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(Artikel * 1999) Lutz, Georg
Savimbis best friends Der Diamantenhandel finanziert den neu entbrannten Bürgerkrieg in Angola Angola - Diamantenhandel finanziert den Bürgerkrieg
in Blätter des iz3w Nr. 236 * Seite 11 - 13
Themen: Bürgerkrieg; Angola; Diamantenhandel * Dok-Nr: 131133
Standorte: A3W Osnabrück; iz3w Freiburg; Nicabüro Wuppertal; 3WF Hannover; IfaK Göttingen; biz Bremen; EWNT Jena

Angola

Savimbi?s best friends
Der Diamantenhandel finanziert den neu entbrannten B?rgerkrieg in Angola

von Georg Lutz

Mit der Unterzeichnung des Protokolls von Lusaka hatte 1994 die Friedensmission der UNO in Angola begonnen. Wie in einigen zentralamerikanischen L?ndern, in denen zu Zeiten des Kalten Krieges jahrzehntelang B?rgerkriege gef?hrt wurden, sollten nun auch in Angola die Guerilla in die Gesellschaft integriert und die Milit?rapparate abgebaut werden. Trotz massiven internationalen Einsatzes ist dies nicht gelungen und der Krieg jetzt neu entflammt.


Seit dem Jahreswechsel 1998/99 ist Angola in die Schlagzeilen der Tagespresse zur?ckgekehrt: Es herrscht wieder Krieg. Nachdem Ende vergangenen Jahres zwei UNO-Maschinen abgeschossen worden waren, konstatierte Generalsekret?r Kofi Annan in einem Bericht Mitte Januar den ?Zusammenbruch des Friedensprozesses in Angola? und damit das Scheitern verschiedenster UNO-Missionen der letzten Jahre. Bis Ende M?rz werden jetzt ? bis auf wenige Beobachter ? die letzten Blauhelmsoldaten und das zivile Personal abgezogen sein.
Das Gleichgewicht des Friedens seit Mitte der neunziger Jahre ? im Nachhinein mu? man wohl eher von einer Gefechtspause sprechen ? stand von jeher auf t?nernen F??en. Schnell wurde deutlich, da? die Unita-Guerilla an den Sammelstellen nur veraltete Waffen abgab und in erster Linie zwangsrekrutierte Kindersoldaten demobilisierte. Sie nutzte die Jahre seit 1994, um ihre Kerntruppen zu reorganisieren und das Waffenarsenal zu modernisieren. Der ?Warlord? Savimbi, unumschr?nkter Herrscher der Unita, kam nie bis nach Luanda, konnte aber immer einige Kerngebiete im zentralen Hochland unter seiner Kontrolle halten (s. iz3w Nr. 214).
Aber auch die angolanische MPLA-Regierung sah 1997 nach dem Sturz des Diktators Mobutu im damaligen Zaire wieder die Chance einer milit?rischen L?sung. Schon der Vormarsch von Kabilas Truppen auf Kinshasa war von Angola logistisch unterst?tzt worden ? liefen doch bis dahin die zentralen Nachschublinien der Unita ?ber Zaire. Diese versuchte auch bis zum letzten Augenblick das marode Regime von Mobutu zu halten. Als dies nicht gelang, trafen sich ehemalige Mobutu-Offiziere und die Unita schon im Dezember 1997 auf der Unita-Basis Andulu mit dem Ziel, Kabila zu st?rzen. Zu ihnen stie?en wenig sp?ter die von Kabila abgefallenen Banyamulenge und andere Gruppen aus dem Osten der nunmehrigen Demokratischen Republik Kongo. Diese in sich v?llig widerspr?chliche Koalition eroberte mit tatkr?ftiger Unterst?tzung aus Uganda und Ruanda innerhalb weniger Monate nicht nur Teile des ?stlichen Kongos, sondern auch des kongolesisch-angolanischen Grenzgebietes an der Atlantikk?ste. Damit war die angolanische Enklave Cabinda, in der die Haupterd?lf?rdergebiete Angolas liegen, bedroht. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, da? der angolanische Pr?sident Dos Santos die Hilferufe Kabilas aufgriff und seit Mitte August 1998 angolanische Streitkr?fte die Rebellen angriffen und schlie?lich vertrieben.
Damit war aus Sicht der MPLA die Unita nachhaltig geschw?cht. Drei weitere Punkte sprachen f?r die M?glichkeit, jetzt zu einer schnellen milit?rischen L?sung im eigenen Land zu kommen. Erstens wollte die Konferenz der Staaten des s?dlichen Afrika (SADC) mit der Unita nichts mehr zu tun haben. Savimbi wurde im Oktober 1998 explizit als Verbrecher eingestuft. Zweitens gr?ndeten Dissidenten der Unita im September 1998 die ?Unita-Renovada? und lieferten der Regierung damit ein weiteres Argument f?r ihre Propaganda gegen Savimbis Organisation. Und drittens wollte man das Problem Unita loswerden, um die ?konomische Situation zu verbessern.

