Volltext

(Artikel * 2011) Richter, Paul; Cloud, David S.
Politischer Drahtseilakt der USA bei der Unterdrückung der Gewalt in Bahrain
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 034/11 * Seite 1 - 3
Themen: Außenpolitik; Demokratie; Erdöl; Militär/Militarismus * Bahrain; Golfregion; Saudi-Arabien; USA * Monarchie; Demokratiebewegung; Proteste; US-Militärbasis; Übersetzung : Jung, Wolfgang; Hamad bin Isa al-Khalifa * Dok-Nr: 225545
Standorte:

"Politischer Drahtseilakt der USA bei der Unterdrückung der Gewalt in Bahrain

Ein Ausbruch tödlicher Gewalt gegen Demonstranten in Bahrain (s. http://de.wikipedia. org/wiki/Bahrain) hat die Obama-Regierung erneut in die peinliche Situation gebracht, einen geschätzten Verbündeten gegen die wachsende Opposition seiner Untertanen in Schutz nehmen zu müssen. Bahrain, eine winzige Monarchie im Persischen Golf, ist die Heimat der 5. Flotte der US-Navy, und der Sturz seiner Regierung könnte die strategische Ordnung im Mittleren Osten durcheinander bringen, den Einfluss der USA schwächen und die Position des Irans stärken. Wegen der wichtigen Rolle des Königreichs haben Außenministerin Hillary Rodham Clinton, Verteidigungsminister Robert M. Gates und andere US-Offizielle am Donnerstag die Behörden Bahrains aufgefordert, die Gewalt (gegen die Demonstranten) zu stoppen und schnell politische Reformen einzuleiten, um die Protestierenden zufriedenzustellen. Das Hauptquartier der 5. Flotte, das unter dem Befehl des Vizeadmirals Mark I. Fox steht, kontrolliert alle Schiffe und Flugzeuge der US-Navy im Persischen Golf und im Indischen Ozean. In den meisten Monaten des Jahres halten sich Dutzende USKriegsschiffe in dieser Region auf. Die 5. US-Flotte hat vor allem die Aufgabe, im Falle einer militärischen Krise mit dem Iran den Ölfluss zu sichern und die Straße von Hormuz, das 29 Meilen (an der schmalsten Stelle sogar nur knapp 40 km) breite Nadelöhr am Eingang des Persischen Golfs, offen zu halten, durch das mehr als 20 Prozent der Erdöltransporte der Welt abgewickelt werden. "Die Bedeutung der 5. Flotte kann nicht oft genug betont werden," sagte Mark Kimmitt, der ehemalige stellvertretende Strategie-Direktor im U.S. Central Command (CENTCOM, s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP27209_071209.pdf), der auch schon höhere Positionen im US-Außenministerium und im Pentagon bekleidet hat. "Sie hat die Aufgabe, den Persischen Golf offen zu halten, Terroristen und Piraten zu bekämpfen und auf Krisen in den Bereichen Umwelt, Sicherheit und Humanitäres zu reagieren." "Weltweit gibt es nur wenige Kommandos, die sich täglich mit so vielen Herausforderungen konfrontiert sehen und eine so große Verantwortung tragen wie die 5. US-Flotte." Die Obama-Regierung hat nur die Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte Bahreins kritisiert, die mindestens fünf Menschen getötet haben, ist aber nicht so weit gegangen, auch die Regierung zu verurteilen. Die USA scheinen genau so zu taktieren wie zu Beginn der Krise in Ägypten, um der Regierung Bahreins Zeit für eine Lösung des Problems zu lassen. Frau Clinton äußerte in einem Telefongespräch mit Scheich Khalid bin Ahmed al-Khalifa, dem Außenminister Bahrains, ihr "tiefes Bedauern" über das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte am Donnerstag und warnte vor weiterer Gewalt bei den "Gebeten und Begräbnissen" am Freitag. Die US-Botschaft an Bahrein unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von der Botschaft an Ägypten: Während sich Kairo seit Jahrzehnten gegen Reformen sträubte, hat Frau Clinton Bahrain als "Freund und Verbündeten" gelobt, der bereits Schritte zu Umbildung seiner Regierung eingeleitet habe. Sie drängte Bahrain, "zu dem Reformprozess zurückzukehren, der zu wirklichen Veränderungen zum Nutzen der Menschen führen müsse". Bei einem Besuch in Bahrain im Dezember hatte Frau Clinton König Hamad bin Isa al-Khalifa noch gelobt und erklärt, sie sei "von dem Engagement beeindruckt, mit dem die Regierung den Weg zur Demokratie in Bahrain beschreite". Die USA wissen, dass ihr Umgang mit Bahrain von ihren anderen Verbündeten im Mittleren Osten genau beobachtet wird; weil diese miterlebt haben, wie wegen des Volksaufstandes das 30-jährige Regime des bisherigen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am letzten Freitag mit dessen Rücktritt endete, fragen sie sich natürlich, ob die Vereinigten Staaten sie auch im Stich ließen, wenn sie mit ähnlichen Unruhen konfrontiert wären. Einige Analytiker sagen voraus, dass Saudi-Arabien, das befürchtet, der Iran könnte einen neuen Verbündeten gewinnen, wenn es der schiitischen Mehrheit der Bevölkerung Bahrains gelänge, die sunnitische Monarchie zu stürzen, seine Panzer über die 16 Meilen (25,6 km) lange Brücke nach Bahrain rollen ließe, wenn dessen Regierung zu stürzen droht. Für die Saudis gehöre Bahrain zu "ihrem Einflussbereich", äußerte David Schenker, ein ehemaliger Angestellter des Pentagons, der jetzt am Washington Institute for Near East Policy (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Institute_for_Near_East_Policy) arbeitet. US-Offizielle lehnten es ab, Details ihrer Gespräche mit den Saudis über Bahrain mitzuteilen. Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte, durch die Proteste (in Bahrain) sehe sich das US-Militär veranlasst, Pläne für den Fall zu entwickeln, dass die USA gebeten werden, Bahrain zu verlassen. Pentagon-Mitarbeiter betonten, die USKriegsschiffe könnten mehrere andere Häfen im Persischen Golf nutzen, darunter auch Jebel Ali in Dubai. Ein anderer höherer Offizier ergänzte: "So weit sind wir aber noch nicht. Es gibt bisher keine Anzeichen dafür, dass sich die Demonstrationen gegen die Amerikaner oder gegen die Interessen der USA richten." ' [ENDE]


