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(Artikel * 2011) Melman, Yossi
Der Krieg gegen das iranische Atomprogramm hat bereits begonnen Mit Explosionen , tödlichen Computerviren und anderen " Unfällen " sabotieren westliche Geheimdienste , interne Oppositionsgruppen oder beide gemeinsam das Atomprogramm des Irans
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 230/11 * Seite 1 - 3
Themen: Atomtechnologie; Außenpolitik; Geheimdienst * Grossbritannien; Iran; Israel; USA * Atomwaffen; Low Intensity Warfare; Sabotage; Mossad; Atomprogramm; Urananreicherung; Central Intelligence Agency - CIA; Übersetzung : Jung, Wolfgang; MI6 - Military Intelligence , Section 6; bersetzung : Jung, Wolfgang * Dok-Nr: 236943
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"Der Krieg gegen das iranische Atomprogramm hat bereits begonnen

Mit Explosionen, tödlichen Computerviren und anderen "Unfällen" sabotieren westliche Geheimdienste, interne Oppositionsgruppen oder beide gemeinsam das Atomprogramm des Irans
Der Krieg ist bereits im Gange, auch wenn er noch nicht erklärt wurde und niemand es zugeben wird. Gemeint ist der insgeheim geführte Krieg gegen das iranische Atomprogramm. Er hat nicht erst in dieser Woche oder im letzten Monat begonnen. Obwohl nur selten schwache Signale (aus diesem Krieg) in die Öffentlichkeit dringen, wird er seit Jahren geführt. Im Juni 2010 berichtete die Presse, die Computeranlage der Urananreicherungszentrifugen bei Natanz sei mit einem Virus infiziert worden. Ein tödlicher Wurm, der als Stuxnet bekannt wurde, war in die von Siemens gelieferten Kontrollsysteme eingedrungen. Vor zwei Wochen hat eine riesige Explosion eine Militärbasis der Revolutionsgarde erschüttert, die 40 Kilometer westlich von Teheran liegt. Sie war sogar noch in der Hauptstadt zu hören. Mehrere Dutzend Menschen, darunter auch General Hassan Tehrani Moqaddam, der Chef der iranischen Raketenentwicklung, wurden dabei getötet. In dieser Woche gab es eine weitere starke Explosion in Isfahan, der drittgrößten Stadt des Irans, in deren Außenbezirken eine Fabrik für Uranumwandlung steht. Es ist noch nicht geklärt, was dabei zerstört wurde. Alle drei Vorfälle betrafen wichtige Komponenten des iranischen Atomprogramms: die Gewinnung von Uran aus Uranerz, die Anreicherung von Uran und das iranische Raketenprogramm. Zusammen mit weiteren Ereignissen – darunter die Ermordung mehrerer iranischer Atomwissenschaftler – haben diese Vorkommnisse das Ajatollah-Regime stark verunsichert und Wirkungen hervorgerufen, die von Verwirrung bis Wut reichen. Die öffentlichen Reaktionen (des Regimes) folgen einem immer gleichen Muster: Zuerst wird alles abgestritten, dann wird nach und nach zugegeben, dass doch "etwas passiert" sei, und zuletzt wird erklärt, es habe sich um einen "Unfall" gehandelt. Das zeigt, dass das Regime nicht genau weiß, wie es reagieren soll, und mit verschiedenen Stimmen spricht. Dieses Verhalten spiegelt auch die großen Meinungsverschiedenheiten unter den Führungskräften des Irans wider. Weil die Führung zerstritten ist, kommen aus verschiedenen Ministerien und miteinander konkurrieren Organisationen und Medien unterschiedliche Reaktionen. Die im Iran durchgeführten Sabotageakte wirken professionell, erfordern einen hohen finanziellen und technologischen Aufwand und sind nur mit exakten geheimdienstlichen Erkenntnissen und Agenten vor Ort auszuführen. Jemand muss zum Beispiel gewusst haben, dass sich General Moqaddam an diesem Tag in der Militärbasis aufhielt, um den Test eines anscheinend neuen Raketentriebwerks zu beaufsichtigen. Wer Computer infizieren will, muss Zugang zu ihnen haben: Eine Person musste den Virus mit Hilfe eines USB-Sticks in das Computersystem einschleusen. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass ausländische Geheimdienste die Sabotageakte initiieren, vorbereiten und durchführen. Die Iraner selbst und internationale Medien glauben, dass diese Anschläge das Werk des israelischen Mossad sind, der wahrscheinlich mit westlichen Geheimdiensten wie der CIA oder dem britischen MI6 zusammenarbeitet. Die Mossad-Aktion, mit der die Drahtzieher der Organisation "Schwarzer September" ermordet wurden, die hinter (der Geiselnahme steckten, die zu) dem Massaker bei den Olympischen Spielen in München 1972 führte, lief unter dem Codenamen "Zorn Gottes" ab. Als der frühere Mossad-Chef Meir Dagan in dieser Woche gefragt wurde, ob "Gott" auch