Krieg der Warlords um Ressourcen
Schon immer war f?r die Regierung die ?lf?rderung, in erster Linie an der K?ste und heute auch off-shore auf Plattformen, die zentrale Einnahmequelle. ?ber 80 Prozent der staatlichen Einnahmen beruhen auf der F?rderung von Roh?l bzw. auf ?lprodukten. In den letzten Jahren sank allerdings der Roh?lpreis betr?chtlich. Die M?rkte geben nur noch knapp 10 US-Dollar pro Barrel her. Das angolanische Budget rechnete f?r 1998 noch mit einem Preis von 18 Dollar. Die Verluste konnten auch durch neu erschlossene F?rderquellen nicht kompensiert werden. Vor diesem Hintergrund erschien der Regierung die Eroberung der Diamantenminen in den von der Unita kontrollierten Regionen als der K?nigsweg, um der insgesamt desolaten ?konomischen Situation zu entkommen.
Anfang Dezember 1998 bombardierte die angolanische Luftwaffe zentrale St?tzpunkte der Unita wie Bailundo, Mungo und Andulo. Der anschlie?ende milit?rische Vormarsch stockte allerdings. Stattdessen konnte die Unita ihre Positionen festigen und ausbauen. Fast wie zu Beginn der 90er Jahre sind im zentralen Hochland St?dte wie Kuito in Regierungshand, die Umgebung wird aber von den Rebellen kontrolliert. Die Frage nach dem Grund der unerwarteten St?rke der Unita liegt auf der Hand.
Neben der ?lgewinnung ist die Diamantenf?rderung das Filetst?ck der angolanischen ?konomie. W?hrend das ?l f?r die Regierung flie?t, stellen Diamanten f?r die Unita die Haupteinnahmequelle dar. In ihrem Herrschaftsbereich, wo ?konomische Prozesse zum Teil ?ber schlichte Tauschgesch?fte abgewickelt werden, ist das Diamantengesch?ft der ?konomische Dreh- und Angelpunkt zum Weltmarkt. Und das l?uft blendend. Die Unita kontrolliert ungef?hr 70 Prozent der Diamantenproduktion Angolas. Seit 1992 sollen 3,7 Milliarden US-Dollar durch Diamantenverkauf realisiert worden sein. Nur aus diesem Grund konnte das milit?rische Potential aufrecht erhalten, ja offensichtlich sogar modernisiert werden.
?l und Diamanten sind also die beiden angolanischen Weltmarktprodukte, deren Erl?se nicht nur beide Parteien und ihr Klientel versorgen, sondern auch die Kriegsmaschinerie schmieren. W?hrend das gesamte Land vermint und seit Jahrzehnten vom Krieg ?berzogen ist, sind die Enklaven der ?l- und Diamantenf?rderung vom Rest der zerr?tteten ?konomie abgeschnitten. Die Angestellten der ?l-Multis etwa landen auf dem Flughafen in Luanda und werden von dort direkt auf die F?rderplattformen geflogen.
So gibt es in Angola eine klare Zweiteilung der ?konomie. Einerseits sind da die beiden profitablen Sektoren. Sie liegen mit den ihnen angegliederten Dienstleistungsbereichen wie schwer bewachte Inseln als Plattformen im Meer oder, wie die Diamantenminen, in schwer zug?nglichen Landesteilen. Der Rest der ?konomie ist in einem theoretisch landwirtschaftlich gut nutzbaren Land, bis auf zusammengeschmolzene Reste von Kaffeeanbau und dem Handel mit Edelh?lzern, von der Subsistenzwirtschaft abh?ngig oder auf humanit?re Hilfe angewiesen.
Da der Diamantenhandel die finanzielle Grundlage der Unita darstellt und diese an der Erf?llung des Lusaka-Protokolls zum Friedensproze? ?ber Jahre hinweg offensichtlich kein Interesse zeigte, verbot der UN-Sichheitsrat Anfang 1998 mit den Resolutionen 1173 und 1176 den direkten oder indirekten Export von nicht-offiziellen angolanischen Diamanten. ?Ohne Herkunftszeugnis kein Export? lautete das politische Druckmittel, das die Unita gef?gig machen sollte. Vergeblich. Diamanten sind klein und leicht und eignen sich damit besonders gut zum Schmuggel. Die Ausfuhr fand und findet in erster Linie ?ber die Nachbarl?nder statt. Waren fr?her die Einkaufsb?ros in Mbuji-Mayi im ehemaligen Zaire die zentralen Anlaufstationen, m?ssen heute die Flugrouten aufgrund des Embargos und wohl auch wegen der neueren Radarinstallationen, mit denen die USA die Regierung unterst?tzt und eine neue Qualit?t der ?berwachung erm?glichte, immer wieder gewechselt werden. Der Export verl?uft ?ber Staaten, in denen die Unita eine gute Infrastruktur hat und politisch-?konomische Kontakte unterh?lt. Dazu geh?ren die Elfenbeink?ste, Marokko, die Zentralafrikanische Republik und das Nachbarland Sambia.

