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(Artikel * 2010) Robson, Seth; Jontz, Sandra
Jetzt sollen doch vier Kampfbrigaden in Europa bleiben
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 044/10 * Seite 1 - 4
Themen: Militär/Militarismus; NATO; Rüstung/Waffen * Ägypten; Afghanistan; BRD; Bulgarien; Europa; Israel; Italien; Rumänien; USA * US-Militärbasen; Mittelmeer; US-Militärstrategie; US-Militärpräsenz; United States European Command - EUCOM; USAREUR - US Army , Europe & Seventh Army; US-Raketenabwehrsystem * Dok-Nr: 224584
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"Jetzt sollen doch vier Kampfbrigaden in Europa bleiben

GRAFENWÖHR, Deutschland – Das Department of Defense / DOD (das US-Verteidigungsministerium) ist einer Empfehlung des Oberkommandierenden der U.S. Army Europe / USAREUR gefolgt und will vier Brigade Combat Teams / BCTs (Kampfteams in Brigadestärke) in Europa belassen. In dem am Montag veröffentlichten Report zum Quadrennial Defense Review / QDR (zum Vierjahresbericht zur Verteidigung) des DOD (s. http://www.defense.gov/QDR/QDR%20as of 29JAN10 1600.pdf) wird festgestellt, dass "die Vereinigten Staaten vier BCTs und ein vorgeschobenes Hauptquartier eines Army Corps auf dem (europäischen) Kontinent behalten wollen. (s. S. 65 des Reports) Das DOD macht den Verbleib von vier Brigaden von der Überprüfung des strategischen Konzepts der NATO und einer parallel dazu durchgeführten Bewertung des europäischen Verteidigungsnetzes der US-Streitkräfte abhängig. Der NATO-Sprecher Robert Pszczel sagte am Dienstag, das strategische Konzept, das im November auf dem NATO-Gipfel in Portugal beschlossen werden soll, beschreibe die Sicherheitssituation und lege die Hauptaufgaben der Allianz für die kommenden Jahre fest. Zwei der vier derzeit in Europa stationierten BCTs – die 170th Infantry Brigade in Baumholder und die 172nd Infantry Brigade in Grafenwöhr, beide in Deutschland – sollten eigentlich 2012 in die USA zurückkehren. Aber General Carter Ham, der USAREUR-Kommandeur, hat im letzten Jahr dem U.S. European Command / EUCOM (in Stuttgart) empfohlen, diese beiden BCTs auf Dauer (indefinitely!) in Deutschland verbleiben zu lassen. (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP05009_280209.pdf ; Infos zur Kommandostruktur der US-Streitkräfte in Europa sind aufzurufen unter http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_09/LP27209_071209.pdf .) "Die beiden Hauptgründe für meinen Vorschlag (die zwei Brigaden in Europa zu behalten) sind die Truppenanforderungen (für die Kriege im Irak und in Afghanistan), die das U.S. Central Command / CENTCOM ständig an uns richtet, und die Bewahrung unserer Fähigkeit, Kontakte zu unseren europäischen Verbündeten halten und mit ihnen gemeinsame Übungen durchführen zu können," erklärte Ham im Februar 2009. Die US-Einheiten in Europa führen regelmäßig gemeinsame Übungen mit Einheiten der europäischen Verbündeten durch, die im Rahmen der ISAF häufig an der Seite von US-Truppen in Afghanistan eingesetzt werden. Das Pentagon gibt gerade mehr als 100 Millionen Dollar für den Bau neuer US-Militärbasen in Bulgarien und Rumänien aus; dort haben im Sommer letzten Jahres bereits mehr als 2.000 US-Soldaten trainiert, darunter zwei Squadrons (Schwadronen) des 2nd Stryker Cavalry Regiment (das im bayrischen Vilseck stationiert ist). Das Verteidigungsministerium betont im QDR, dass "die starke US-Militärpräsenz in Europa dazu dient, die politische Einschüchterung von Verbündeten und Partnern zu verhindern". (s. S. 65) Diese Präsenz soll auch die Stabilität in der Ägäis, auf dem Balkan, am Kaukasus und in den Gebieten am Schwarzen Meere sichern und die Verbundenheit der USA mit den NATO-Partnern demonstrieren. USAREUR-Sprecher Bruce Anderson äußerte am Donnertag in einer Stellungnahme, der QDR bestätige, dass eine starke transatlantische Partnerschaft und bilaterale Beziehungen zu europäischen Regierungen von zentraler Bedeutung für die Sicherheit der USA seien. Zusätzlich zu ihrer Zusammenarbeit mit ihren europäischen Partnereinheiten wurden die in Europa stationierten Brigaden der Army in den letzten Jahren auch wiederholt im Irak und in Afghanistan eingesetzt. Das Kampfteam der Luftlande-Brigade aus Vicenza in Italien wurde erst kürzlich nach Afghanistan geschickt, und das in Vilseck in Deutschland stationierte 2nd Stryker Cavalry Regiment wird im kommenden Sommer dorthin verlegt. Im QDR wird auch der Aufbau eines revidierten US-Raketenabwehrsystems in Europa und eine erhöhte Präsenz der US-Navy in Europa angekündigt. Die Verstärkung der Navy in Europa hat bereits begonnen. Anfang Januar hat die Navy die "USS Ramage" – einen Zerstörer mit ferngelenkten Raketen – für sechs Monate ins Mittelmeer entsandt, als Teil eines im Aufbau befindlichen US-Raketenabwehrsystems für diese Region. Außerdem stellen die USA acht Patriot-Raketenbatterien in arabischen Staaten auf und lassen einen Aegis-Raketenkreuzer im Persischen Golf patrouillieren; das hat General David Petraeus, der Chef des CENTCOM, am
22. Januar im Institute for the Study of War mitgeteilt. (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP03610_050210.pdf) Die wichtigen US-Verbündeten Qatar, Bahrain Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate sind die vier Staaten, die nach einer Meldung der WASHINGTON POST die Abwehrraketen erhalten sollen. Die Positionierung eines Schiffs im Mittelmeer sei "neu für die Navy", sagte John Pike, der Direktor von GlobalSecurity.org. (s. http://www.globalsecurity.org/ ; das kann sich nur auf diesen speziellen Schiffstyp beziehen, denn die US-Navy ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ständig im Mittelmeer präsent, s. http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Naval_ Forces_Europe ) Die verstärkte Anwesenheit von Raketenabwehr-Schiffen in Europa, die im QDR angekündigt wird, ist für das US-Militär vorteilhafter, als die Stationierung landgestützter Systeme. Schiffe könnten je nach Bedrohungslage viel flexibler positioniert werden, führte Pike aus. Außerdem könne man so diplomatische Streitereien mit Staaten aus dem Weg gehen, auf deren Gebiet Patriot-Raketen stationiert werden sollten. Mit einer seegestützten ballistischen US-Raketenabwehr in Europa könne man nicht nur Israel, sondern auch das verbündete Ägypten schützen, meinte Pike." [ENDE]


