Volltext

(Artikel * 2008) Schumacher, Juliane
Mono auf dem Vormarsch Der Kampf um den Genmais in Mexiko
in iz3w Nr. 306 * Seite 7 - 9
Themen: Gentechnik/Biotechnologie; Mais * Mexico * * Dok-Nr: 199209
Standorte: A3W Osnabrück; FDCL Berlin; iz3w Freiburg; Nicabüro Wuppertal; IfaK Göttingen; biz Bremen; EWNT Jena

Mexiko

Mono auf dem Vormarsch
Der Kampf um den Genmais in Mexiko

Mais ist nicht nur das wichtigste Grundnahrungsmittel Mexikos, er gilt auch allen indigenen Gesellschaften Mittelamerikas als heilig. Derzeit ist er in den Augen vieler MexikanerInnen bedroht – von genetisch verändertem Mais. Dieser wird mit Billigung der Regierung von großen Biotech-Konzernen eingeführt. Kritische NGOs befürchten die Ausbreitung von Monokulturen und eine verstärkte Abhängigkeit der KleinproduzentInnen.

von Juliane Schumacher

Eigentlich ist Genmais in Mexiko verboten. 1998 verabschiedete die damalige Regierung ein Moratorium, um den Anbau von genverändertem Mais zu stoppen, der bis dahin vereinzelt auf Versuchsfeldern wuchs. Zu groß, fürchteten WissenschaftlerInnen, sei das Risiko, dass die genveränderten Sorten sich im Ursprungsland des Mais auskreuzten, unabsehbar die Folgen für das Ökosystem und die Ernährungssicherheit. Denn Mais ist das Grundnahrungsmittel für über 60 Prozent der Bevölkerung, auf dem Land wie in den Städten, vor allem aber in den ärmeren Schichten.
»Der Mais ist Mexikos neuralgischer Punkt«, sagt Silvia Ribeiro von der ETC Group, einer NGO, die in Kanada, den USA und Mexiko zu Umwelt- und Wirtschaftsthemen arbeitet. Genmais ist seit Jahren ein Hauptthema für Ribeiro aus dem mexikanischen Büro. Der Mais habe eine enorme Bedeutung für die Umwelt und für die Wirtschaft, sagt sie, vor allem aber sei er essenzieller Bestandteil der mexikanischen Kultur. Vor rund 5.000 Jahren züchteten frühe SiedlerInnen im südlichen Mexiko aus dem Wildgras teocintle die ersten Maissorten. Der hohe Nährstoffgehalt der Pflanze schuf Ernährungssicherheit und begünstigte dadurch die Entstehung der ersten Hochkulturen in Mittelamerika. Aus Mais hätten die Götter die Menschen geschaffen, erzählt
die Maya-Legende. Vor allem in indigenen Gemeinschaften und auf dem Land, wo mehrere Millionen Menschen in Subsistenzwirtschaft leben, ist Mais Grundlage der Einteilung der Jahreszeiten, der Feste und Bräuche. »Selbst die traditionelle Architektur der Häuser«, sagt Ribeiro, »ist darauf ausgerichtet, möglichst gut Mais lagern und verarbeiten zu können.«