Klein, leicht und wertvoll
Dabei mischen Schmuggler angolanische Diamanten unter Diamantenpakete aus unterschiedlichen L?ndern oder behaupten schlicht, es handele sich um Mischpakete, um damit die ?bliche ?berwachung des Diamantenexports durch Herkunftszertifikate zu unterlaufen. Die Diamanten erreichen ?ber verschiedene wenig transparente Wege die Diamantenb?rsen in Europa. Belgien ? und hier in erster Linie die Diamantenb?rse in Antwerpen ? ist dabei der Hauptumschlagplatz.
Die Diamantenindustrie erkl?rt entschuldigend, da? es nicht m?glich sei, den Ursprung der Diamanten nachzuweisen. Diese Entschuldigung ist aber mehrfach von unabh?ngiger Seite als nicht haltbar bezeichnet worden. Rohdiamanten aus Angola sind von Experten auszumachen. Der gr??te ?global player? der Diamantenindustrie ist das Unternehmen De Beers und seine Central Selling Organisation (CSO). Sie kontrollieren knapp 80 Prozent der weltweiten Diamantenproduktion. Ob De Beers als Embargobrecher bezeichnet werden kann, ist noch nicht bewiesen. Es hat sich bisher auch noch keine Ermittlungsbeh?rde bei De Beers gemeldet. Die britische NGO ?global witness? hat jedoch im Dezember 1998 die Studie ?A Rough Trade? (Ein ?bles Gesch?ft) ver?ffentlicht, die De Beers unter Druck setzt. Die Schlu?folgerung der Studie lautet: ?Im wesentlichen werden Schmuggel und die falsche Deklarierung von Diamanten solange weitergehen, wie Haupteink?ufer bereit sind, diese Produkte zu erwerben, und solange sie behaupten k?nnen, da? es unm?glich sei, die Herkunft der Diamanten zu bestimmen, wenn sie in gemischten Paketen versteckt sind?. Knapp 20 Prozent der ver?ffentlichten Ums?tze von De Beers aus den Jahren 1996 und 1997 stammen von Rohdiamanten aus Angola. Und bisher hat die Firmenleitung nicht angek?ndigt, sich aus Angola zur?ckzuziehen oder nur Diamanten mit klaren Herkunftszertifikaten zu vertreiben. Es darf gespannt auf den Gesch?ftsbericht 1998 gewartet werden.
Wenn der Warlord Savimbi zu stoppen und der B?rgerkrieg zu beenden ist, dann in erster Linie ?ber den Diamantenhandel als seiner Haupteinkommensquelle. Dazu m??ten aber ? und das ist bekannterma?en nicht nur in Angola ein oft hoffnungsloses Unterfangen ? UNO-Resolutionen auch eingehalten werden. Das hei?t, es m??te f?r alle Diamanten ein Herkunftszertifikat geben, das einer unabh?ngigen Pr?fung unterworfen ist. De Beers m??te dann die Kontrakte mit solchen H?ndlern widerrufen, von denen bekannt wird, da? sie mit Diamanten handeln, die von der Unita geliefert wurden. Dies ist aber vermutlich ein Wunschtraum ? ein ebensolcher Wuschtraum wie die Hoffnung, da? der Krieg endlich beendet werden k?nnte. Vielmehr hoffen derzeit wieder beide Seiten, was ihnen in mittlerweile mehr als 20 Jahren Mord und Totschlag nicht gelungen ist: zu siegen.


