Volltext

(Artikel * 2010) Svan, Jennifer
Die US-Air Force verstärkt die Ausbildung von Luftangriffs-Einweisern für ihre Verbündeten
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 200/10 * Seite 1 - 4
Themen: Ausbildung; Krieg; Militär/Militarismus; NATO * Afghanistan; Belgien; BRD; Estland; Kroatien; Lettland; Norwegen; Polen; Rumänien; Slowenien; USA * US-Militärbasis; Kaiserslautern; Übersetzung : Jung, Wolfgang; Warrior Preparation Center * Dok-Nr: 220743
Standorte:

"Die US-Air Force verstärkt die Ausbildung von Luftangriffs-Einweisern für ihre Verbündeten

KAISERSLAUTERN, Deutschland – Weil ein gravierender Mangel an Joint Terminal Attack Controllers / JTACs (s. http://en.wikipedia.org/wiki/Joint_terminal_attack_controller) besteht, bildet die US-Air Force jetzt auch vermehrt solche Spezialisten für verbündete Staaten aus; viele dieser JTACs aus anderen Ländern könnten nach Afghanistan entsandt werden, um dort NATO-Luftangriffe anzufordern. Die JTACs sind Soldaten der Luftwaffe, die gelernt haben Luftangriffe auf feindliche Ziele zu lenken (s. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Forward_Air_Controller). Ein JTAC ist normalerweise einer am Boden operierenden Einheit zugeteilt und soll, falls diese Einheit angegriffen wird, (ein Flugzeug zur Luftnahunterstützung anfordern,) den Piloten zum Ziel dirigieren und dafür sorgen, dass der die richtige Bombe abwirft. Die JTACs haben den Auftrag, die Anzahl der bei Luftangriffen in Afghanistan getöteter Zivilisten möglichst gering zu halten, weil das nach Meinung der militärischen Führung ein Schlüssel für die Herbeiführung einer Wende in diesem Krieg ist. "Wenn das falsche Haus, das falsche Ziel oder der falsche Feind bombardiert wird, ist der JTAC und nicht der Pilot dafür verantwortlich," sagte Daniel Marin, 29, ein Oberleutnant der rumänischen Armee. Neben 28 NATO-Mitgliedern stellen auch 14 nicht der NATO angehörende Staaten Truppen für den Krieg in Afghanistan. Viele dieser Länder haben bisher noch nie JTACs eingesetzt. Die Sorge der USA, dass sich die Tötung afghanischer Zivilisten bei Luftangriffen oder anderen Arten der Gewaltanwendung sehr negativ auswirkt, ist nach einer Studie der New America Foundation in Washington, die am 3. August veröffentlicht wurde, durchaus berechtigt. Man fand heraus dass "ein typisches Ereignis, das zwei zivile afghanische Opfer fordert, in der betroffenen Region in der Regel sechs Vergeltungsangriffe der Taliban oder andere Militanter nach sich zieht", war einem Bericht die LOS ANGELES TIMES zu entnehmen. (Infos zur New Ameria Foundation sind aufzurufen unter http://en.wikipedia.org/wiki/New_America_Foundation .) Im letzten Jahr hat General David Petraeus, der damals noch Chef des U. S. Central Command / CENTCOM war, nach Aussage militärischer Offizieller in einem Memorandum an die Stabschefs der Army und der Air Force auf den vorhandenen Bedarf an zusätzlichen JTACs hingewiesen. Es bestehe eine "große Knappheit" an JTACs, die eigentlich jedem Zug der Sicherheitskräfte oder jedem Team der Spezialkräfte zugeteilt werden müssten, sagte Petraeus. (Infos zum CENTCOM s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP27209_071209.pdf) Diese Knappheit bestätigt auch die Army, die gern einen JTAC für jede Kompanie hätte – eine Einheit, die aus 75 bis 200 Soldaten besteht. "Ein JTAC pro Kompanie bedeutet, dass wir sehr viele JTACs brauchen, die wir aber nicht annähernd haben," erklärte Capt. (Hauptmann) Jon Chango, der Leiter des JTAC-Kurses der Air Ground Operations School (der Schule für kombinierte LuftBoden Operationen) der US-Air Force in Europa / USAFE im (Kaiserslauterer Stadtteil) Einsiedlerhof in Deutschland. Gegenwärtig verfüge die Air Force über 526 ausgebildete JTACs, sagte Master Sgt. (Feldwebel) Jay Lemley, der für die Vereinheitlichung und Bewertung der JTAC-Ausbildung der Air Force in Europa zuständig ist. Die Anzahl ändere sich ständig und schließe die JTACs der Air National Guard (der Luftwaffe der Nationalgarde) und des Special Operations Command (des Kommandos Spezialkräfte) der Air Force nicht ein. Lemley teilte mit, es sei geplant, die Anzahl der JTACs im Lauf der nächsten vier Jahre auf 1.036 zu erhöhen. Die Air Force bildet ihre JTACs in zwei Schulen aus; eine wird auf der Nellis Air Force Base in Nevada und die andere als Schule der USAFE auf dem