Volltext

(Graue Literatur * 2010) Saworski, Nele (Übersetzung); Hagen, Erik
Norwegen: Ethisches Investment schließt Geschäfte in der Westsahara aus
* WSRW-Germany c/o Kritische Ökologie * Berlin/Göttingen * Seite 1 - 3
Themen: Agrarpolitik; Rohstoff * Marokko; Norwegen; Westsahara * Düngemittel; ethisches Investment * Dok-Nr: 221092
Standorte: IfaK Göttingen (S 75.04)

WSRW | Norwatch: Throws Out Western Sahara Companies
www.wsrw.org
Deutsch von Nele Saworski i.A. WSRW-Germany c/o Kritische
Ökologie
/ifak e.V. Göttingen, 2010


Norwegen: Ethisches Investment schließt Geschäfte in der Westsahara aus

Von Erik Hagen

Der norwegische Investor KLP hat zwei weitere Düngermittelhersteller, die
Phosphat aus der besetzten Westsahara kaufen, auf die schwarze Liste
gesetzt. Zwei weitere Firmen wurde die Unterstützung auf Grund ihrer
Verbindung zur Nuklearwaffenproduktion entzogen.

Die Kommunal -Landpensionskasse (KLP) verabschiedet sich von zwei weiteren
Düngemittelherstellern, die ihre Rohstoffe aus der besetzen Westsahara beziehen.
Am 1. Juni 2010 gab die KLP bekannt, dass sie zwei weitere Firmen aus ihrem
Investmentfonds gestrichen habe, der amerikanisch – kanadischen PCS und der
amerikanisch-spanischen FMC Corporation. Letztes Jahr enthüllte Norwatch, dass
beide Firmen im staatlichen Pensionsfonds Norwegens -Global stark vertreten sind.

„Der Bezug von natürlichen Rohstoffen aus besetzten Gebieten und insbesondere
der Westsahara ist seit 2002 offiziell verboten“, erklärte Jeanett Bergan, Managerin
für ethisches Investment in der KLP.

Der Investor KLP, der die Pensionen für 333 norwegische Kommunen und für 35
staatliche Betriebe sowie 2300 Firmen zahlt, hat damit zum vierten Mal eine
international agierende Firma von seiner Liste gestrichen, weil sie Phosphat aus dem
besetzten Gebiet importiert.

Die Phosphat -Vorkommen in der Westsahara sollen ein wesentlicher Grund für die
Besetzung im Jahre 1975 gewesen sein und haben Marokko inzwischen Profite in


Millionenhöhe eingebracht. Die Saharauis sind in diesen Handel nicht eingebunden.
Er verstößt damit gegen die Menschenrechte wie die UN im Jahr 2002 klarstellte.

Etwa 16 Firmen haben in den letzten Jahren Phosphat aus der Westsahara
importiert. Davon scheinen 12 über umfangreiche und längerfristige Liefervereinbarungen
mit der marokkanischen staatlichen Phosphat -Firma in der
Westsahara, OCP, zu verfügen. Keine der Firmen hat dazu mit Saharauis jemals
konsultiert.

Seit mehreren Jahrzenten aktiv

Die KLP hat nun zwei der stark involvierten Firmen die Kooperation aufgekündigt.

Die Firma die schon am längsten in das Phosphatgeschäft verwickelt ist, ist die FMC
Corporation in Huelva/Südspanien. Schon 1975, als die Westsahara noch eine
spanische Kolonie war, kaufte FMC Phosphat aus der Region. Nachdem Marokko
den Phosphatabbau in der Westsahara unter seine Kontrolle brachte, behielt die
Firma ihre Aktivitäten bei und verfolgt sie auch weiterhin. Heute gehört die Firma der
großen amerikanischen FMC Corporation.

Das obige Foto zeigt eine Demonstration vor der FMC Anlage in Huelva im Jahre
2008. FMC gehören auch Teile der venezuelanischen Firma Tripoliven, die ebenfalls
zu den großen internationalen Phosphat-Importeuren gehört.

Die andere Firma, die die KLP nun auf die schwarze Liste gesetzt hat, ist die
amerikanisch-kanadische Potash Corporation Saskatchewan (PSC). PSC importiert
seit mindestens 1987 und ist weltweit der größte Importeur von Rohstoffen aus der
Westsahara.