an den genannten Operationen im Iran beteiligt war, antwortete er grinsend: "Ja." In einem ausführlichen Interview, das Dagan in dieser Woche (der israelischen Zeitung) Yedioth Ahronoth gab, trat er als glühender Befürworter verdeckter Operationen auf. Er glaubt, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis der Iran eine funktionsfähige Atomwaffe zusammenbauen kann. Diese Bewertung kann auf Erkenntnissen aus früheren verdeckten Operationen oder auf der Annahme Dagans beruhen, dass man durch künftige Aktionen den Iran daran hindern kann, schnelle Fortschritte zu machen. Ein höherer US-Offizieller wurde sogar noch deutlicher. Gary Samore, ein Sonderberater des Präsidenten Barack Obama und Koordinator für Rüstungskontrolle, Massenvernichtungswaffen, Nichtverbreitung von Kernwaffen und Terrorismus, sagte im Mai 2011: "Es freut mich zu hören, dass sie (die Iraner) Schwierigkeiten mit ihren (Anreicherungs-)Zentrifugen haben, und die USA und ihre Verbündeten tun alles, was sie können, um es noch schwieriger für sie zu machen." Brauchen wir noch deutlichere Hinweise darauf, dass Menschen hinter der "Hand Gottes "stecken? Selbst wenn der Mossad oder die CIA an diesen Vorkommnissen (im Iran) nicht beteiligt sein sollten, fördert die Spekulation darüber das Image der westlichen Geheimdienste, "allmächtig und allgegenwärtig" zu sein, und schürt die Angst der iranischen Führung. Das nennt man auch "psychologische Kriegsführung". Selbst bei allergrößtem Respekt vor den eindrucksvollen Fähigkeiten der westlichen Geheimdienste – auch hinsichtlich der sehr wahrscheinlichen beispiellosen Koordination (der Anschläge im Iran) – ist es unwahrscheinlich, dass man diese Operationen ohne interne Unterstützung von Personen oder Gruppen, die zur Sabotage gegen das Ajatollah-Regime bereit sind, so erfolgreich hätte durchführen können. Es sollte nicht vergessen werden, dass der Iran ein Mosaik aus ethnischen Minderheiten ist, die fast alle Gründe haben, das Regime zu hassen; einige haben sogar bewaffnete Milizen, die im Untergrund operieren. Die Annahme, dass es auch Helfer im Iran selbst geben muss, wird dadurch gestützt, dass es im letzten Jahr neben den Anschlägen auf Militärbasen auch Anschläge auf andere Ziele wie Anlagen zur Ölproduktion, Gasleitungen und Züge gab. Außerdem haben die "Pannen" und "Unfälle" in strategisch wichtigen Infrastruktureinrichtungen des Irans im vergangenen Jahre um mindestens 10 Prozent beträchtlich zugenommen. Einige wurden sicher durch mangelhafte Wartung verursacht, die teilweise auf die internationalen Sanktionen (ausbleibende Ersatzteillieferungen) zurückzuführen ist, aber das Ausmaß der Störfälle deutet darauf hin, dass auch die "Hand Gottes" daran beteiligt war. Wenn das der Fall ist, scheinen die internen iranischen Oppositionsgruppen, verglichen mit den im Exil lebenden, stärker und besser organisiert zu sein, als bisher angenommen wurde. Es ist fast sicher, dass die Geduld der in Teheran Herrschenden zu Ende geht. Das wurde in dieser Wochen auch bei der "Erstürmung der britischen Botschaft" durch "aufgebrachte Studenten" deutlich. Das war keine spontane Aktion: Das war eine Warnung eines Regimes, das erkannt hat, dass ihm Kräfte den Krieg erklärt haben, die keine Fingerabdrücke hinterlassen. Früher oder später wird das Ajatollah-Regime Gegenmaßnahmen ergreifen und mit seinen Geheimdiensten und Spezialkräften zurückschlagen. Wenn das geschieht, wird auch der Iran versuchen, seine Urheberschaft zu vertuschen. Aus der Vergangenheit wissen wir jedoch, dass der iranische Geheimdienst oft vergeblich versucht hat, Fingerabdrücke zu vermeiden." [ENDE]


Originalquelle/n:
HAARETZ.com, 02.12.11
http://www.haaretz.com/weekend/week-s-end/the-war-against-iran-s-nuclear-program-has-already-begun-1.399138

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en und Kommentar/e des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel, dessen Kernaussagen der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern schon vor einiger Zeit in einem Artikel bestätigt hat, der unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP06610_080310.pdf aufzurufen ist, komplett übersetzt und mit Ergänzungen in Klammern und Hervorhebungen versehen. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"




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Erfasst am 08.12.2011
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP23011_071211.pdf