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(Artikel * 2011) Foley, Brian J.
Was passiert , wenn sich die Occupy-Bewegung bewaffnet ? Auf die Rechten wird nicht geschossen , oder ?
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 251/11 * Seite 1 - 3
Themen: Medien; Regierung; Repression; Soziale Bewegung * USA * Übersetzung : Jung, Wolfgang; Tea Party; Department of Homeland Security - DHS * Dok-Nr: 237492
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"Was passiert, wenn sich die Occupy-Bewegung bewaffnet?
Auf die Rechten wird nicht geschossen, oder?

Sie haben wahrscheinlich schon bemerkt, dass unsere Regierung und die konzerneigenen Medien die Occupy-Bewegung und die Tea Party (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Tea-Party-Bewegung) ganz unterschiedlich behandeln. Denken Sie daran, dass Anhänger der Tea Party zu ihren Protestversammlungen Schusswaffen mitbrachten und sogar drohten, den Präsidenten Obama umzubringen. Sie wurden nicht mit Pfefferspray auseinandergetrieben. Sie wurden auch nicht mit Polizeiknüppeln verprügelt, sie wurden sogar noch nicht einmal aufgefordert, ihre Knarren zu Hause zu lassen. Eigentlich bin ich froh, dass die Polizei die Tea Party gewähren ließ. Sogar auf falschen Informationen beruhende, dumme und rassistische Proteste müssen erlaubt bleiben. Nach dem 1. Zusatzartikel der US-Verfassung ist es der Regierung einfach verboten, irgendwelche Proteste zu unterbinden (s. http://de.wikipedia.org/wiki/1._Zusatzartikel_zur_Verfassung_der_Vereinigten_Staaten). Leider hält sich unsere Regierung nicht daran. Warum werde die beiden Bewegungen so unterschiedlich behandelt? Einige Menschen meinen, das sei so, weil die Tea Party keine Zelte (in öffentlichen Parks) aufgebaut hat. Warum erregt der Aufbau einer Zeltstadt und einer Bibliothek – deren sinnlose Zerstörung durch die New Yorker Polizei {s. http://www.counterpunch.org/2011/11/25/451-at-zuccottipark/} an die Bücherverbrennungen der deutschen Nazis in den 1930er Jahren erinnerte – und warum erregen gemeinsames Singen und Sitzblockaden mehr Aufmerksamkeit bei der Regierung als bewaffnete Horden, die den Präsidenten mit Waffen bedrohen? Noch mehr stört mich, dass das Department of Homeland Security / DHS (das Ministerium für innere Sicherheit, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Ministerium_f%C3%BCr_Innere_Sicherheit_der_Vereinigten_Staaten) – das uns mit seiner Machtfülle eigentlich vor Terroristen schützen soll – wahrscheinlich das gewaltsame Vorgehen gegen den gewaltlosen Protest der Occupy-Bewegung in den gesamten USA koordiniert hat {s. http://www.huffingtonpost.com/2011/11/18/occupy-wall-street-crackdowns_n_1101685.html}. Die Anhänger der Occupy-Bewegung schlagen ja nur Zelte auf und werfen keine Handgranaten. Sie hängen auch nur ausdrucksstarke Spruchbänder an Gebäuden auf und steuern keine Verkehrsflugzeuge in sie hinein. Diese Bewegung dürfte eigentlich überhaupt nicht auf den Radar schirmen des DHS erscheinen. Die Mainstream-Medien verhalten sich ähnlich "fair und ausgewogen". Die Occupy-Bewegung wird kritisiert, weil sie keine "klare Botschaft" hat – als sei man daran überhaupt interessiert. Die äußert widersprüchliche, idiotische Kakophonie von Aussagen der Tea Party wurde nicht kritisiert. Hat sie Obama nicht gleichzeitig zum Faschisten und Sozialisten gestempelt? Wurde dieser konzernhörige Präsident nicht als "Kommunist" beschimpft? Wo bleibt mein Anteil an eurem Verständnis, Genossen? Die Mainstream-Medien rätselten, wann die Occupy-Bewegung "zu Ende" gehen werde und glaubten, sie sei vorbei, wenn die Temperaturen fallen. Über das Ende der Tea Party, die weder Lager noch Bibliotheken einrichtete und nur kurze Zeit protestierte, hat niemand spekuliert; ihr wurde gleich der Status einer politischen Partei verliehen. Erinnern Sie sich noch daran, wie sich die Rechten, weil sie nach Obamas Wahl im Jahr 2008 befürchteten, er werde strengere Waffengesetze erlassen, mit Waffen und Munition versorgten {s. http://articles.cnn.com/2008-11-11/justice/obama.gun.sales_1_gun-shopbrady-campaign-gun-owner?