Die PCS liefert Düngemittel für den amerikanischen Markt und verarbeitet das
Phosphat aus der Westsahara in ihren Anlagen in Louisiana.

Die KLP hat zuvor bereits die Wirtschaftsbeziehungen zu zwei australischen
Düngemittelherstellern, Incitec Pivot und Wesfarmers, wegen ähnlicher Importe
eingestellt. Beide Firmen haben jahrelang Rohstoffe aus der Westsahara importiert.
Incitec Pivot seit mindestens 1993 und Wesfarmers seit 1990. Andere
skandinavische Investoren haben sich nun ebenfalls aus diesen
Wirtschaftsbeziehungen zurückgezogen.

Der staatlichen Pensionsfonds Norwegens bleibt weiterhin beteiligt

Eine Studie, die Norwatch letztes Jahr durchführte, ergab, dass die gleichen Firmen
weiterhin stark im Fonds vertreten sind. Der Pensionsfonds hat in acht der
Importfirmen investiert, die hinter zwei Dritteln aller Phosphat-Käufe aus der
besetzen Region stehen.

Bislang hat das Finanzministerium keine Erklärung bezüglich einer Entscheidung
zum Stopp der Subventionen abgegeben.


Schätzungen von Norwatch zufolge haben Firmen, deren Anteile vom Pensionsfonds
gehalten werden, allein im Jahre 2007 Roh-Phosphat im Wert von mindestens 4. 5
Milliarden norwegischen Kronen (etwa 700 Millionen US-Dollar) gekauft. Dieses
Geld geht mehr oder weniger direkt an die marokkanische Regierung.

Der Pensionsfonds hat immer noch nicht angekündigt, die Beziehungen zu diesen
Firmen zu beenden; und das, obwohl die Firmen über langfristige Kaufverträge mit
Marokko verfügen: Im Gegenteil, 2009 hat sich der Pensionsfonds weiter in die
Industriezweig eingekauft.

2005 verkaufte der Pensionsfonds eine amerikanische Ölfirma, weil sie
beabsichtigte in Zukunft Öl aus der Westsahara zu beziehen. Diese Aktivität wurde
damals als „besonders schwerwiegende Verletzung der ethischen Richtlinien
angesehen, da es Marokkos Anspruch auf die Westsahara bestärken und den UN-
Friedensprozess unterminieren könne.“

2008 enthüllte Norwatch, dass die norwegische Düngemittelgesellschaft Yara eine
Fracht Phosphat aus der Westsahara im Wert von etwa 40 Millionen Kronen (6,1
Millionen US-Dollar) importiert hatte; und dies unter Missachtung der Richtlinien des
Außenministeriums. Anders als die Firmen, denen die KLP nun die Unterstützung
entzogen hat, behauptete Yara damals, der Import sei ein Einzelfall gewesen.

Die UN legte in ihrer Rechtsbewertung von 2002 legte, dass, solange die Saharauis
nicht in Entscheidungen einbezogen werden und auch nicht vom Handel mit den
natürlichen Rohstoffen ihres Landes profitieren, ein solcher Handel gegen
internationales Recht verstößt.

Waffenfirmen werden ausgeschlossen

Außer den beiden Düngemittelherstellern hat die KLP zwei weiteren Firmen die
Zusammenarbeit aufgekündigt, der Jacob Engineering Group und Mc Dermott
International.

Die Jacobs Engineering Group wurde aus dem Wertpapierbestand gestrichen, weil
sie in Verbindung mit der Produktion von Atomwaffen steht. Ihr Joint Venture
Unternehmen Atomic Weapons Establishment ist in Produktion und Wartung der
Atomsprengköpfe für das Trident II – Raketensystem involviert, das Teil des
britischen Atomwaffenarsenals ist.

Mc Dermott International wird ebenfalls mit der Entwicklung und Wartung im
Zusammenhang mit Nuklearwaffen in Verbindung gebracht. Die Tochterfirma
Babcock & Wilcox betreibt zwei Atomwaffenfabriken im Auftrag amerikanischer
Behörden, den Y -12 Security Complex und Pantaex.