Georg Lutz ist Mitarbeiter im iz3w.

Der Krieg wird auch in Angloa nicht nur um Ressourcen und mit finanziellen Mitteln gef?hrt. Mit welcher Ideologie sich die Parteien bek?mpfen und wen sie damit in der Gesellschaft erreichen, bleibt jedoch im Dunkeln. Zu Zeiten der bipolaren Weltordnung war zumindest die formale Zuordnung einfacher: Die Regierung bediente sich einer geliehenen sozialistischen Rhetorik und konnte damit gro?e Teile der st?dtischen Bev?lkerung erreichen. Sie wurde mit Soldaten aus Kuba sowie materiell und politisch von der Sowjetunion unterst?tzt. Heute sind die sozialistischen T?ne abgeschliffen und aus Sicht der MPLA k?mpft eine gew?hlte und anerkannte demokratische Regierung gegen das B?se in Form der Unita-Rebellen. Dieses schlichte Bild ist nicht gerade ?berzeugend. Der lange Krieg hat eine eigene Dynamik erzeugt. So bietet er vielen, zum Beispiel in der Armee, eine ?konomische Grundlage. Wer es sich dagegen leisten kann, und das sind leider wenige, kauft sich vom Kriegsdienst frei. Auf der anderen Seite war Savimbi zu Beginn seiner Karriere als Guerillak?mpfer Anfang der 70er Jahre Maoist, der die chinesische Rhetorik aber 1975 schnell ablegte. In der Folge wurde die Unita personell von S?dafrika und materiell wie politisch von den USA gest?tzt. Die ideologische Grundlage bestand in einer Stammesloyalit?t, die mit der Angst vor Modernisierungsprozessen verbunden war, wie sie die damalige MPLA-Regierung propagierte. Hinzu kam eine hierarchische Struktur, an deren Spitze Savimbi ?ber uneingeschr?nkte Macht verf?gte. Heute ist davon fast nur noch letzteres geblieben. So findet die derzeitige Kriegsrunde beinahe ohne ideologische Legitimation und kontroverse politische Konzepte statt. Die Beteiligten sind schlicht ?ber ?konomische Eink?nfte und Pfr?nde an die Kriegsparteien gebunden.
Daf?r zieht der Krieg seine Kreise in einer Region, die seit dem Sturz Mobutus nicht wieder zur Ruhe gekommen ist. Zuletzt explodierten Ende Februar sechs Bomben in Lusaka, der Hauptstadt von Angolas Nachbarstaat Sambia, einem der ?rmsten L?nder der Welt. Auf diese Weise wollte wohl die Unita die angespannten Beziehungen zwischen Angola und Sambia weiter st?ren. Der angolanische Pr?sident beschuldigt seinen sambesischen Kollegen Chiluba, Waffen an die Unita geliefert zu haben und an Schmuggelgesch?ften mit Diamanten und Waffen beteiligt zu sein. Indem Chiluba selbst zwischen die Fronten ger?t, ist auch seine Rolle als Vermittler zwischen den Kriegsparteien in der Demokratischen Republik Kongo, die er im Auftrag der SADC (Entwicklungsgemeinschaft des s?dlichen Afrikas; siehe iz3w Nr. 227) wahrnimmt, gef?hrdet. Angola, die st?rkste Milit?rmacht in dem Konflikt, unterst?tzt zusammen mit Simbabwe, Namibia und Tschad Kongos Pr?sidenten Kabila in dessen Kampf gegen die Rebellen, die von Uganda und Rwanda protegiert werden.

gelu/FR