eiern auf fettem Speck entwarf Admiral Greenert einen Plan, der dafür sorgen wird, dass die US-Navy im Persischen Golf über den "dicksten Knüppel" verfügt, den sie jemals dort bereitstellt hat. Mit diesem Plan, den er nicht näher ausführte, soll der Iran dazu gebracht werden, gründlich darüber nachzudenken, ob er sich tatsächlich mit seinen arabischen Nachbarn am gegenüberliegenden Ufer des Golfs anlegen und den engen Durchgang sperren will, durch den ein Fünftel der Öltransporte der Welt abgewickelt wird. Mit der Aufzählung der Flugzeugträger, der mit Gatling-Kanonen ausgerüsteten Patrouillenboote, der Orion-Aufklärungsflugzeuge (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Lockheed_P-3), der Hubschrauber vom Typ Sea Stallion und der Minenräumboote war Greenert aber noch nicht am Ende. Dazu kommen noch die neuen Hightech-Torpedos, die speziell für die komplizierten Strömungsverhältnisse im trüben Persischen Golf entwickelt wurden, und die (ferngesteuerten) Drohnen-U-Boote, die Greenert als "unbemannte Unterwasserjäger", bezeichnete und mit denen er Minen aufspüren will. Außerdem ist jedes US-Kriegsschiff, das die Straße von Hormuz passiert, mit dem neuen, modularen Sichtgerät ausgestattet, das mit Infrarotund elektronisch-optischer Technologie arbeitet; damit kann der häufig unter dichtem Nebel liegende Golf sogar nachts befahren werden. Die US-Kriegsschiffe werden auch zusätzliche Ersatzteile und Fachleute von Privatfirmen an Bord haben, die fällige Reparaturen sofort ausführen können. Wenn das alles noch nicht ausreichen sollte, wird Greenert mit dem bereits eingeholten Einverständnis des Verteidigungsminister Leon Panetta noch mehr US-Flugzeugträger in die Golf-Region rotieren lassen. Diese wichtige Entscheidung werde schon "in wenigen Monaten" fallen. "Ich bin auf alles vorbereitet, was auf oder unter der Meeresoberfläche und in der Luft auf uns zukommen könnte," sagte Greenert. "Wir haben alles dafür getan, dass unsere Jungs vor Ort sicher sind." Israel droht dem Iran zwar ständig mit einem Luftangriff, aber die US-Navy hat es geschafft, die Revanche-Drohungen des Irans einzudämmen {s. http://www.wired.com/dangerroom/2012/03/panetta-iran-israel/}. Teheran hat die US-Flugzeugträger bisher nicht angegriffen und auch die Straße von Hormuz noch nicht zu sperren versucht {s. http://www.wired.com/dangerroom/2012/01/iran-still-tense/}. Greenert vertrat die Meinung, die Führung der iranischen Seestreitkräfte sei vernünftig genug, sich vor einem Angriff auf die haushoch überlegene US-Navy zu hüten. Die reguläre iranische Marine stehe unter dem Kommando "professioneller, zurückhaltender, guter Seeleute". Sogar die radikale iranische Revolutionsgarde "trumpfe nicht auf und halte sich im Golf sehr zurück". Das könnte zutreffen. Wenn die Navy ihren Aufmarsch im Persischen Golf beendet hat, bleibt den iranischen Seestreitkräften auch keine andere Wahl, wenn sie nicht untergehen wollen. Der Iran, der manchmal zu überraschenden Fehleinschätzungen neigt {s. http://www.wired.com/dangerroom/2011/10/iran-bomb-plot-true/}, könnte die große USFlotte vor seinen Küsten aber auch als Provokation ansehen und sich auf einen Kampf einlassen, den wir dann schnellstens beenden müssten." [ENDE]


Originalquelle/n:
WIRED, 16.03.12
http://www.wired.com/dangerroom/2012/03/navy-persian-gulf/

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en und Kommentar/e des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel aus dem militärlastigen US-Technikmagazin WIRED (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Wired) komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"




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Erfasst am 23.04.2012
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_12/LP06812_230312.pdf