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(Artikel * 2010) Mahnaimi, Uzi
Israel droht Syrien wegen möglicher Hisbollah-Angriffe
in Luftpost - Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein Nr. LP 108/10 * Seite 1 - 2
Themen: Konflikt * Israel; Libanon; Syrien * Naher Osten; Übersetzung : Jung, Wolfgang; Scud-Raketen; Kriegsdrohung Israels * Dok-Nr: 217100
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"Israel droht Syrien wegen möglicher Hisbollah-Angriffe

Israel hat dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad eine bisher geheim gehaltene Warnung zukommen lassen, dass es auf Raketenangriffe der Hisbollah – einer militanten islamistischen Gruppe im Libanon (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Hisbollah) – mit sofortigen Vergeltungsschlägen gegen Syrien antworten werde. In einer Botschaft, die Anfang dieses Monats übermittelt wurde, kündigte Israel an, es betrachte die Hisbollah jetzt als Verband der syrischen Armee; deshalb müsse Syrien (wenn die Hisbollah Raketen auf Israel abfeuere) mit sofortigen und verheerenden Vergeltungsmaßnahmen rechnen. Die Warnung erfolgte, weil der israelische Geheimdienst herausgefunden haben will, dass Syrien der Hisbollah kürzlich ballistische Langstreckenraketen und Flugabwehrsysteme geliefert hat. "Wir werden Syrien in die Steinzeit zurückbomben, indem wir seine Kraftwerke, seine Häfen, seine Treibstofflager und seine gesamte strategischen Infrastruktur zerstören, falls die Hisbollah es wagen sollte, uns mit ballistische Raketen anzugreifen," drohte ein israelischer Minister letzte Woche vor einem kleinen Kreis von Vertrauten. Die Warnung, die Damaskus von dritter Seite übermittelt wurde, sollte ein schon früher ausgesandtes Signal des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman verstärken, der gesagt hatte: "Wenn ein Krieg ausbricht, wird die Assad-Dynastie ihre Macht verlieren und aufhören, in Syrien zu herrschen." Es wird angenommen, dass die israelische Entscheidung, Syrien direkt für Aktionen der Hisbollah zur Verantwortung zu ziehen, auf Erkenntnisse des (israelischen) Geheimdienstes zurückzuführen ist, die besagen, dass Beirut die Kontrolle über diese schiitische Organisation verloren hat, die im Libanon immer mächtiger geworden ist. Die Berichte, dass Syrien die Hisbollah mit in Russland hergestellten ballistischen Scud-Raketen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Scud) versorgt haben soll, haben die israelische Regierung alarmiert. Wenn diese Raketen mit chemischen Sprengköpfen ausgestattet werden, ist ganz Israel durch Giftgas bedroht. Deshalb wird die ganze israelische Bevölkerung mit neuen Gasmasken ausgestattet, über deren Wichtigkeit ein großangelegter Werbefeldzug im Fernsehen aufklärt. Die Hisbollah, die mit Hilfe der Iranischen Revolutionsgarde aufgebaut wurde und im Jahr 2006 der israelischen Armee 34 Tage lang standhielt, hat nach Aussage des israelischen Verteidigungsministpern und Raketen angesammelt. Uzi Rubin, ein israelischer Raketenexperte, schätzt, dass 13.000 der Raketen ständig auf Israel gerichtet sind. "Der Iran finanziert die Hisbollah und bezahlt Syrien den militärischen Nachschub, mit dem es die Hisbollah versorgt," ließ der israelische Geheimdienst verlauten. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat Israel in den letzten Monaten mehrfach Vergeltungsmaßnahmen angedroht: Jeder Angriff auf den Beiruter Flughafen werde mit einem Raketenangriff auf den Ben Gurion-Flughafen in Tel Aviv beantwortet. Die Belieferung der Hisbollah mit Scud-Raketen wird von den Israelis als ernstzunehmende Bedrohung angesehen. "Das ist das erste Mal, dass eine international bekannte Terrororganisation mit ballistischen Raketen ausgestattet wurde," sagte der Minister. (Die Regierung in) Washington und gemäßigte Staatsmänner des Mittleren Ostens, darunter auch der jordanische König Abdullah, sind beunruhigt. "Wir sind wirklich zunehmend besorgt darüber, dass diese technisch hochentwickelten Waffen an die Hisbollah weitergegeben worden sein sollen," sagte Robert Gibbs, der Sprecher des Weißen Hauses. Letzte Woche hat das Außenministerium Syriens entschieden jede Weitergabe von Scud-Raketen bestritten. Es erklärte, die (unbewiesenen) Behauptungen Israels dienten nur als Vorwand für einen israelischen Angriff auf Syrien und als Begründung dafür, dass Israel im Friedensprozess keine Zugeständnisse machen wolle. Aber die Israelis beharren auf ihrer Anschuldigung. "Wir werden nicht zögern, Syrien anzugreifen, wenn die Sicherheit unseres Staates bedroht ist," sagte der israelische Minister. "Assad weiß, dass er mit dem Feuer spielt." " [ENDE]


Originalquelle/n:
TIMES ONLINE, 18.04.10
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article7101106.ece

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

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Anmerkung/en des Übersetzers:
"(Wir haben den Artikel über die erhöhte Kriegsgefahr im Mittleren Osten, über die sich unsere Mainstream-Medien bisher ausschweigen, komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Wenn Israel Syrien überfällt, dürfte ein Angriff der USA und der NATO auf den Syrien unterstützenden Iran folgen. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)"






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Erfasst am 12.08.2010
Quelle des "Luftpost"-Artikels:
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP10810_230410.pdf