Einsiedlerhof in Deutschland betrieben. General Roger Brady, der Chef der USAFE (dessen Hauptquartier sich auf der USAir Base Ramstein befindet), habe die in Europa angesiedelte Schule angewiesen, ihre Ausbildungskapazität von 72 auf 144 Absolventen pro Jahr zu verdoppeln, teilte Lt. Gen. (Generalleutnant der Air Force) Al Roberts, der Kommandeur der Schule (auf dem Einsiedlerhof) mit. Es werde erwartet, dass mindestens 50 Prozent der Absolventen nicht aus den USA, sondern aus anderen Ländern kommen. In dem gegenwärtig laufenden fünfwöchigen einführenden Qualifikations-Kurs gehören von 14 Teilnehmern zum Beispiel nur drei der US-Air Force an. Der Rest kommt aus Rumänien, Lettland, Estland, Belgien, Norwegen, Slowenien, Kroatien und Polen. Die Ausweitung der Ausbildung in Europa wird zwar die Anzahl der US-amerikanischen JTACs nicht sofort spürbar erhöhen, dafür trägt sie aber zur Verringerung des Mangels an JTACs in anderen Staaten bei, die ebenfalls Truppen in Afghanistan einsetzen. "Die Anzahl der an der Front eingesetzten (ausländischen) JTACs wächst ständig," äußerte Lemley. "Sie sollen hauptsächlich ihre eigenen Truppen unterstützen. Aber bei den gegenwärtig dort unten stattfindenden (heftigen) Kämpfen kommt es auch vor, dass sie unseren und wir ihren Truppen aushelfen." Dank der Hilfe der USAFE hätten die rumänischen Streitkräfte in Afghanistan jetzt ihre eigenen JTACs; in den vergangenen sechs Jahren habe man ihnen einen JTAC der USAir Force zuteilen müssen, ergänzte Lemley. "Mit den Kapazitäten, die wir ihnen verschaffen, entlasten wir gleichzeitig unserem JTACKader," fügte er hinzu. Kommunikation sei für einen JTAC überlebenswichtig, sagt Roberts. "Dabei geht es nicht nur um Grundkenntnisse in der englischen Sprache, die JTACs müssen auch den Fachjargon beherrschen, in dem die Gespräche (zwischen dem JTAC und dem Piloten) bei der Luftnahunterstützung abgewickelt werden," erklärte er. "Nachdem wir ihnen beigebracht haben, was sie sagen müssen, üben wir das auch in der Praxis. Wir begeben uns mit ihnen ins Gelände, und lassen sie mit den Piloten (ebenfalls übender Flugzeuge) kommunizieren." Die JTAC-Schüler trainieren mit den Piloten ganz unterschiedlicher Flugzeuge – zum Beispiel mit deutschem Tornados und Schulflugzeugen des Typs PC-9 (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Pilatus_PC-9 ) oder mit US-amerikanischen und belgischen F-16. "Jeder soll mit jedem sprechen, weil das beim Fronteinsatz auch geschieht," sagte Roberts. Die Schule beschäftige auch mehrere Angehörige der US-Army, damit die JTACs auch lernen, mit der Army zu kommunizieren, ergänzte Roberts. Weil noch nicht jede Army-Kompanie auf dem Schlachtfeld über einen JATC verfüge, setze die Army zunehmend auch Joint Fires Observers / JFOs (vorgeschobene Beobachter, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Vorgeschobener_Beobachter ) als "Augen und Ohren" der JTACs ein, erklärte Tech. Sgt. (Dienstrang zwischen Stabsunteroffizier und Feldwebel) Matthew Muse, der selbst JTAC und an der Air Ground Operations School der USAFE für die Vereinheitlichung und Bewertung der JTAC-Ausbildung zuständig ist. Der JTAC könne dann beim Bataillons-Kommandeur bleiben und sich auf die Angaben der (bei den Einheiten befindlichen) JFOs verlassen, wenn er Flugzeuge zur Luftnahunterstützung anfordere. Nach dem Durchlaufen des einführenden Qualifikations-Kurses bei der USAFE setzen die JTACs ihr Training bei ihrer Einheit fort; beim Eintreffen im Kampfgebiet werden ihre Fähigkeiten als JTACs und ihre Kenntnis der Einsatzregeln nochmals überprüft. Major Andreas Olssen, 35, der Kommandeur der Air Ground Operations School Norwegens, der auch den JTAC-Kurs absolviert, teilte mit, sein Land führe selbst ein gründliches JTAC-Ausbildungsprogramm durch, schicke aber auch Soldaten zur Ausbildung an die Schule der USAFE und nach Großbritannien. Die US-Streitkräfte setzten die Maßstäbe für diese Ausbildung, weil sie in Afghanistan über die meisten Flugzeuge verfügten, ergänzte Major Olssen. "Normalerweise wird ein JTAC bei einer Einheit seines eigenen Landes eingesetzt," sagte er. "Seine Verwendung unterliegt der nationalen Verantwortung." Wenn aber US-Einheiten ohne eigene JTACs unter Feuer gerieten und ein norwegischer JTAC in der Nähe sei, versuche er natürlich auszuhelfen, weil man ja auch gemeinsam kämpfe." [ENDE]