Eine Studie als Politikum
Die große Bedeutung des Mais macht den Schock verständlich, den zwei Biologen im Jahr 2001 auslösten: David Quist und Ignacio Chapela, Forscher an der kalifornischen Universität Berkeley, hatten in zwei abgelegenen Gebieten im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca Proben von traditionellen Landmaissorten genommen, die KleinbäuerInnen dort anbauten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten Quist und Chapela im renommierten Fachblatt Nature. In drei bis zehn Prozent der Proben fanden sich Gensequenzen, die normalerweise in genetisch veränderten Sorten eingesetzt werden. Die Forscher folgerten, dass sich diese Varietäten in die traditionellen Sorten eingekreuzt hätten. Der Artikel sorgte weltweit für Aufregung. WissenschaftlerInnen kritisierten die Methodik der Studie, deren Ergebnisse somit zweifelhaft seien. Nach sieben Monaten zog Nature den Artikel offiziell zurück – ein einmaliger Vorgang in der 135-jährigen Geschichte des Blattes. Als Grund nannte die Redaktion wissenschaftliche Ungenauigkeiten in der Untersuchung, die ihr erst durch Hinweise anderer WissenschaftlerInnen nach der Veröffentlichung aufgefallen seien.
Autor Chapela hingegen vermutete Druck von Seiten der Biotechnologie-Konzerne. Die Universitäten würden gerade auf dem Gebiet der Biotechnologie eng mit Konzernen zusammenarbeiten, sagte der Forscher 2004 in einem Interview. Die WissenschaftlerInnen seien »eingeschüchtert und besorgt darüber, dass eine Arbeit über die Auswirkungen von Transgenen einen sehr schlechten Einfluss auf ihre Forschung haben könnte.« Dass diese Angst berechtigt ist, musste Chapela selbst erfahren: In Folge des Vorfalls verlor er 2003 seinen Job an der Universität Berkeley, erst zwei Jahre später nahm aufgrund massiven öffentlichen Drucks ein Fakultätsgremium die Entscheidung zurück.
In Mexiko allerdings hatte das Kapitel »Genmais« erst begonnen. Sofort nach Bekanntwerden der Ergebnisse von Quist und Chapela führte das Umweltministerium eine Studie durch, die die Ergebnisse bestätigte. Eine wenig später durchgeführte Untersuchung eines Zusammenschlusses von indigenen Gemeinden und NGOs im Jahr 2003 zeigte auch in zahlreichen anderen Bundesstaaten eine hohe Rate an »Verunreinigung« lokaler Sorten durch genveränderten Mais. Manche Pflanzen enthielten Spuren der Sorte Starlink von Aventis/ Bayer, die in den USA für menschlichen Konsum nicht zugelassen und zu der Zeit bereits vom Markt genommen worden war. Andere zeigten Gensequenzen mehrerer verschiedener Varietäten, was als Hinweis gilt, dass die Verunreinigung bereits länger besteht. Die umfassendste Studie führte das Agrarministerium durch: ForscherInnen nahmen Tausende von Proben in allen Regionen Mexikos. Die Ergebnisse wurden aber bis heute nicht veröffentlicht. Stattdessen kam eine weitere Studie von ForscherInnen aus den USA und Mexiko 2005 überraschend zu dem Ergebnis, dass der Genmais aus Mexiko verschwunden sei.

