Volltext

(Artikel * 2010)
US-Amerikaner unterstützen den Widerstand der Deutschen gegen die Truppenverstärkung in Afghanistan
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 056/10 * Seite 1 - 2
Themen: Internationale Solidarität; Krieg; Soziale Bewegung; Widerstand * Afghanistan; BRD; USA * US-Friedensbewegung; Berlin 20. Februar 2010; Grußadresse; Übersetzung : Pumphrey, Doris * Dok-Nr: 220818
Standorte:

"US-Amerikaner unterstützen den Widerstand der Deutschen gegen die Truppenverstärkung in Afghanistan

18.02.10

Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland,

Wir übermitteln Euch solidarische Grüße von Millionen US-Amerikanern. Wir sind solidarisch mit Eurer Demonstration am 20. Februar in Berlin gegen die wachsende deutsche Beteiligung an der Eskalation des Krieges und der Gewalt in Afghanistan. Der Einsatz von immer mehr Soldaten ist kein Mittel um den Krieg zu beenden. Wir hoffen, dass Ihr Abgeordnete für den Bundestag gewählt habt, die dem Ruf Präsident Obamas den Krieg zu eskalieren NICHT folgen werden, sondern endlich den Wunsch der Mehrheit der deutschen Bevölkerung respektieren, die deutschen Soldaten abzuziehen. Wir hoffen, dass die Abgeordneten nicht nur die Aufstockung der Truppen verweigern werden, sondern auch Pläne machen, um die deutsche Beteiligung am Krieg und an der Besetzung Afghanistans zu beenden. Seit 2001 haben die Truppen der USA und der NATO in Afghanistan Tausende von Zivilisten getötet und Zehntausende verwundet, einschließlich vieler Kinder. Die USA tragen die Verantwortung, aber deutsche Truppen sind an diesem Töten und Verwunden von Zivilisten beteiligt, wie das Massaker in Kunduz zeigt, bei dem mindestens 83 Zivilisten starben. Solange deutsche Soldaten in Afghanistan bleiben, ist Deutschland mitverantwortlich für diese Verbrechen. Die Truppen der USA und der NATO kooperieren mit korrupten Beamten und die Anwesenheit von Besatzungstruppen wird die Gewalt nur fortsetzen und jeden wirklichen Versuch des zivilen Wiederaufbaus verhindern. Nach fast neun Jahren Krieg und mit den nun mehr als 100.000 ausländischen Soldaten in Afghanistan, fehlt es der afghanischen Bevölkerung immer noch an allem: an Arbeitsplätzen, Lebensmitteln, Elektrizität, medizinischer Versorgung und Schulen. Nach dem Index für die menschliche Entwicklung, den die UNO für 182 Länder erstellt hat, steht Afghanistan auf Platz 181. Seit der US-Invasion ist die Lebenserwartung der Afghanen gesunken und beträgt heute nur noch 43 Jahre. 40 Prozent der Bevölkerung ist arbeitslos und lebt mit weniger als einem Dollar pro Tag. Der Wiederaufbau Afghanistans geht nur unter einer Bedingung: Abzug der ausländischen Truppen. Die aggressive Politik der USA und der NATO fügt den Afghanen natürlich bei weitem das größte Leid zu. Aber Leid herrscht auch unter der Bevölkerung in den Ländern, die am Krieg beteiligt sind: durch den Tod und die körperlichen und seelischen Verwundungen ihrer Soldaten, durch die enormen Kriegskosten in Zeiten der Finanzkrise und der großen Arbeitslosigkeit. Und durch den Verfall des öffentlichen Diskurses und den Abbau der Demokratie, weil die Regierenden versuchen mit Lügen die Kriegsverbrechen zu vertuschen, in die sie uns hineinziehen, unsere Brüder, Schwestern, Väter, Mütter, Söhne und Töchter. Nachdem Präsident Obama am 1. Dezember ankündigt hatte, dass er weitere 30.000 US-Soldaten und weitere 10.000 Soldaten aus Europa nach Afghanistan schicken möchte, ergab eine Meinungsumfrage (AP-GfK), dass 56 Prozent der US Bevölkerung diese Eskalierung ablehnen. So wie Ihr von Euren Abgeordneten fordert, dass sie Euch zuhören und die deutschen Soldaten abziehen, so fordern wir unsere Kongressabgeordneten auf, uns zuzuhören und alle unsere Truppen nach Hause zu bringen!

Wir in den USA danken Euch in Deutschland und in ganz Europa für Euren Widerstand gegen die Eskalierung des Krieges in Afghanistan. Wir, die Bürgerinnen und Bürger all jener Länder, die am Krieg und an der Besatzung in Afghanistan beteiligt sind, müssen die Regierungen dazu bringen, dass sie unseren demokratischen Willen respektieren. Give Peace a Chance – Truppen raus aus Afghanistan Sofort!

Unterzeichnende Organisationen:

After Downing Street
http://www.afterdowningstreet.org/

Grandmothers Against the War
http://www.grandmothersforpeace.org/gatw

CODEPINK
http://www.codepink4peace.org/

Progressive Democrats of America
http://www.pdamerica.org/

United for Peace & Justice (UFPJ)
http://www.unitedforpeace.org/

Veterans For Peace
http://www.veteransforpeace.org/

(Deutsche Übersetzung: Doris Pumphrey)" [ENDE]


Originalquelle/n:
[siehe unten]

Übersetzung:
Pumphrey, Doris

--
Anmerkung/en des "Luftpost"-Herausgebers:
"Die Grußadresse hat uns Frau Elsa Rassbach von American Voices Abroad / AVA übermittelt. Nach Cynthia McKinneys Rede in München (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP04810_160210.pdf) ist sie eine weiterer Beleg dafür, dass es möglich ist, der transatlantischen Allianz der Kriegstreiber eine transatlantische Allianz der Friedensfreunde entgegenzustellen. Da dieses wichtige Dokument in bisherigen Berichten über die Berliner Demo nicht erwähnt wurde, möchten wir es wenigstens unseren Lesern zugänglich machen. Anschließend drucken wir den Originaltext der Grußadresse ab."






[HINWEIS: Alle Text werden als Fliess- bzw. Plain-Text erfasst; Schriftarten/-typen und eingebettete Bilder, Grafiken usw. werden dabei gar nicht, Zeilenwechsel nur in Ausnahmefällen berücksichtigt. Bitte greifen Sie im Zweifelsfalle auf den Original-"Luftpost"-Artikel zurück, dessen Quelle weiter unten genannt wird; danke.]

--
Erfasst am 18.10.2010
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP05610_240210.pdf