Originalquelle/n:
STARS AND STRIPES, 04.10.10
http://www.stripes.com/news/europe/air-force-increases-airstrike-training-for-allies-1.120645

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

--
Anmerkung/en des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Nach unserem Kommentar folgt der Originaltext.)
Unser Kommentar
Über die Bedeutung der beim Warrior Preparation Center (Krieger-Vorbereitungszentrum) auf dem Einsiedlerhof, einem Kaiserslauterer Stadtteil, angesiedelten Air Ground Operations School für die Ausbildung der JTACs und deren Aktivitäten in den völkerrechtswidrigen Angriffskriegen der USA und der NATO im Mittleren Osten haben wir bereits mehrfach berichtet. Nachzulesen ist das in den nachfolgend verlinkten Ausgaben der LUFTPOST:

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_06/LP09406_010906.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP07508_290408.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP09008_270508.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP25608_201208.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP02009_220109.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP18409_270809.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP21609_061009.pdf und
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP02110_200110.pdf.

Bisher war in der US-Militärpresse allerdings nie zu lesen, dass auch der praktische Teil der JTAC-Ausbildung – die direkte Kommunikation mit in das Training einbezogenen, über der Westpfalz und dem Saarland übenden Kampfjets – in der Umgebung Kaiserslauterns stattfindet. Da das beigefügte Bild bei Bann im Kreis Kaiserslautern aufgenommen wurde, ist davon auszugehen, dass der slowenische JTAC dem Piloten des angeforderten Kampfjets eine der beiden POLYGONE-Radarstationen bei Bann als anzugreifendes Übungsziel durchgegeben hat. Dann kann der Pilot gleichzeitig auch noch üben, wie das Radar der dort simulierten feindlichen Luftabwehr auszutricksen ist. Weitere Infos zur Funktion der Polygone sind folgenden LUFTPOST-Ausgaben zu entnehmen:

http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_05/LP01505_010605.pdf und
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP04409_220209.pdf .

Wenn in der TRA Lauter und über den POLYGONEN jetzt auch noch spezielle Übungsflüge für das JTAC-Training stattfinden, wird der Fluglärmterror garantiert weiter zunehmen. Dabei belegt auch dieser STARS AND STRIPES-Artikel erneut, dass die US-Streitkräfte auf unserem Territorium verfassungswidrige Angriffsvorbereitungen betreiben, die nach Artikel 26 unseres Grundgesetzes zu verbieten und zu bestrafen sind."






[HINWEIS: Alle Text werden als Fliess- bzw. Plain-Text erfasst; Schriftarten/-typen und eingebettete Bilder, Grafiken usw. werden dabei gar nicht, Zeilenwechsel nur in Ausnahmefällen berücksichtigt. Bitte greifen Sie im Zweifelsfalle auf den Original-"Luftpost"-Artikel zurück, dessen Quelle weiter unten genannt wird; danke.]

--
Erfasst am 16.10.2010
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP20010_151010.pdf