Gentech dank freiem Markt
Während unter WissenschaftlerInnen noch der Streit tobte, welche Studien von wem finanziert und zu welchen Ergebnissen gekommen waren, hatten sich in Mexiko bereits weite Teile der Bevölkerung gegen Genmais positioniert. »In Umfragen wollen neunzig Prozent der KonsumentInnen keine genveränderten Lebensmittel«, berichtet Silvia Ribeiro von der ETC Group. »Das ist in Mexiko so wie in fast allen Ländern der Welt«. Nur könne in Mexiko niemand entscheiden, nicht einmal wissen, ob er Genmais esse. Denn eine Kennzeichnungspflicht für genveränderte Lebensmittel gibt es nicht.
Das spielt vor allem deshalb eine Rolle, weil Mexiko rund ein Drittel seines Bedarfs an Mais aus den USA importiert. Dies ist schon seit den 1980er Jahren so, als die Regierung angesichts der Schuldenkrise und unter dem Einfluss neoliberalen Denkens begann, das staatlich gestützte Produktionssystem für Grundnahrungsmittel schrittweise in den ‚freien Markt’ zu überführen. Mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta, das 1994 in Kraft trat, wurde der Import von Mais zusätzlich vereinfacht, denn im Unterschied zu vielen anderen Freihandelsabkommen gilt Nafta auch für Lebensmittel. Mit dem hoch subventionierten und industriell angebauten Mais aus den USA können zwar die LandwirtInnen im Norden Mexikos mithalten, die das Getreide dort auf riesigen Feldern und mit Hilfe intensiver Bewässerung kultivieren. Doch in Mexiko bauen bis heute über 85 Prozent der ProduzentInnen Mais auf winzigen Feldern und unter widrigen Bedingungen an, vor allem im indigen geprägten Süden des Landes. Für sie haben sich die Bedingungen in den letzten 15 Jahren stetig verschlechtert. Die Einkommen im mexikanischen Agrarsektor sind seither um 60 Prozent gesunken.
Über 70 Prozent der Landbevölkerung sind arm, 20 Prozent leben in extremer Armut. Den Jugendlichen bleibt oft nur die Flucht in die Städte oder in die USA. »Die Technokraten in der mexikanischen Regierung haben seit 25 Jahren darauf verzichtet, den Bauern zu helfen, damit Mexiko sich selbst versorgen kann, und stattdessen auf billige Importe gesetzt«, schrieb Armando Bartra kürzlich in der mexikanischen Tageszeitung La Jornada. Das entspreche dem Theorem der komparativen Kostenvorteile, fügt Bartra sarkastisch hinzu: »Wir exportieren Mexikaner und importieren Mais.« Eine halbe Million Menschen flieht jedes Jahr von Mexiko in die USA – und Mexiko hat im letzten Jahr 10,7 Millionen Tonnen Mais importiert.
So war es auch kein großes Rätsel, woher die Auskreuzungen stammten, die ab 2001 in Mexiko entdeckt wurden: In den USA sind über 60 Prozent des angebauten Mais genverändert, und dieser Mais gelangt zollfrei und ungekennzeichnet nach Mexiko. »Vielen KleinbäuerInnen reicht ihre Ernte nicht, sie müssen am Ende der Saison Mais für die Aussaat zukaufen«, sagt Ribeiro. »Diconsa, ein staatlicher Getreidehandel mit rund 22.000 Läden in ländlichen Gebieten, kauft einen Teil seiner Maissamen in den USA.«
Nicht nur die Not ist der Grund, warum die KleinbäuerInnen den Genmais unwillentlich verbreitet haben. Die BäuerInnen in Mexiko experimentieren traditionell mit eigenen und gekauften Samen, um den Mais zu verbessern. So sind die über 40 Maissorten und Tausende von Varietäten entstanden, die es heute in Mexiko gibt. »Wir haben Mais für jedes Klima: für trockene Regionen und feuchte, warme und kühle, Mais, der sich für Getränke eignet, anderen für Tortillas oder als Tierfutter«, sagt Enrique Pérez vom Kleinbauernverband ANEC. »Für jeden erdenklichen Bedarf gibt es eine angepasste Sorte. Wir brauchen einfach keinen Genmais.« Genmais gefährde im Gegenteil die Vielfalt an Maissorten und erschwere so den BäuerInnen, sich veränderten Umständen anzupassen, wie es beispielsweise der Klimawandel erzwingt.