Originalquelle/n:
STARS AND STRIPES, 03.02.10
http://www.stripes.com/article.asp?section=104&article=67742

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Anmerkungen und Links in Klammern versehen. Nach unserem Kommentar drucken wir den Originaltext ab.)
Unser Kommentar
Nach den bisherigen Transformationsplänen der US-Army waren für Europa nur drei Kampfbrigaden vorgesehen. Das 173rd Airborne Brigade Combat Team (die 173. LuftlandeKampfbrigade) in Vicenza, Italien, die 12th Combat Aviation Brigade (die 12. HeeresfliegerKampfbrigade) in Ansbach und eine Stryker Brigade in Grafenwöhr, die sich aus der mittlerweile von Schweinfurt nach Grafenwöhr verlegten 172nd Infantry Brigade und dem 2nd Stryker Cavalry Regiment (einem schnellen Eingreifregiment) in Vilseck zusammensetzt. (s. Grafik) Jetzt soll zusätzlich die 170th Infantry Brigade in Baumholder, die bereits im Juli 2009 aus der 2nd Brigade der 1st Armored Division. (der 1. Panzerdivision) gebildet wurde (s. http://en.wikipedia.org/wiki/170th_Infantry_Brigade_%28United_States%29), "indefinitely", also auf unbestimmte Zeit in Europa stationiert bleiben. Das ist auch dem rheinlandpfälzischen Innenminister und US-Ehrenoberst Karl Peter Bruch zu verdanken, der zweimal jährlich in Washington auf den Knien liegt und mit lukrativen Angeboten das Pentagon anfleht, ja keinen einzigen US-Soldaten aus der Eifel, dem Hunsrück oder der Westpfalz abzuziehen (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP19507_180907.pdf , http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP08208_110508.pdf und http://www.luftpostkl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP14309_040709.pdf). Er sollte sich aber nicht zu früh freuen, denn der Verbleib dieser Brigade in Europa muss nicht bedeuten, dass sie auch in Zukunft in Baumholder stationiert sein wird. Der Ausbau der US-Militärbasen in Rumänien und Bulgarien könnte perspektivisch eine dauerhaften Verlagerung ganzer US-Einheiten nach Osteuropa zur Folge haben. Ob nach dem geplanten Umzug des Hauptquartiers der U.S. Army Europe /USAREUR von Heidelberg nach Wiesbaden/Erbenheim (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/ LP_09/LP23609_281009.pdf das Hauptquartier eines Army Corps in Heidelberg bleibt, geht aus dem QDR nicht hervor. Es fällt auf, dass bei der Aufzählung der Seegebiete, in denen Schiffe der seegestützten Raketenabwehr positioniert werden sollen, die Ostsee nicht erwähnt wird. Dabei steht doch schon fest, dass nach dem Verzicht auf die stationären landgestützten Abwehrraketen in Polen Aegis-Kreuzer in das baltische Meer verlegt werden sollen (s. http://www.luftpostkl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP18609_310809.pdf). Die USA sind offensichtlich nicht an einer dauerhaften Entspannung in Europa interessiert und bereiten sich nach dem Kalten Krieg gegen die Sowjetunion auf eine Konfrontation mit Russland vor, in die sich unsere CDU/CSU/FDP-Regierung unter Missachtung überlebenswichtiger deutscher Interessen widerstandslos hineinziehen lässt. Ansonsten wird auch in diesem Artikel wieder die verfassungswidrige Beteiligung in der Bundesrepublik stationierter US-Einheiten an den völkerrechtswidrigen US-Angriffskriegen im Mittleren Osten bestätigt."




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Erfasst am 31.01.2011
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP04410_120210.pdf