_s=PM:CRIME}, als wollten sie sich auf eine Revolution oder einen Rassenkrieg vorbereiten? Darüber haben sich die Medien nicht besonders aufgeregt. Was geschähe, wenn sich die Occupy-Bewegung mit Waffen versorgte? Die Medien sähen sofort eine Revolution heraufziehen. Experten würden umgehend eine "Verschärfung der Waffengesetze" und eine Überwachung des Waffenhandels fordern. Die Waffenhändler müssten sich ihre Kunden aussuchen {s. http://latimesblogs.latimes.com/nationnow/2011/11/texas-gun-instructor-refuses-to-train-muslims-obama-supportersvideo.html}. Die Occupy-Bewegung würde sicher als Terrorgruppe eingestuft – wie das gerade in London geschehen ist {s. http://uk.news.yahoo.com/police-include-occupy-movement-on-%E2%80%98terror%E2%80%99-list.html}. Wahrscheinlich blieben die Waffengesetze aber unangetastet – und die Regierung würde einfach nur die Anhänger der Occupy-Bewegung erschießen, wie Ann Coulter (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Ann_Coulter) das gerade empfohlen hat {Interview mit Ann Coulter s. http://mediamatters.org/blog/201111260001}. Erinnern Sie sich noch daran, was geschah, als Jared Loughner (s. http://www.welt.de/politik/ausland/article12089176/Jared-Loughner-Kiffer-Stoerenfried-Moerder.html) im Januar die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Gabrielle_Giffords), eine Demokratin aus Arizona, anschoss und mehrerer Personen, darunter auch einen Bundesrichter, tötete? Die Regierung und die Mainstream-Medien hielten nichts von der Idee, dass eine von Sarah Palin (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Palin) veröffentlichte Zielscheibe {s. http://gawker.com/5728545/shot-congresswoman-was-in-sarah-palins-crosshairs} – auf der auch der Wahlbezirk der Frau Giffords mit einem Fadenkreuz gekennzeichnet war – Loughner zu seinem Anschlag motiviert haben könnte. Die Medien ließen es so aussehen, als sei es unmöglich, Loughner politisch links oder rechts einzuordnen. Was geschähe wohl, wenn ein Republikaner erschossen würde? Politiker und Experten wären sich sicher, dass der Schütze, selbst wenn er sich niemals an Veranstaltungen oder Camps der Occupy-Bewegung beteiligt hätte, irgendwie durch deren "gefährliche Rhetorik beeinflusst" worden sei. Und die Occupy-Bewegung würde schnell zur Terroristengruppe erklärt. Die Schüsse auf Frau Giffords sind nicht der einzige rechte Gewaltakt. Es gab noch weitere Todesdrohungen und eingeworfene Fensterscheiben bei mehrere Kongressabgeordneten, die für die Gesundheitsreform Obamas eintraten – über die sich weder die Regierung noch die Medien besonders aufregten {s. dazu auch http://www.theatlanticwire.com/politics/2010/03/what-s-behind-the-wave-of-right-wing-health-care-violence/25082/}. Können Sie sich den Aufruhr vorstellen, der ausgebrochen wäre, wenn Republikaner Todesdrohungen erhalten hätten? Aus all diesen Vorkommnissen können wir den eindeutigen Schluss ziehen, dass wir eine rechtslastige Regierung haben, die von rechtslastigen Medien unterstützt wird. {Können wir damit den Mythos von unseren angeblich liberalen Medien begraben?} Die Rechten können in jeder Form gegen alles protestieren, sie werden höchsten eingesperrt, wenn sie tatsächlich ein Kongressmitglied niederschießen. Wer aber – völlig gewaltlos – gegen unsere rechtslastige Regierung protestiert, gilt sofort als gefährlich.

Brian J. Foley ist Juraprofessor, Comedian und Autor des Buches "A New Financial You in 28 Days! A 37-Day Plan" (Finanziere dich neu in 28 Tagen – Ein 37-Tage-Plan, s. http://www.smashwords.com/profile/view/foley), erschienen bei Gegensatz Press 2011" [ENDE]


Originalquelle/n:
counterpunch, 21.12.11
http://www.counterpunch.org/2011/12/21/what-if-occupiers-armed-themselves/

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en und Kommentar/e des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Unter http://brianjfoley.net/about/ gibt er Auskunft über sich selbst. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"




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Erfasst am 02.01.2012
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP25111_301211.pdf