»Sin maiz no hay país«
Die Einführung von Genmais ist so auch umkämpftes Symbol dafür, welche Art von Landwirtschaft in Mexiko zukünftig vorherrschen soll. Denn Genmais steht für eine Landwirtschaft, wie sie weiten Teilen der bäuerlichen Bevölkerung bisher fremd geblieben ist: der mehr oder weniger industriellen Erzeugung von Lebensmitteln auf großen Flächen, motorisiert, in Monokultur, unter dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, und damit zunehmend unter der Kontrolle großer Konzerne. Rund 26 Prozent der derzeit erhältlichen Genmaissorten produzieren über das Gen einer Bakterie ein Gift, das Schädlinge abtötet, die vor allem in den Monokulturen der USA eine Gefahr darstellen. 73 Prozent sind resistent gegen das so genannte »Round-up«-Gift, ein Totalherbizid, das nahezu alle Pflanzen außer der resistent gemachten hauseigenen Maispflanze abtötet. Die Agrarkonzerne verkaufen es im Paket mit den Samen.
Weil die Genmais-Sorten patentiert sind, ist es den BäuerInnen zudem verboten, Samen für das nächste Jahr aufzubewahren oder zu tauschen, was zusätzliche Abhängigkeit verursacht. Wohin dies führen kann, zeigte sich zuletzt in Indien, wo sich tausende Bauern umbrachten, nachdem der Kauf von genveränderten Baumwoll-Pflanzen sie in den Ruin gestürzt hatte. »Wir brauchen dringend Veränderungen, vor allem Unterstützung auf dem Land«, sagt Pérez, »aber die Kleinbauern und -bäuerinnen sollen mitentscheiden können, wie diese aussehen sollen.« Die Einführung von Genmais gehöre mit Sicherheit nicht dazu. »Die Kleinbauern und -bäuerinnen sind sich sehr bewusst darüber, dass ihnen der Genmais nichts nützt und nur den Konzernen Gewinne beschert«, so Pérez, deshalb gebe es auch soviel Widerstand. Nach den Kampagnen der letzten Jahre und mühevoller Aufklärungsarbeit in zahlreichen Dörfern wüssten viele Bauern und Bäuerinnen zumindest halbwegs über Genmais bescheid, sie seien vorsichtiger mit zugekauften Samen.
ANEC hat 2007 die Kampagne »Sin maiz no hay país« (Ohne Mais haben wir kein Land) mit organisiert. Die AktivistInnen haben zu Konzerten und zu »Land«-Festen in der Stadt geladen. Sie wollten die BewohnerInnen der Millionenstädte für die Probleme des Landes sensibilisieren und Unterschriften sammeln gegen die Erweiterung des Nafta-Abkommens am 1. Januar 2008. Etwas über eine halbe Million Unterschriften kamen zusammen, die Erweiterung ist aber trotz der Proteste in Kraft getreten. Seither dürfen auch unbeschränkt Produkte eingeführt werden, die bisher noch Beschränkungen unterlagen, etwa Bohnen oder der höherwertige weiße Mais.
»Gerade in den Großstädten ist noch viel zu tun«, sagt Aleira Lara, Koordinatorin der Genmais-Kampagne von Greenpeace Mexiko. Viele Menschen wüssten nicht einmal, was Genmais überhaupt ist und würden sich wenig um die Qualität von Lebensmitteln kümmern. »Wir haben ja in Mexiko die absurde Situation, dass das Problem von Übergewicht rasant zunimmt, Mexiko nach den USA zweitgrößter Konsument von zuckerhaltigen Getränken ist und zugleich 40 Prozent der Kinder auf dem Land unterernährt sind«, sagt Lara. Aber das Bewusstsein für diese Fragen wachse. Das bekommt auch Greenpeace zu spüren: Das Spendenaufkommen wächst, das Büro in Mexiko-Stadt hat allein in den letzten Monaten zwanzig neue MitarbeiterInnen eingestellt.