Originalquelle/n:
LOS ANGELES TIMES, 17.02.11
http://www.latimes.com/news/politics/la-fg-us-bahrain-20110218,0,4209240.story

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

--
Anmerkung/en des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Nach unserem Kommentar drucken wir den Originaltext ab.)
Unser Kommentar
Auf der Website des US-Außenministeriums ist über die Beziehungen der USA zu Bahrain u. a. zu lesen (s. http://www.state.gov/r/pa/ei/bgn/26414.htm): "Bahrain und die USA haben im Oktober 1991 ein Verteidigungsabkommen unterzeichnet, das den US-Streitkräften den Zugang zu Einrichtungen in Bahrain gestattet und ihnen das Recht einräumt, Material für künftige Krisen einzulagern. Bahrain beherbergt des Hauptquartier der 5. Flotte der US-Navy. Die USA haben Bahrain im Oktober 2001 zu einem ihrer wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO erklärt. Bahrain und die USA haben 2004 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet." Da Bahrain vor dem Westufer des Persischen Golfs und dem Iran direkt gegenüber liegt, wäre es natürlich bei einem US-Angriff auf den Iran – mit oder ohne Unterstützung anderer Verbündeter der USA – von zentraler Bedeutung. Deshalb werden die USA mit allen Mitteln zu verhindern versuchen, dass mit dem Iran sympathisierende Schiiten dort die Macht übernehmen. Dabei wäre es sicher am elegantesten, wenn die Armee Saudi-Arabiens – wie in dem Artikel angedeutet – die "Befriedung" der vor den saudischen Ölfeldern liegenden Insel übernähme. Dann bräuchten sich die USA selbst nicht die Hände schmutzig zu machen und hätten Saudi-Arabien im Kampf gegen "aufmüpfige" andere arabische Staaten und den Iran an ihrer Seite – zumindest so lange, bis es auch im größten arabischen Königreich zu einem Volksaufstand kommt."




[HINWEIS: Alle Text werden als Fliess- bzw. Plain-Text erfasst; Schriftarten/-typen und eingebettete Bilder, Grafiken usw. werden dabei gar nicht, Zeilenwechsel nur in Ausnahmefällen berücksichtigt. Bitte greifen Sie im Zweifelsfalle auf den Original-"Luftpost"-Artikel zurück, dessen Quelle weiter unten genannt wird; danke.]

--
Erfasst am 22.02.2011
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP03411_220211.pdf