Bioenergie verschärft die Lage
Weil der Widerstand gegen Genmais wächst, erhöhen aber auch die Konzerne den Druck auf die mexikanische Regierung, endlich Fakten zu schaffen – und den Anbau von genverändertem Mais zu legalisieren. Drei große Agrarkonzerne teilen sich den Markt für Genpflanzen auf: Monsanto, Aventis/
Bayer und Syngenta. Allein der Biotechnologie-Konzern Monsanto hält rund 90 Prozent der Rechte an genveränderten Pflanzen weltweit, er ist es auch, der in Mexiko bei der Verbreitung von Genmais die größte Rolle spielt. Als Anfang 2007 die Preise für das Grundnahrungsmittel Mais auf ein Rekordhoch stiegen, war das »Wasser auf den Mühlen Monsantos«, wie Greenpeace Mexiko schrieb. Grund der Preissteigerung war zum einen die verstärkte Nachfrage nach Mais in den USA zur Produktion von Biotreibstoff, zum anderen aber schlicht Spekulation, denn die privatisierten mexikanischen Lebensmittelkonzerne nutzten die Gelegenheit, mit Verweis auf den Weltmarktpreis die Preise hochzutreiben.
Monsanto zögerte nicht, die Nahrungsmittelkrise auf die überholten Produktionsmethoden zurückzuführen und genveränderte Sorten als »alternative Lösung« zu präsentieren. Genmais bringe höhere Erträge, warb der Konzern, und er sei besser an die veränderten Bedingungen des Klimawandels angepasst. Auch wenn Studien in beiden Fällen das Gegenteil beweisen – der Unterstützung des mexikanischen Agrarministers konnte er sich sicher sein. Alberto Cárdenas befürwortet genveränderte Pflanzen, und es ist bekannt, dass er enge Kontakte zu Monsanto pflegt. Nicht nur die gestiegenen Maispreise brachte er als Argument für genveränderte Pflanzen vor, sondern auch das im Februar 2006 beschlossene Gesetz zur Bioenergie. Das Gesetz fördert ausdrücklich den Anbau von Pflanzen zur Erzeugung von Energie, und dies unter Bedingungen, wie sie für Genmais optimal sind: als großflächige Monokultur. Mit dem rasanten Aufstieg der Agrartreibstoffe in jüngster Zeit hat dieses Argument noch an Attraktivität gewonnen: »Wenn Mexiko Ethanol aus Pflanzen nutzen und von der wachsenden Nachfrage aus den USA profitieren möchte, muss es eine Strategie zur Steigerung der Produktion entwickeln, die technologische Fortschritte wie Genmais einbezieht«, schrieb im Mai 2007 das unternehmernahe Forschungszentrum für Privatwirtschaft.
»Die mexikanische Regierung ist zu hundert Prozent für den Anbau von genverändertem Mais«, sagt Silvia Ribeiro. Sie habe nie Maßnahmen gegen die Verunreinigung des Mais ergriffen, und das, obwohl selbst die Umweltkommission der Nafta 2004 empfahl, Mais nur noch in gemahlener Form einzuführen. Eigentlich stehen auf Verstöße gegen das Moratorium bis zu neun Jahre Haft, aber obwohl solche Verstöße immer wieder vorkamen, habe es nie eine Verurteilung gegeben, erzählt Ribeiro. Die engen Verbindungen zwischen Monsanto und Mitgliedern der Regierung seien ein offenes Geheimnis, auch gebe es Hinweise darauf, dass Monsanto Abgeordnete vor Abstimmungen bezahlt.

Eine Lex Monsanto
»Die Verunreinigung durch den Genmais ist kein Zufall, sondern Strategie«, sagt Ribeiro. Mit derselben Methode sei es Monsanto auch schon in Brasilien gelungen, genverändertes Soja durchzusetzen. Es sei dort verboten gewesen, Monsanto jedoch habe den BäuerInnen großzügig Saatgut geschenkt, und als im ganzen Land Genpflanzen verbreitet waren, hätte die Regierung Gensoja schließlich legalisiert. »Ley Monsanto« nennen die MexikanerInnen daher das »Gesetz zu Biosicherheit und genveränderten Pflanzen«, das 2005 in Kraft trat und die Aussaat von Genmais erlaubt, zunächst nur auf Versuchsfeldern. Durch Klagen und den Verweis auf internationale Abkommen zur Schutz der Biodiversität konnten Umweltorganisationen die Umsetzung des Gesetzes bisher verhindern. Im Oktober 2007 musste das Agrarministerium zum dritten Mal den Antrag für die Freisetzung von vier gentechnisch veränderter Maissorten zurückweisen, weil die Ausführungsbestimmungen des Gesetzes noch nicht veröffentlicht sind.
Der zähe Kampf um die Ausführung des Gesetzes zieht sich nun schon über zwei Jahre. Jedes Frühjahr und jeden Herbst sind die GegnerInnen des Genmais in Alarmbereitschaft. Sie erwarten, dass die Regierung die Bestimmungen kurz vor der Mais-Aussaat veröffentlicht, um dem Widerstand möglichst wenig Zeit zu geben. Der Ausgang ist noch nicht entschieden, aber dass Monsanto bald klein beigeben werde, glaubt Ribeiro nicht. Denn die Frage, ob sich Genmais in Lateinamerika durchsetzen lässt, entscheide sich hier: »Wenn Monsanto es schafft, Genmais in Mexiko durchzusetzen, mit welchem Argument sollen sich dann andere Länder noch dagegen wehren?«


Juliane Schumacher ist freie Journalistin in Berlin.